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Neuvermietungspraxis in der Kritik: Mieten steigen rasant

Vermieter fordern bei der Neuvermietung ihrer Immobilien immer mehr Geld. Beim Abschluss eines neuen Mietvertrags verlangen sie von ihren neuen Bewohnern bis zu 44 Prozent mehr Miete als von Bestandsmietern, wie der Deutsche Mieterbund mitteilt.

Bei einem Mieterwechsel könne der Vermieter die Miete "in nahezu beliebiger Höhe festsetzen", kritisiert der Deutsche Mieterbund.
Bei einem Mieterwechsel könne der Vermieter die Miete "in nahezu beliebiger Höhe festsetzen", kritisiert der Deutsche Mieterbund.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Wohnungseigentümer bitten ihre neuen Mieter immer kräftiger zur Kasse. Beim Abschluss eines neuen Mietvertrags verlangen sie von ihren neuen Bewohnern bis zu 44 Prozent mehr Geld als von Bestandsmietern, wie der Deutsche Mieterbund (DMB) am Freitag unter Berufung auf eine Auswertung statistischer Daten mitteilte. Wer beispielsweise im baden-württembergischen Konstanz schon länger zur Miete wohne, zahle 6,93 Euro pro Quadratmeter. Neumieter müssten dagegen mit zehn Euro 44 Prozent mehr Miete berappen.

In Regensburg liegt der Unterschied zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten den Angaben zufolge bei 36 Prozent, in Heidelberg bei 35 Prozent, in Mainz bei 31 Prozent. In Frankfurt am Main müssen neue Mieter ebenfalls fast ein Drittel mehr Miete zahlen als alteingesessene. In München beträgt der Unterschied 26 Prozent. Dort ist der Durchschnittswert für Neumieten mit 12,30 Euro pro Quadratmeter bundesweit am teuersten. Bestandsmieter zahlen dort schon durchschnittlich 9,75 Euro - also fast so viel wie neue Mieter in Konstanz.

Bei einem Mieterwechsel könne der Vermieter die Miete "in nahezu beliebiger Höhe festsetzen", kritisierte DMB-Geschäftsführer Ulrich Ropertz. Leidtragende seien Verbraucher, die aus beruflichen Gründen umziehen müssten, junge Familien oder Studienanfänger. Damit auch sie eine "Chance auf dem Wohnungsmarkt" hätten, müsse eine Obergrenze für Neuvertragsmieten festgelegt werden, forderte Ropertz. Diese dürften die ortsüblichen Vergleichsmiete nicht mehr als zehn Prozent übersteigen.

Nach Schätzung des Deutschen Mieterbundes fehlen aktuell 250.000 Mietwohnungen in Deutschland, vor allem in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten. Die Folge sind hier drastisch steigende Mieten, insbesondere Neuvertragsmieten. Preissprünge von bis zu 10 Prozent innerhalb eines Jahres oder Mietforderungen, die mitunter 30 oder über 40 Prozent und mehr über den Mieten in bestehenden Mietverhältnissen liegen, sind für einen Großteil der Mieterhaushalte nicht bezahlbar.

Während sich die Zahl der Fertigstellungen nach wie vor auf niedrigstem Niveau bewegt – ca. 65 bis 70.000 Mietwohnungen – und der Bestand der noch 1,5 Mio. Sozialwohnungen jährlich um 100.000 Einheiten schrumpft, wächst die Zahl der Haushalte in Deutschland, vor allem in den Städten weiter. Zwischen 2002 und 2010 stieg die Zahl von 38,7 Mio. auf 40,3 Mio. Haushalte. Nach Zahlen des Bauministeriums werden im Jahr 2025 rund 41,1 Mio. Haushalte eine Wohnung benötigen.

Quelle: n-tv.de

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