Ratgeber

Fahrspur blockiert: Kein Recht auf "Reißverschluss"

Es ist eine Sache von Höflichkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme, andere Autofahrer einfädeln zu lassen, wenn deren Fahrspur blockiert ist. In der Straßenverkehrsordnung ist das Reißverschlussverfahren in solchen Fällen allerdings nicht vorgesehen.

Bis zum Ende durchfahren, dann einfädeln - so funktioniert das Reißverschlussverfahren.
Bis zum Ende durchfahren, dann einfädeln - so funktioniert das Reißverschlussverfahren.(Foto: picture-alliance / dpa)

Einer von links, einer von rechts: Wenn sich zwei Fahrspuren zu einer verengen, gilt laut Straßenverkehrsordnung das praktikable Reißverschlussprinzip. Die Fahrer auf dem durchgehenden Fahrstreifen müssen den anderen das Einfädeln ermöglichen. Darauf können Autofahrer allerdings nicht pochen, wenn beide Spuren noch vorhanden sind und auf einer nur ein Hindernis im Weg steht. Darauf hat das Amtsgericht München hingewiesen

Im verhandelten Fall ging es um einen Unfall in der Münchner Innenstadt. Die Halterin eines VW Cabrio fuhr auf der linken von zwei Fahrspuren, wo ein parkender Möbelwagen den Weg versperrte. Sie wechselte daraufhin auf die rechte Spur, stieß dabei aber mit einem dort fahrenden Fiat Punto zusammen. Dabei wurden unter anderem Kotflügel und Stoßfänger des Cabrios beschädigt. Den Schaden wollte die Cabriofahrerin nun von der gegnerischen Versicherung ersetzt haben. Schließlich sei die Fiat-Fahrerin rücksichtslos und unaufmerksam gewesen und hätte ihr Fahrzeug nicht nach dem Reißverschlussprinzip in die Spur gelassen.

Erst gucken, dann wechseln

Dazu war sie allerdings auch nicht verpflichtet, wie die Richterin feststellte. Das Reißverschlussprinzip käme nämlich nur beim Wegfall einer Spur zur Anwendung, nicht aber wenn die Weiterfahrt auf einer noch vorhandenen Spur nur blockiert ist. Der Unfall beruhe klar auf dem Spurwechsel der VW-Fahrerin. Dabei obliege es immer dem wechselnden Autofahrer, eine Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Gegebenenfalls müsse er anhalten oder vom Wechsel Abstand nehmen.

Selbst wenn an der betreffenden Stelle laut Straßenverkehrsordnung das Reißverschlussverfahren hätte angewendet werden müssen, wäre die Klägerin an dem Unfall zumindest Mitschuld gewesen. In einem früheren Urteil hat bereits das Landgericht Berlin klargemacht, dass der Spurwechsler bei einem Zusammenstoß grundsätzlich mithaftet. Wenn ein Autofahrer erkennen kann, dass er nicht auf die andere Spur gelassen wird, muss er demnach auf seinen Vorrang verzichten.

Verkehrsrechtsschutz gesucht? Policen im Vergleich

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen