Ratgeber
Montag, 16. Februar 2015

Fehlbuchung auf dem Konto: Wann darf man das Geld behalten?

Manchmal braucht man zum reich werden keinen Lottogewinn. Es reicht schon ein Fehler der Bank, um den Kontostand um ein paar Nullen vor dem Komma zu erhöhen. Doch wie geht man um mit dem unverhofften Reichtum?

Auch wenn es verlockend ist: Geld, das unbeabsichtigt auf dem Konto gelandet ist, darf man nicht ausgeben.
Auch wenn es verlockend ist: Geld, das unbeabsichtigt auf dem Konto gelandet ist, darf man nicht ausgeben.(Foto: imago/Westend61)

Den "Bankirrtum zu Ihren Gunsten" gibt es nicht nur bei Monopoly. Gerade hat eine Australierin 10 Millionen Australische Dollar auf ihrem Konto gefunden und auf den unerwarteten Reichtum etwas geschockt reagiert. Sie fürchtete, das Geld, das ihr nicht gehörte, würde sie in Teufels Küche bringen und meldete den Fund sofort der Bank. Sicher ein ehrenwertes Verhalten – aber auch das richtige? Kann man nicht einfach abwarten, ob das Versehen auffliegt? Und muss man das Geld überhaupt zurückgeben?

Fehlbuchungen in Millionenhöhe sind selten. Wenn Buchungen nicht da landen, wo sie landen sollen, liegt das oft an Fehlern in der IT und meist geht es eher um Beträge im unteren fünfstelligen Bereich. Manchmal bekommen die Kunden zunächst gar nichts mit vom kurzfristigen Geldsegen auf dem Girokonto mit, weil die Bank das Geld noch in der Nacht zurückbucht. Dann erscheint die Transaktion zwar auf dem Kontoauszug, Zinsen entstehen aber nicht.

Bescheid sagen muss nicht sein

Wenn man beim Blick aufs Konto eine unerklärliche Gutschrift findet, muss man das der Bank nicht mitteilen. Die Haftung für den Fehler liegt bei der Bank oder bei dem Dritten, der sich bei der Überweisung vertan hat. Natürlich wäre es eine nette Geste, die Sache trotzdem zu melden. Zumal man von dem unverhofften Reichtum wenig hat. Denn wenn das Geld auf dem eigenen Konto liegt, bedeutet das nicht, dass es einem auch gehört. Man darf die Summe nicht abheben oder auf andere Konten verschieben. Das wäre ungerechtfertigte Bereicherung.  

Diese Erfahrung musste vor vier Jahren auch ein Bankkunde machen, der auf seinem Depotkonto plötzlich 200 Millionen Euro fand. Die Summe aus einem Fondsverkauf war dem Mann versehentlich gutgeschrieben worden. Er fackelte nicht lange und überwies gleich 10 Millionen Euro auf sein Girokonto – angeblich, um die Bank so auf ihren Fehler aufmerksam zu machen. Eine Entscheidung, die den Mann viele Nerven und zunächst auch reichlich Geld kostete. Die Onlinebank forderte nämlich nicht nur die 10 Millionen zurück, sondern buchte auch rund 12.000 Euro Zinsen vom Konto ab. Zu Unrecht, fand das Landgericht Itzehoe 2012. Erst ein Jahr später bekam der Kunde die Zinsen zurück.

Nach drei Jahren verjährt

Immerhin: Strafbar macht man sich normalerweise nicht, wenn man das Geld auf die Seite schafft oder ausgibt. Zumal es ja auch durchaus vorkommen kann, dass man die Fehlbuchung gar nicht mitbekommt und versehentlich Geld ausgibt, das einem  gar nicht gehört. Zurückzahlen muss man es in aller Regel trotzdem. Wer hofft, dass die Sache einfach nicht auffällt, braucht Geduld: Erst nach drei Jahren sind die Forderungen verjährt. So lange sollte man das Geld also besser nicht anfassen.

Und was, wenn man versehentlich selbst eine Überweisung aufs falsche Konto schickt? Merkt man den Fehler frühzeitig, gibt es vielleicht noch Hoffnung. Einige Banken bieten einen Rückholservice an, meist gegen Gebühr. Das Zeitfenster ist aber oft nur wenige Stunden offen. Ist das Geld schon auf dem Konto angekommen, kann man nur hoffen, dass sich der Empfänger und seine Bank kooperativ verhalten. Ansonsten muss man sein Geld womöglich auf dem Rechtsweg zurückholen. Die Chancen stehen hier gut, allerdings muss man wissen, wen man verklagen muss.  

Quelle: n-tv.de

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