Ratgeber

Für 10.000 Schritte und mehr : Viele Fitnessarmbänder mit Macken

Na, wie läuft's mit dem guten Vorsatz, sich im neuen Jahr mehr zu bewegen? Für alle, die Motivationshilfe brauchen, hat die Stiftung Warentest zwölf Fitnesstracker getestet. Richtig gut sind nur zwei von ihnen.

Garmins Vivosmart, Samsungs Gear Fit und Polars Loop gehören zu den teureren unter den Fitnessarmbändern.
Garmins Vivosmart, Samsungs Gear Fit und Polars Loop gehören zu den teureren unter den Fitnessarmbändern.

"Ich brauche noch 3000 Schritte", sagt die Freundin, als sie statt in den Bus zu steigen lieber zwei Stationen läuft. 3000, dann sind die 10.000 Schritte erreicht, die man laut Weltgesundheitsorganisation täglich zurücklegen sollte. Es war der Hersteller eines Schrittzählers, der diese Marke erstmals in den 1960er Jahren in Japan proklamierte und seither hat sich die einst zu Marketingzwecken erdachte Grenze als allgemeine Empfehlung etabliert. Unabhängig davon ob es nun 10.000 Schritte, nur 8.000 oder 15.000 sind: Unumstritten ist Bewegung der Gesundheit förderlich, sie hält den Stoffwechsel auf Trab, verbessert die Durchblutung und stärkt das Immunsystem. Viele Menschen setzen auf Fitnessarmbänder, um mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Rund 46 Millionen Geräte wurden weltweit im letzten Jahr verkauft. Besonders zuverlässige Analysen sollte man sich von den sogenannten Fitnesstrackern aber nicht erwarten, so die Stiftung Warentest.

Zwölf Modelle zwischen 25 und 180 Euro haben die Warentester auf Alltagstauglichkeit überprüft. Alle sollen Aktivitäten aufzeichnen und Kalorien zählen, sechs von ihnen messen auch die Herzfrequenz – manche mehr schlecht als recht, doch dazu später mehr. Für alle gilt: Ohne Smartphone macht die Sache keinen Spaß. Denn zu jedem Armband gehört eine App, die die gewonnenen Daten auswertet und in Grafiken und Tabellen visualisiert. Die Verbindung läuft über Bluetooth. Einige Bänder lassen sich ohne Smartphone überhaupt nicht nutzen, weil sie kein Display haben. Wer die aktuellen Werte checken möchte, muss dann das  Handy zücken, etwa beim Jawbone UP2, beim Sony SmartBand oder beim Fitbit Flex.

Putzen verfälscht das Ergebnis

Die Gear Fit von Samsung ist kratz- und wasserfest, hat aber einen relativ schwachen Akku.
Die Gear Fit von Samsung ist kratz- und wasserfest, hat aber einen relativ schwachen Akku.(Foto: picture alliance / dpa)

Alle Geräte setzen auf die gleiche Technik, um die Schrittzahlen zu ermitteln: Ein Beschleunigungssensor erfasst die Armbewegungen und daraus werden dann die zurückgelegten Schritte errechnet. Das klappt bei den meisten Bändern sehr gut oder zumindest gut, so auch beim billigsten Kandidaten im Test, dem Xiaomi Mi Band für 25 Euro. Das Sony SmartBand lieferte wenig genaue Ergebnisse und auch das Vifit connect von Medisana konnte nicht überzeugen. Außerdem können bestimmte Armbewegungen, etwa beim Staubsaugen oder Wischen das Ergebnis verfälschen, das gleiche gilt für Schwimmen, Tanzen oder Rudern.

Als Sport-Tracker sind die meisten Fitnessarmbänder also eher ungeeignet. "Kein Produkt im Test ermittelte auch nur annähernd die Distanz einer Fahrradtour von zehn Kilometern", schreibt "Test". Bei Samsungs Gear Fit und beim Mio Fuse können Nutzer immerhin auf GPS zurückgreifen, um Entfernungen zu bestimmen.

Gerade Sportler sind oft auch an einer exakten Messung der Herzfrequenz interessiert, um in bestimmten Pulsbereichen zu trainieren. Will man solide Ergebnisse, führt laut "Warentest" kein Weg am Brustgurt vorbei. Die vier Geräte im Test, die den Puls am Handgelenk ermittelten, seien jedenfalls alle ungenau gewesen. Garmins Vivosmart oder der Polar Loop sind dagegen mit einem Brustgurt gekoppelt, und der erwies sich auch als zuverlässig.

Wer sich bewegt, der will natürlich auch wissen, wie viele Kalorien er dabei verbrennt. Verlässlich sind die Auskünfte der Fitnesstracker aber nicht. Voraussetzung, dass überhaupt realistische Ergebnisse geliefert werden, sind die Angaben im Profil zu Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht. Doch selbst wenn die Bewegungsdaten dazu korrekt ermittelt wurden, lieferten die meisten Geräte im Test allenfalls grobe Näherungswerte. Die Geräte von Fitbit, Mio, Garmin und Sony waren mit ihren Kalorienangaben noch am nächsten an der Realität.

Testsieg geht an Garmin

Insgesamt konnten nur zwei Geräte im Test mit ihren Fitnessfunktionen überzeugen, beide kommen vom Schweizer Navigationsgerätehersteller Garmin: Der Vivosmart für rund 160 Euro und der Vivofit für 90 Euro. Beide waren bei der Messung der Schrittzahlen und der Distanz präzise. Dass man die Schrittlängen individuell einstellen kann, trug sicher zur Zuverlässigkeit bei. Auch die Auswertung der Daten klappte mit der Garmin-App bzw. Website mit am besten, die beiden Testsieger stehen also fest.

Samsungs Gear Fit schnitt nur befriedigend ab. Er erwies sich zwar als besonders robust, war in anderen Prüfpunkten aber allenfalls mittelmäßig und musste schon nach zwei Tagen ans Ladegerät. Die anderen Testkandidaten hielten mindestens doppelt so lange durch. Das günstigste Gerät im Test, das Xiaomi Mi Band ist eine Empfehlung für alle, die einen brauchbaren Schrittzähler suchen, aber nicht viel Geld ausgeben wollen. Die beiden Jawbone-Tracker, der teure UP3 für 180 Euro und der UP2 für 120 Euro wurden wegen ihrer Schadstoffbelastung abgewertet. In den Plastikbändern fanden sich erhöhte Mengen des Weichmachers DEHP, der als fortpflanzungsschädlich gilt. Bei einem Gerät, das man dauerhaft auf der Haut trägt, sollte das nicht vorkommen.

Quelle: n-tv.de

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