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Tenhagens Tipps: Lohnt die Lebensversicherung noch?

Das Credo für Lebensversicherungen lautet: Alte Verträge nicht kündigen, neue nicht abschließen
Das Credo für Lebensversicherungen lautet: Alte Verträge nicht kündigen, neue nicht abschließen(Foto: dpa)

Verbraucherschützer raten seit Langem von kapitalbildenden Lebensversicherungen ab. Nun hat das Produkt auch in der öffentlichen Wahrnehmung und auf den Abrechnungen der Kunden deutlich an Attraktivität verloren. Ob die Policen noch für die Altersvorsorge taugen, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.  

n-tv.de: Finden sich überhaupt noch Neukunden für Lebensversicherungen?

Hermann-Josef Tenhagen: Es werden immer noch Verträge an den Mann gebracht – allein im letzten Jahr waren es über eine Million verkaufter Versicherungen.

Können Sie kapitalbildende Lebens- und oder Rentenversicherungen denn noch empfehlen?

Nein. Wer jetzt eine Lebensversicherung abschließt, erhält nur noch 1,25 Prozent Verzinsung auf den Sparanteil. Ein Teil der Beiträge fließt ohnehin in den Risikoschutz. Experten haben auf 25 Jahre hochgerechnet, dass so im Schnitt eine tatsächliche Rendite vor Steuern von nur 0,4 Prozent zustandekommt. Manche neuen Verträge garantieren auch nach 25 Jahren noch keine Rendite.

Was auch an den hohen Kosten liegt?

Genau. Vorneweg muss zunächst ja die Provision für den Verkäufer bezahlt werden. Dann kommen noch die Kosten für die Verwaltung und den Risikoschutz hinzu. Das ist mit ein Grund, wieso hier so wenig Rendite herauskommt. Deshalb sollte man von ungeförderten Produkten die Finger lassen.

Sehen Sie ein Umdenken bei den Versicherern, was ihre zurückhaltende Anlagepolitik angeht? (Lebensversicher dürfen bis zu bis zu 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anlegen. Dazu gehören Aktien und Immobilien. Hier sind die Gesellschaften nach aktuellen Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft jedoch nur zu 3,4 bzw. 3,9 Prozent investiert.)

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Nein, das sehe ich im Moment nicht. Die Versicherer haben ja eine Reihe von Problemen. Da sind erstens die hohen Kosten in den Firmen. Zweitens muss man die kurzfristigen Risiken aus der Aktienanlage abfedern, die sicheren Anlagen in Zinspapieren geben wegen der niedrigen Zinsen hier nur wenig Spielraum. Dann müssen die vielen hochverzinsten Verträge der Vergangenheit bedient werden. Darüber hinaus hat sich die Branche beim Platzen der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends mit Aktieninvestments erheblich die Finger verbrannt. Seitdem wird eher vorsichtiger investiert.

Gut verzinste Altverträge sollte man als Kunden aber weiter bedienen?

Ja. Das Credo für Lebensversicherungen lautet: Alte Verträge nicht kündigen, neue nicht abschließen. Auf der Seite von Finanztip kann mit Hilfe eines Rechners die tatsächliche Rendite eines Vertrages errechnet werden. So können Inhaber einer Lebensversicherung prüfen, ob der Vertrag tatsächlich lohnt.  

Und wer sich doch von seiner Lebensversicherung trennen muss oder möchte?

Nach Möglichkeit sollte der Vertrag nicht gekündigt werden. Wer das Geld für die Einzahlung in einen alten hochverzinsten Vertrag aktuell nicht übrig hat, sollte den Vertrag beitragsfrei stellen. Wer das angesparte Geld aus dem Vertrag braucht, kann versuchen, den Vertrag zu beleihen. Dann kann die Police auch verkauft werden. Dazu sollte beim Versicherer der Rückkaufwert erfragt werden. Dieser kann dann mit den Angeboten von Aufkäufern von Lebensversicherungen verglichen werden. Unter Umständen bezahlen Letztere einige Tausend Euro mehr.

Welche Produkte sollten denn in Zukunft für die Altersvorsorge gewählt werden?

Vor allem solche, die gefördert sind. Im Zweifel Riester oder Betriebsrente. Die gibt es als Versicherung oder auch als Fonds - bei der Riester-Rente auch als Banksparplan oder für die Baufinanzierung. Für eine Familie kommen so alleine durch die mögliche Förderung über 25, 30 Jahre schnell zwei Prozent Rendite zustande. Das zeigt, wie wichtig es ist, die angebotene Förderung mitzunehmen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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