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Wenn nichts mehr hilft: Kasse muss Fettabsaugen zahlen

Zu viel Fettgewebe an Oberschenkeln und Oberarmen empfinden die meisten Menschen als äußerst unschön. Doch es kann sich dabei auch um eine Krankheit handeln. In diesem Fall muss die Krankenkasse das Fettabsaugen bezahlen, wie ein Gericht entscheidet.

Die Kosten für eine Fettabsaugung müssen dann von der Krankenkasse übernommen werden, wenn konservative Behandlungsmaßnahmen nicht mehr helfen.
Die Kosten für eine Fettabsaugung müssen dann von der Krankenkasse übernommen werden, wenn konservative Behandlungsmaßnahmen nicht mehr helfen.

Das Sozialgericht Chemnitz hat entschieden, dass die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Fettabsaugung (Liposuktion) im Bereich beider Oberschenkel einer Patientin übernehmen muss, da deren Fettvermehrung krankhaft ist.

Nach Begutachtung der 34-jährigen Frau durch den Medizinischen Dienst der Krankenkasse lehnte diese die Kostenübernahme für eine Liposuktion ab. Zwar bestehe ein Lipödem (Reiterhosensyndrom) beidseits im Stadium I. Zu empfehlen sei aber eine konservative Therapie mit Kompressionsstrumpfhosen. Dagegen sei die Liposuktion ein Verfahren der kosmetischen Chirurgie, das nicht Bestandteil des Leistungsumfangs der gesetzlichen Krankenversicherung sei. Die dazu erforderliche positive Empfehlung des Gemeinsamen Bundessauschusses liege nicht vor. Ungeachtet dessen, gab der Medizinische Dienst der Krankenkasse selbst zu, dass die Ursachen dieser Krankheit nicht genau bekannt seien.

Die Frau wehrte sich gegen diese Entscheidung. Im Klageverfahren holte das Gericht ein Sachverständigengutachten ein. Der Sachverständige kam zu der Einschätzung, dass das Lipödem der Klägerin an den Oberschenkeln bereits das Stadium II erreicht habe. Eine Reduktion des vermehrten Fettgewebes sei durch eine Konservativbehandlung nicht möglich. Eine Liposuktion beider Oberschenkel sei zu empfehlen, da die Symptomatik als Krankheit zu bewerten sei.

Das Sozialgericht Chemnitz schloss sich der Einschätzung des Gerichtssachverständigen an. Es sei als Systemfehler zu bewerten, wenn trotz vom Sachverständigen empfohlener Behandlung bei fehlender gesicherter konventioneller Behandlungsmethode keine Kostenübernahme möglich sei. Die Liposuktion gelte heutzutage als sichere und effektive Therapiealternative, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien, urteilten die Richter.

Die Feststellung einer Systemstörung im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung verpflichtet die Krankenkasse zur Übernahme der Behandlungskosten, auch wenn diese Behandlungsform nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen gehört. Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: n-tv.de

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