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Kaum Mineralien im Mineralwasser: Leitungswasser ist oft besser

Ob Volvic, Carat oder Selters - nicht jedes Wasser, das sich "Mineralwasser" nennt, enthält besonders viele Mineralien. In manchen Fällen ist der Gehalt an Magnsesium, Kalzium oder Kalium sogar deutlich niedriger als beim Leitungswasser, wie die Stiftung Warentest moniert. Nur ein einziger Kandidat konnte im Test weitgehend überzeugen.

Wasser, das lange in der Leitung stand, ist keimanfällig. Deshalb im Zweifel erstmal eine Weile laufen lassen.
Wasser, das lange in der Leitung stand, ist keimanfällig. Deshalb im Zweifel erstmal eine Weile laufen lassen.(Foto: picture alliance / dpa)

Trinkwasser bekommt man in Deutschland problemlos aus jedem Wasserhahn. Man kann es aber auch abgefüllt in Flaschen kaufen – und das tun immer mehr Menschen: Allein 2011 wurde 14 Prozent mehr stilles Mineralwasser verkauft als im Jahr zuvor, jede zehnte Wasserflasche enthält keine Kohlensäure. Für ihre Juli-Ausgabe hat die Stiftung Warentest jetzt 29 Mineralwasser-Sorten unter die Lupe genommen und festgestellt: Kistenschleppen lohnt sich selten.

29 stille Mineralwässer und ein Quellwasser mussten sich im Test beweisen. 13 Cent pro Liter kosten die Abfüllungen der Discounter und der Supermarkt-Eigenmarken. Für Markenwasser kann man aber locker das Vierfache ausgeben. Zum Vergleich: Ein Liter Leitungswasser schlägt etwa in Köln mit gerade mal 0,3 Cent zu Buche. Viele Menschen geben trotzdem deutlich mehr aus. Manche, weil sie Leitungswasser für unhygienisch halten, andere weil sie glauben, Mineralwasser sei besonders gesund.

Die meisten sind natriumarm

Beides sind Fehleinschätzungen: Für Leitungswasser gelten in Deutschland sogar noch strengere Regeln als für Mineralwasser in Flaschen, etwa was die Grenzwerte von Uran und Pestiziden betrifft. Versorger garantieren für die Qualität bis zum Haus und kontrollieren die Wasserqualität oft mehrmals täglich. Allenfalls über die hauseigenen Rohre und Wasserhähne können Krankheitserreger oder Schadstoffe ins Leitungswasser gelangen. Keime konnten die Warentester aber auch in zwölf Flaschenwässern nachweisen. Im Normalfall sind die Krankheitserreger in den gefundenen Mengen unbedenklich, doch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Babys können sie gefährlich werden. Für sie sind etwa Marken wie Evian, Gerolsteiner oder Vittel nur bedingt geeignet. Generell sind Wässer mit Kohlensäure weniger anfällig für Keime.

Auch der Mineralstoffgehalt ist nicht unbedingt ein Argument fürs teure Wasser: Seit der EU-Harmonisierung 1980 darf sich auch das mineralstoffärmste Wasser Mineralwasser nennen. In den meisten Flaschenwässern fanden die Tester nur wenige Mineralstoffe, mitunter sogar weniger als im Leitungswasser, so etwa im Lidl-Wasser Saskia Naturis oder im Marken-Produkt Black Forest. Richtig mineralstoffreich ist nur eines: Contrex, das einer Quelle in den Vogesen entstammt. Als einziges Wasser im Test könne es "einen nennenswerten Beitrag leisten, um Knochen mit Kalzium und Muskeln mit Magnesium zu versorgen", so die Warentester. Einzig Natrium ist bei Contrex Mangelware, so wie in 24 weiteren Wässern im Test, die oft auch als "natriumarm" beworben werden. Gut für Menschen mit hohem Blutdruck, schlecht für Sportler, die viel Natrium über das Schwitzen verlieren.

Am Ende können die Tester aber doch auch Positives vermelden: Im Vergleich zum letzten Test fanden sie weniger Acetaldehyd. Die Substanz kann von den Kunststoff-Flaschen ins Wasser wandern und den Geschmack beeinträchtigen. Sechs der getesteten stillen Wässer enthielten geringe Mengen der Substanz. Gesundheitlich und geschmacklich war das aber unbedenklich.

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Quelle: n-tv.de

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