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Lebensmittelkontrolleure finden Mängel: Jeder fünfte Döner auffällig

Kunstschinken, Sushi mit Keimen und eklige Döner: Jahr für Jahr finden Lebensmittelkontrolleure unappetitliche Sachen. Bald sollen "Smileys" an Gaststätten zeigen, wie es dort um die Hygiene bestellt ist.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zu Sushi gehören Reis, Meeresfrüchte und Zutaten wie Ingwer und Seetang. Keime zählen nicht dazu. Sushi gilt als Krönung kulinarischer Kunst aus Japan. Was Kontrolleure in deutschen Sushi-Lokalen fanden, war allerdings nicht preisgekrönt: Im Rahmen einer bundesweiten Überwachung nahmen sie im vergangenen Jahr 136 Betriebe unter die Lupe, von denen rund die Hälfte bestimmte europäische Vorsorgestandards nicht einhielt.

Bei rund einem Drittel der Betriebe ging das Personal der Sushi- Lokale nicht so hygienisch vor, wie es eigentlich sollte. Und 27 Prozent von 153 Proben wiesen zu viele Keime auf, berichtete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Fünf Prozent galten schon als verdorben oder waren davor.

"Das ist in der Tat eine Baustelle", sagte der Präsident der Behörde, Helmut Tschiersky-Schöneburg. Doch auch wenn die Lebensmittelprüfer der Länder Jahr für Jahr unangenehme Funde machen, sieht er die Mängel nur als Ausnahmen. "Der Verbraucher erhält sichere und gesunde Lebensmittel."

Am häufigsten Verstöße beim Fleisch

Im vergangenen Jahr nahmen sich die Kontrolleure rund 545.000 Betriebe - etwa die Hälfte aller Betriebe - und rund 387.000 Lebensmittelproben vor. Bei den Proben mit Verstößen liegt Fleisch ganz vorn. Meist sind es Hygienemängel, aber auch die Kennzeichnung lässt oft zu wünschen übrig.

Wenn Schinken draufsteht, kann auch schon mal Kunstschinken drin sein. Die Zutaten: Wasser, Stärke, Verdickungsmittel und Eiweiß - und eben nicht so viel Fleisch, wie es sein soll. In Gaststätten und vor allem in Imbissen ist der Kunstschinken oft nicht auf der Speisekarte ausgewiesen. Dazu kommt im Handel der sogenannte Klebeschinken - Formfleisch aus kleinen Teilen zusammengeklebt.

Döner im Fokus

Im vergangenen Jahr stand auch der Döner im Fokus der Kontrolleure. Bei einem Fünftel der überprüften Betriebe ließ die Hygiene zu wünschen übrig, und beim Verkauf stellten die Prüfer bei jeder dritten getesteten Imbissbude Hygienemängel fest. Das hatte Folgen: Die Hersteller kündigten Verbesserungen an.

Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen nun, dass die Besucher einer Gaststätte schon bald sehen, ob Kontrolleure dort Mängel fanden oder nicht. Die Lösung: Ein Gesicht, das lacht - wenn die Kontrollen stimmen - oder eben nicht lacht. In Berlin-Pankow gibt es das System schon. Nun sind die Länder dabei, ein "Smiley"-Konzept bundesweit zu planen. Die Kunden sollen die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen schnell sehen können.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) plant darüber hinaus eine Internetliste für irreführende oder täuschende Kennzeichnung von Lebensmitteln. Verbraucher sollen dort Zweifelsfälle angeben können. Die Lebensmittelwirtschaft warnt aber davor, dass Produkte fälschlicherweise an den Pranger gestellt werden könnten. Aigner wehrt sich gegen diesen Begriff. "Dialog ist für mich das genaue Gegenteil von Pranger." Von den Verbraucherministern der Länder erhält Aigner Unterstützung, doch der Bauernverband fürchtet ebenfalls den Pranger. "Dies hat im Mittelalter schon nicht gut getan", sagte Generalsekretär Helmut Born.

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Quelle: n-tv.de

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