Donnerstag, 11. November 2010
Punkte sammeln beim Einkauf: Lohnen sich Kundenkarten?
"Haben Sie eine Kundenkarte?", wird man an vielen Kassen gefragt - auch in Läden, wo Kundenservice sonst nicht besonders groß geschrieben wird. Das liegt natürlich daran, dass die Karten vor allem für die Unternehmen ein gutes Geschäft sind. Aber lohnen sie sich auch für Otto Normalverbraucher?
Bunte Kartenvielfalt - neben Kundenkarten für viele Geschäfte gibt es auch solche für einzelne Ketten. (Bild: Koark/dpa/tmn)
Einst war der Mensch ein Jäger und Sammler. Doch Pilze, Beeren
und Fleisch gibt es heute im Supermarkt. Vielleicht ist aber so zu erklären, warum
der moderne Mensch derart hinter Treuepunkten her ist. Dabei sind die Vorteile von
Kundenkarten eher gering.
Die modernen Jagdgebiete des Homo Sapiens sind Drogerien, Autovermietungen, Supermärkte,
Tankstellen und viele andere Einzelhändler und Dienstleister, die ihre Kundschaft
mit Kundenkarten an sich binden möchten und dafür Rabatte und Prämien versprechen.
Mehrere Millionen solcher Kundenkarten stecken in den Portemonnaies der Deutschen.
Beliebt sind zum Beispiel die sogenannten Multipartnerprogramme wie Payback oder
DeutschlandCard. Ihr Vorteil: Kunden benötigen nicht für jedes einzelne Geschäft
eine andere Karte - es stecken gleich mehrere Firmen hinter einer Karte. Der Marktführer
Payback hat 30 Partnerunternehmen aus Handel und Dienstleistung sowie etwa 300 Online-Partner.
Nach Angaben des Unternehmens werden 20 Millionen Payback-Karten genutzt, Tag für
Tag etwa 1,5 Millionen von ihnen eingesetzt.
"Miese Prozente gegen meine Daten"
Den Kunden bringen die Karten finanzielle Vorteile, einen besonderen Service
oder Sachprämien. Und das sind die Gründe, warum so viele Millionen Menschen in
Deutschland den Punkten hinterherjagen. Verbraucherschützer kritisieren das allerdings,
mal mit schärferen, mal mit weniger scharfen Worten: "Miese Prozente gegen
meine Daten - so heißt hier das Prinzip", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. In der Regel gebe es nur wenig Rabatt.
Auch die Stiftung Warentest hat jüngst Kundenkarten unter die Lupe genommen und
festgestellt, dass die regelmäßige Ersparnis mit Kundenkarten selten höher als drei
Prozent liegt. "Wie viel Geld bei den Multipartnerprogrammen gespart werden
kann, ist schwer messbar, weil jedes teilnehmende Unternehmen andere Punkte für
den Umsatz gutschreibt", erklärt Uwe Döhler, Kundenkarten-Experte bei der Stiftung
Warentest in Berlin.
Feilschen rentabler
Das Sparpotenzial sei abhängig vom Nutzen, sagt Nina Purtscher von Payback in
München. "Wer Coupons geschickt einsetzt und Punkte-Wochen und Aktionen nutzt,
kann im Jahr bis zu 200 Euro sparen." Diese Summe erreicht allerdings nur,
wer konsequent in den Partner-Unternehmen einkauft. Dadurch würden die Kunden jedoch
vom Preisvergleich mit anderen Geschäften abgehalten, findet Tryba: "Dabei
lohnt sich Feilschen oder Preise vergleichen meist deutlich mehr als Punkte sammeln.
Häufig ist die andere Tankstelle, an der ich keine Punkte bekomme, günstiger."
Neben der Kundenbindung versprechen sich die Unternehmen laut Verbraucherschützern
von den Programmen, mehr über ihre Kunden zu erfahren. Die gespeicherten Daten,
so die Idee, können dazu genutzt werden dem Kunden personalisierte Angebote zu unterbreiten.
Diese neue Form des Marketings stecke allerdings bei vielen Unternehmen mit Kundenkarte
noch in den Kinderschuhen, weiß Oliver Götz, Juniorprofessor für Marketing an der
Westfälische Wilhelms-Universität Münster. "Momentan werden zwar viele Daten
gesammelt, aber letztendlich nur selten genutzt um maßgeschneiderte Werbung zu machen."
Künftig werde es aber mehr personalisierte Werbung geben, da ist sich Götz sicher.
Umwege lohnen sich nicht
Ob man das als Kunde möchte oder nicht, muss jeder individuell entscheiden und
im Zweifel auf den Gebrauch von Kundenkarten verzichten. Die meisten lohnen sich
am ehesten für Stammkunden. "Wenn ich sowieso regelmäßig in einen Laden gehe,
dann kann ich die Punkte auch mitnehmen", findet Tryba. Nur wegen ein paar
Punkten einen großen Umweg in Kauf zu nehmen oder gar ohne Preisvergleich zu kaufen,
das ende jedoch eher in einem Minusgeschäft.
Von Kundenkarten, die etwas kosten oder bei denen ein Rabatt erst nach einem
Mindesteinkauf gewährt wird, rät Döhler ab. "So wird man getrieben, höhere
Umsätze zu machen und eventuell Dinge zu kaufen, die man gar nicht braucht."
Die Kaufgewohnheiten allein wegen einer Kundenkarte zu ändern, lohne sich also nicht.
dpa
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