Ratgeber

Langzeit-Vergleich: Markenware ist nicht besser

von Isabell Noé

Qualität muss nicht teuer sein: Die Stiftung Warentest vergleicht die Lebensmittel-Testergebnisse der letzten vier Jahre und stellt fest: Discounterprodukte und die Handelsmarken der Supermärkte sind zwar sehr viel günstiger als echte Markenware, aber nicht unbedingt schlechter - im Gegenteil.

Markenhersteller haben hohe Kosten. Nicht nur fürs Marketing, sondern auch für die Produktentwicklung.
Markenhersteller haben hohe Kosten. Nicht nur fürs Marketing, sondern auch für die Produktentwicklung.(Foto: picture alliance / dpa)

Ist das Olivenöl vom Discounter genauso gut wie das vom italienischen Markenfabrikanten? Kann der Kaffee aus der schlichten Handelsmarken-Packung mit dem aus namhaften Röstereien mithalten? Meistens ja, sagt zumindest die Stiftung Warentest. Um zu prüfen, ob es grundsätzliche Unterschiede zwischen teuren Marken, Discounterware und Handelsmarken aus dem Supermarkt gibt, wurden 37 Lebensmittel-Tests mit insgesamt 900 Produkten aus den letzten vier Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse sind in der November-Ausgabe der Test-Zeitschrift nachzulesen.  

Wer Lebensmittel von "guter" Qualität kaufen will, muss demnach nicht zu Markenartikeln greifen. Die meisten "guten" Testbewertungen gab es absolut gesehen sogar für die Discounterprodukte – und das, obwohl sie in den Tests nicht einmal halb so oft vertreten waren wie Markenartikel. Jedes zweite Produkt von Aldi, Lidl und Co. schnitt gut ab. Eigenmarken der Supermärkte wie ja!, Gut&Günstig oder Tip tauchten in den Tests nicht ganz so häufig auf, kamen aber auf genauso viele "Gut"-Urteile wie die Markenhersteller. Dafür stellen sie aber auch überproportional viele "mangelhafte" Kandidaten.

Nicht nur Geschmack entscheidet

Allerdings urteilten die Tester nicht nur nach Kriterien wie Geschmack oder Sensorik. Immer wurde auch die Deklaration geprüft, wodurch sich gerade die Markenhersteller oft die Bewertung vermiesten. Vor allem deshalb, weil ihre Verpackungen vor lauter Werbung mitunter kaum noch Platz für wichtige Infos zu Nährwerten und Zutaten ließen. Hier punkteten die Handelsmarken mit ihren unaufdringlichen Hüllen.

Oft ähneln anonyme Eigenmarken- oder Discounterprodukte den prominenten Vorbildern. Manchmal steckt dann ein Markenhersteller dahinter, nicht immer aber das original Markenprodukt. So produziert etwa der Allgäuer Hochland-Konzern sowohl den "sehr gut" bewerteten Almette-Frischkäse als auch dessen deutlich weniger cremiges Pendant für Aldi Nord. Auch mittelständische Betriebe zählen zu den Lieferanten, die Discounter nennen sie zum Teil auf der Packung, die Handelsmarken verbergen die Herkunft meist hinter Zentraladressen. Für kleine Hersteller ist das Geschäft mit den No-Name-Waren heikel: Wer sich Fehler leistet, kann schnell ausgetauscht werden. Das passiert nach Warentest-Informationen immer wieder nach kritischen Test-Urteilen.

Billig um jeden Preis

Die Preisunterschiede zwischen den Markentypen sind auffällig. Das zeigt ein Warenkorb-Vergleich mit zwölf Alltagsprodukten: Für Markenware zahlt der Musterkunde 19,60 Euro, deckt er seinen Bedarf mit Handelsmarken ist er mit 13,67 dabei. Beim Discounter ist der Einkauf noch gut 50 Cent billiger. Dass Discounter so billig anbieten können, hat mehrere Gründe: Das Sortiment ist übersichtlich und die Ware wird direkt beim Hersteller bezogen – ohne Zwischenhändler und mit eigener, ausgeklügelter Logistik. Lange Vorlaufzeiten und die Abnahme großer Mengen bringen Rabatt.

Ihre Marktmacht nutzen die Discounter aber auch, um Druck auf die Hersteller auszuüben. Wer nicht billig genug produziert, wird ersetzt. Dieses Drohpotential geht aber nicht allein von den Discountern aus, auch Handelsriesen wie Rewe und Edeka haben genug Macht, Einkaufspreise zu diktieren. Zusammen mit Aldi und der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört,  vereinen sie 85 Prozent des Absatzmarktes. Diese Entwicklung hat auch das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Es will die Machtverhältnisse im Handel jetzt genauer unter die Lupe nehmen und prüfen, inwieweit sich die Einkaufsvorteile auf den Markt auswirken.

Der Blick hinter die Kulissen, der auch Arbeits- und Produktionsbedingungen bei den Herstellern erfasst, ist sehr aufwendig. Die Stiftung Warentest beschränkt sich deshalb meist auf die Bewertung des Endprodukts. Manchmal prüft sie aber auch, wie die Unternehmen ihre gesellschaftliche Unternehmensverantwortung wahrnehmen, die "Corporate Social Responsibility", kurz CSR. Zuletzt wurden die Hersteller von Kaffee und Hähnchenbrustfilets dahingehend beleuchtet. Einen generellen Unterschied zwischen Markenanbietern und Discounterzulieferern konnten die Tester dabei nicht entdecken. Wer Lebensmittel kaufen will, die unter vernünftigen Bedingungen produziert wurden, sollte auf Bio- oder Fairtradeprodukte setzen, so das Fazit von Warentest. Die gibt es übrigens beim Supermarkt genauso wie beim Discounter.

Quelle: n-tv.de

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