Ratgeber

Lüften hilft nicht immer: Warum schimmelt die Wohnung?

Wenn Schimmel in der Wohnung entsteht, ist falsches Lüften die Pauschalabwehr der Vermieter bei der Klärung der Schuldfrage. Wir klären auf, wie Schimmel entsteht, welche Ursachen die Schimmelbildung haben kann und welche Rechte und Pflichten Mieter und Vermieter haben.

Schimmelpilze sind ein wichtiger und natürlicher Teil unserer Umwelt. Manchmal essen wir besondere Formen des Schimmels sogar. Edelschimmelpilze gelten bei besonderen Käsearten sogar als Delikatesse. In anderen Bereichen unseres Lebens hat Schimmel allerdings nichts verloren. Kommt er in Wohnräumen vor, kann er die Gesundheit der Bewohner nachhaltig schädigen und verursacht auch Schäden an der Bausubstanz und den Einrichtungsgegenständen.

Schimmel in den eigenen vier Wänden: Viele Deutsche leben mit Feuchtigkeitsschäden in Wohnungen oder Häusern.
Schimmel in den eigenen vier Wänden: Viele Deutsche leben mit Feuchtigkeitsschäden in Wohnungen oder Häusern.(Foto: dpa)

Nicht jeder Schimmelpilz ist sichtbar. Manchmal kann man einen Befall auch nur riechen. Jedem kleinsten Verdacht sollte man nachgehen. In einem ersten Schritt lässt sich beispielsweise per Probe von einer verdächtigen Stelle an der Wand oder einer Untersuchung der Raumluft ermitteln, ob ein Schimmelbefall besteht. Hierzu muss nicht gleich ein Sachverständiger ins Haus kommen. Eine Probe kann auch selbst entnommen und eingeschickt werden. Ein entsprechendes Verfahren bietet beispielsweise die Stiftung Warentest für 47 Euro an. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kommt allerdings nicht um die Beauftragung eines Sachverständigen herum.

Die Bildung von Schimmelpilzen ist ein zunehmendes Problem unserer Gesellschaft. Es werden alle Anstrengungen unternommen, um möglichst viel Energie einzusparen. Hierzu zählt die hermetische Abriegelung der Häuser mit vollkommen dichten Fenstern genauso wie die Energiesparanstrengungen der Bewohner. Fast jeder hat von der einfachen Maßnahme gehört: Ein Grad weniger Raumtemperatur spart rund sechs Prozent der Energiekosten. Die Wohnräume werden also immer weiter herunter gekühlt und es wird zu wenig gelüftet, um keine Energie zu verschwenden.

Relative Luftfeuchte entscheidend

Die Energiesparanstrengungen können allerdings oft auch eine Kehrseite haben, da die Entstehung von Schimmelpilzen eng mit den Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen in den Innenräumen zusammenhängt. Bei Bewohnern von Energiesparhäusern ist es also wichtig, die Sinne für richtiges Heizen und Lüften zu schärfen.

Schimmel findet in jeder Wohnung ausreichend Nährstoffe, um sich anzusiedeln. Besonders entscheidend ist deshalb die relative Luftfeuchtigkeit in den Räumen und an den Wänden. Denn nur wo es feucht genug ist, wittert der Schimmelpilz seine Chance. Kritisch wird es laut den Energieexperten des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, wenn die relative Luftfeuchtigkeit über längere Zeiträume mehr als 60 Prozent beträgt.

Wie hoch die relative Luftfeuchtigkeit ist, kann jeder ganz einfach prüfen. Die meisten digitalen Wetterstationen, die es im Handel schon ab zehn Euro zu kaufen gibt, haben einen Hygrometer – also einen Luftfeuchtemesser mit eingebaut. Damit kann man genau genug ermitteln, wie hoch die relative Luftfeuchtigkeit ist. Wer es genauer wissen möchte, kann auch Geräte erwerben, die die Messdaten wie Temperatur und relative Luftfeuchte in bestimmten Zeitintervallen aufzeichnen. Anschließend kann man die Daten auf den PC übertragen und auswerten.

Besondere Vorsicht im Keller

Bei solchen Auswertungen wird man schnell feststellen, dass die relative Luftfeuchte in der Regel beim Lüften fällt und, wenn längere Zeit nicht gelüftet wird, schrittweise wieder ansteigt. Daraus lässt sich allerdings nicht die grundsätzliche Schlussfolgerung ableiten, dass man beispielsweise im Keller einfach immer die Fenster offen lässt, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren.

Gerade im Sommer und insbesondere an schwülen Tagen empfiehlt es sich, die Kellerfenster tags überhaupt nicht zu öffnen. Dies hat einen einfachen Grund. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit transportieren als kalte Luft. Wenn es im Sommer draußen beispielsweise 25 Grad warm ist und die relative Luftfeuchtigkeit 60 Prozent beträgt, sollten die Kellerfenster zu bleiben. Im Keller beträgt die Raumtemperatur dann beispielsweise zwischen 16 und 18 Grad. Strömt jetzt die feuchtwarme Luft von außen in den Keller und kühlt ab, bildet sich an den kalten Wänden ein Niederschlag. Die Wand wird feucht. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, mündet dies fast automatisch in der Bildung von Schimmel. Als Faustregel für den Keller gilt also: Lüften Sie im Sommer am besten nachts oder vor Sonnenaufgang. Wer es ganz genau machen möchte, kann ein Hygrometer außen vor dem Kellerfenster und ein zweites innen platzieren und nur bei entsprechenden Temperatur- und Luftfeuchtewerten lüften. Wer sich das nicht zutraut, kann sogar eine Belüftungsanlage für den Keller einbauen lassen.

Der Mensch sorgt für Feuchtigkeit

Die gleiche Problematik kann natürlich auch in Wohnräumen auftreten. Feuchtigkeit wird hier vor allem durch den Menschen – direkt oder indirekt – erzeugt. In einem Vier-Personen-Haushalt entstehen täglich rund zwölf Liter Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf. Besonders gefährdet sind in der Wohnung das Badezimmer, die Küche und das Schlafzimmer. Beim Kochen, Waschen und Duschen entsteht jede Menge Wasserdampf – und der sollte möglichst schnell wieder aus den Räumen befördert werden.

Regelmäßiges Lüften beugt Schimmel vor - das gilt vor allem, wenn Wäsche in der Wohnung trocknet.
Regelmäßiges Lüften beugt Schimmel vor - das gilt vor allem, wenn Wäsche in der Wohnung trocknet.(Foto: dpa)

Hierbei ist das Zusammenspiel aus richtigem Lüften und Heizen besonders wichtig. Die Fenster die ganze Zeit zu kippen, ist dabei wenig zielführend, denn während der Heizperiode fällt dadurch zwar die Raumtemperatur, aber der notwendige Luftaustausch erfolgt viel zu langsam. Stoßlüften – am besten mehrmals täglich, mindestens aber morgens und abends – ist angesagt. Außerdem sollten insbesondere Bäder kontinuierlich geheizt werden.

Im Schlafzimmer ist der Mensch für die meiste Feuchtigkeitsbildung direkt verantwortlich. Hier hält man sich stundenlang auf, atmet und transpiriert so vor sich hin. Da kann es auch eine lohnenswerte Erkenntnis sein, mit einem Hygrometer die relative Luftfeuchte vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen zu messen. Das bedeutet nicht, dass Sie auch bei minus zehn Grad Außentemperatur bei offenem Fenster schlafen müssen. Aber auch Schlafräume müssen intensiv gelüftet werden und der Raum sollte nicht unbeheizt sein. Besonders hier, aber auch in allen anderen Räumen ist es wichtig, dass Schränke und andere Möbel nicht bis an die Wand heran geschoben werden. Besonders wenn Schränke direkt an Außenwänden des Gebäudes stehen, steigt die Schimmelgefahr.

Lange Liste von Baumängeln

Natürlich ist nicht nur der Bewohner für die Bildung von Schimmel ursächlich verantwortlich. Auch Baumängel und eindringende Feuchtigkeit können zur Schimmelbildung führen. Die Ursache können beispielsweise verrutschte Dachziegel, schadhafte Anschlussbleche am Schornstein oder an Dachflächenfenstern, Putzrisse in der Außenwand, undichte Silikonfugen, Lecks in der Wasser- und Abwasserleitung, undichte oder verstopfte Regenrinnen und Fallrohre, Kondensation an Kaltwasserleitungen und Lüftungsrohren, kalte Innenwände und Wärmebrücken sein.

Eine gute Wärmedämmung spart Energie. Falsch ausgeführt kann sie aber auch zu Schimmelbildung führen.
Eine gute Wärmedämmung spart Energie. Falsch ausgeführt kann sie aber auch zu Schimmelbildung führen.(Foto: picture alliance / dpa)

Hier gibt es immer wieder Streit zwischen Vermietern und Mietern. Der Vermieter beharrt auf dem Standpunkt, dass die Ursache am falschen Heizen und Lüften liegt, während der Mieter die Mängel im Gebäude sucht. Fakt ist: Für eine mit Schimmel befallene Mietwohnung kann die Miete gemindert werden, wenn der Vermieter nicht für Abhilfe sorgt oder die Schuldfrage klären lässt. Hierzu hat es auch bereits zahlreiche Urteile gegeben, die eine Mietminderung zwischen zehn und 100 Prozent – je nach Schwere des Befalls – für gerechtfertigt sehen.

Fachmann hilft

Eine Beseitigung des Mangels ist übrigens nicht gegeben, wenn beispielsweise die befallene Tapete entfernt und neu tapeziert wird. Solange die Ursache der Feuchtigkeit nicht abgestellt wird, kommt der Schimmel immer wieder zurück. Bei großflächigem Befall sollte man die Arbeiten in jedem Fall von einer Fachfirma vornehmen lassen. Auch dann sollte man die betroffenen Stellen nach der Sanierung längere Zeit im Auge behalten. Nur so kann man feststellen, ob die Ursache für die Schimmelbildung tatsächlich beseitigt wurde.

Als Mieter sind Sie verpflichtet, ihre Wohnung ausreichend zu heizen und zu belüften. Das bedeutet aber nicht, dass Sie übermäßig heizen müssen, um einer eventuellen Schimmelbildung entgegenzuwirken. Berufstätige, die sich den ganzen Tag nicht in der Wohnung aufhalten, müssen diese während der Abwesenheit nicht regelmäßig lüften. Auch das wurde höchstrichterlich entschieden. Eine Viertelstunde morgens und abends muss in diesen Fällen ausreichen. Haben Sie Schimmelbildung entdeckt, sind Sie verpflichtet, diesen Mangel Ihrem Vermieter unverzüglich zu melden.

Quelle: n-tv.de

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