Ratgeber
Donnerstag, 23. Mai 2013

Brüssel macht Rückzieher: Olivenöl-Kännchen dürfen bleiben

Die Identität der mediterranen Gastronomiekultur ist gerettet. Das von der EU-Kommission geplante Verbot von Kännchen mit Olivenöl auf den Tischen von Restaurants kommt nicht. Agrarkommissar Ciolos zieht den Vorschlag einer entsprechenden Verordnung nach heftiger Kritik zurück.

Negativsymbol für die Brüsseler Bürokratie: das Olivenöl-Kännchen-Verbot.
Negativsymbol für die Brüsseler Bürokratie: das Olivenöl-Kännchen-Verbot.

Die EU-Kommission zieht umstrittene Pläne zurück, in der gesamten Europäischen Union offene Olivenöl-Kännchen von Restauranttischen zu verbannen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos begründete dies mit der heftigen Kritik, die der Vorstoß in den vergangenen Tagen hervorgerufen hatte. "Wir haben diesen Vorschlag nicht ausreichend mit den Konsumentenstaaten besprochen", räumte Ciolos ein. Er wolle sich mit Herstellern, Verbraucherschutzorganisationen und der Gastronomie beraten und dann einen neuen Vorschlag machen.

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass nach einer EU-Neuregelung Gastronomiebetriebe ab dem 1. Januar 2014 nicht nachfüllbare und versiegelte Flaschen anbieten müssen. Damit werde sichergestellt, dass Restaurantbesucher kein minderwertiges Öl serviert bekommen, hieß es. Restaurantbesucher hätten demnach endlich sicher sein können, dass in der Flasche auch tatsächlich das Olivenöl sei, welches auf dem Etikett versprochen werde, erhoffte sich zuvor die EU-Kommission. Die Neuregelung war Teil eines Aktionsplans der EU, um das Image von europäischem Olivenöl bei Verbrauchern zu fördern - die Europäische Union ist größter Hersteller, Konsument und Exporteur von Olivenöl weltweit.

In einem Expertengremium sprach sich zwar eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten für die Maßnahmen aus. Da aber keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen die Pläne zustande kam, kann die Kommission über die Umsetzung entscheiden. Deutschland stimmte gegen das Olivenöl-Kännchen-Verbot. Es sei demnach zu befürchten gewesen, dass die Regelung vor allem zu mehr Abfall von Lebensmitteln und von Verpackungen führen werde. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband teilte diese Meinung und lehnt das Verbot ebenfalls ab.

Zuvor hatten Abgeordnete aller größeren Fraktionen des EU-Parlaments die EU-Kommission in einem Brief aufgefordert, das für 2014 geplante Verbot zurückzunehmen. Die Maßnahme seien realitätsfern und als Negativsymbol für Brüsseler Bürokratie ein "Bärendienst" für die Akzeptanz der EU in der Bevölkerung, argumentierten die Parlamentarier.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen