Ratgeber

Vom Finanzamt geschätzt: Prostituierte muss Steuern zahlen

Auch selbständig tätige Prostituierte müssen für ihre Einkünfte Steuern zahlen. Wenn Steuererklärungen eingereicht werden, diese jedoch keine nachvollziehbaren Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben enthalten, kann Umsatz und Gewinn auch geschätzt werden, wie das Finanzgericht Hamburg entscheidet.

Eine Prostituierte ist grundsätzlich zur Zahlung von Steuern verpflichtet. Kommt sie dem nicht nach und gibt verspätet nicht schlüssige Steuererklärungen ab, kann ihre Einkommens-, Umsatz- und bei selbständiger Tätigkeit auch Gewerbesteuer geschätzt werden, teilt das Finanzgericht Hamburg mit (Az. 2 K 169/11).

Wer angibt keine Zahlungen an einen Zuhälter abgeführt zu haben, kann diese auch nicht als weitere Betriebsausgaben geltend machen.
Wer angibt keine Zahlungen an einen Zuhälter abgeführt zu haben, kann diese auch nicht als weitere Betriebsausgaben geltend machen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Streitfall war die Klägerin als Prostituierte tätig und mietete sich hierfür in einem sog. Laufhaus ein Zimmer. Steuern zahlte sie nicht und gab auch keine Steuererklärungen ab. Als sich im Zuge strafrechtlicher Ermittlungen wegen Betrugs Preislisten und Quittungen bei ihr fanden, schätzte das Finanzamt Umsätze zwischen 170.000 Euro bis 320.000 Euro pro Jahr und erließ Steuerbescheide für Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer mehrerer Jahre.

Die Frau wandte sich an das Finanzgericht Hamburg. Die Schätzungen seien völlig überhöht, zumal sie nur tageweise gearbeitet habe. Die Klägerin reichte nun Steuererklärungen ein, nach denen sie maximal 17.200 Euro pro Jahr eingenommen hatte. Sie meinte zudem, als Kleinunternehmerin unterliege sie nicht der Umsatzsteuer und habe auch keine Gewerbesteuern zu zahlen.

Dem ist das Finanzgericht in seinem Urteil nicht gefolgt. Trotz ihrer inzwischen eingereichten Steuererklärungen sei die Klägerin zu schätzen, weil sie keine nachvollziehbaren Aufzeichnungen über ihre Einnahmen und Ausgaben vorlegt habe. Das Gericht ging von 48 Arbeitswochen pro Jahr und Tageseinnahmen von durchschnittlich 500 Euro aus, die die Frau  nach den aufgefundenen Quittungen mit ein bis drei Kunden habe erzielen können, und berechnete einen Umsatz der Klägerin von jährlich 120.000 Euro.

Unter Berücksichtigung der Zimmermiete von täglich 120 Euro und geschätzten weiteren Betriebsausgaben von 5000 Euro verblieb ein Gewinn von 85.000 Euro pro Jahr. Die Richter  stellte nach Vernehmung eines Milieubeamten und des Zimmervermieters fest, dass die Klägerin auf eigene Rechnung gearbeitet und in keinem Beschäftigungsverhältnis gestanden habe. Das Laufhaus sei kein eigenständiger Bordellbetrieb. Weil die Klägerin selbst behauptet hatte, Zahlungen an einen Zuhälter abgeführt zu haben, konnte das Gericht auch keine weiteren Betriebsausgaben schätzen.

Auch die Gewerbesteuerpflicht bejahte der Bundesfinanzhof. Eigenprostitution sei ein Gewerbebetrieb, denn die Prostituierten beteiligten sich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr und böten ihre Leistungen am Markt an. Die entgegenstehende Rechtsprechung, die auf einem Urteil des Großen Senats des Bundesfinanzhofs von 1964 beruht, sei überholt, so die Richter.

Das Finanzgericht Hamburg hat in seinem Urteil die Revision nicht zugelassen. Da die Beschwerdefrist noch läuft, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Quelle: n-tv.de

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