Ratgeber

Zettel am Unfallort gelassen: Nicht immer ist das Fahrerflucht

Fährt man nach einem Unfall einfach weiter, ist die Sache klar: Das ist Fahrerflucht und damit strafbar. Doch auch wer es gut meint und einen Zettel am beschädigten Fahrzeug hinterlässt, ist damit noch lange nicht aus dem Schneider. Es sei denn, er trifft auf wohlmeinende Richter.

Mindestens eine halbe stunde sollte man warten, ob der Fahrer des beschädigten Autos auftaucht.
Mindestens eine halbe stunde sollte man warten, ob der Fahrer des beschädigten Autos auftaucht.(Foto: GDV)

Wer ein geparktes Fahrzeug beschädigt, muss dafür sorgen, dass der Unfallhergang geklärt wird, sonst macht er sich der Fahrerflucht schuldig. Taucht der andere Autobesitzer nicht auf, gibt es eigentlich nur eine legale Option, die Sache zu klären: Man muss sich bei der Polizei melden. Einfach einen Zettel am beschädigten Fahrzeug zu hinterlassen, reicht im Zweifelsfall nicht aus – manchmal kann es einen aber trotzdem vor Strafe bewahren, wie ein Urteil des Hamburger Landgerichts zeigt.

In dem Fall hatte eine Frau bei einem Wendemanöver die linke Seite eines geparkten Wagens gerammt. Statt am Unfallort zu warten, befestigte sie einen in Plastikfolie verpackten Zettel mit Name, Telefonnummer und Autokennzeichen unter dem Scheibenwischer des Fahrzeugs. Außerdem machte ihr Ehemann Fotos vom Unfallschaden und von der Position der beiden beteiligten Fahrzeuge. Später regulierte die Haftpflichtversicherung den Schaden. Damit war die Unfallverursacherin aber nicht aus dem Schneider: Die Versicherung forderte von ihr die Kosten von 2000 Euro zurück. Schließlich habe sie sich unerlaubt vom Unfallort entfernt und damit ihre Aufklärungspflicht verletzt.

Genauso gut wie Polizei

Vor Gericht scheiterte der Versicherer mit dieser Argumentation allerdings. Objektiv sei zwar der Tatbestand der Unfallflucht erfüllt, weil die Frau  weitergefahren sei, bevor Feststellungen zu ihrer Person, ihrem Fahrzeug und der Art ihrer Unfallbeteiligung möglich gewesen seien. Vorsätzliche Fahrerflucht sei aber dennoch nicht gegeben, fanden die Richter. Schließlich habe die Frau zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um eine Aufklärung zu ermöglichen. Weitere Feststellungen hätte auch ein Polizeibeamter am Unfallort nicht treffen können.

Mit so viel Milde können Unfallverursacher aber nicht immer rechnen. Im Zweifel ist man auf der sicheren Seite, wenn man den Schaden von der Polizei aufnehmen lässt. Sie benachrichtigt dann auch den Halter des fremden Fahrzeugs. Eine Anzeige wegen Fahrerflucht kann teuer werden und auch mit Fahrverbot geahndet werden. Dabei hängt das Strafmaß von der Höhe des Schadens ab. Bis zu 600 Euro wird das Verfahren laut ADAC meist gegen eine Geldbuße eingestellt.

Kfz-Versicherungen im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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