Ratgeber
Firmenwagen sind beliebt und weit verbreitet - die Variante Sportwagen kommt aber selten vor.
Firmenwagen sind beliebt und weit verbreitet - die Variante Sportwagen kommt aber selten vor.(Foto: Frank Kropp/pixelio)

Kostenstelle Dienstwagen: Was Mitarbeiter zahlen müssen

von Alexander Klement

Der Firmenwagen ist ein beliebtes Gehaltsextra. Im mittleren und oberen Management ist der Dienstwagen quasi eine Selbstverständlichkeit. Wird er auch privat genutzt, muss der Mitarbeiter diesen Vorteil allerdings versteuern.

Super E10 ist mittlerweile zum Reizwort an deutschen Tankstellen geworden. Die meisten Fahrzeuge müssten es eigentlich laut Informationen der Autobauer vertragen. Detaillierte Listen mit Fahrzeugen und Fahrzeugtypen stehen für jeden bereit. Doch Langzeitstudien gibt es nicht. Wenn es schief geht, bleibt letztlich der Verbraucher auf den Reparaturkosten sitzen.

Wer aus Überzeugung, dass man angesichts des Hungers in der Welt Nahrungsmittel nicht zur Spritgewinnung nutzen sollte, oder nur aus Angst zum alten Super-Benzin greift, darf nach einer Erhebung des ADACs rund zehn Cent mehr pro Liter auf den Tisch legen. 1,60 Euro pro Liter Super oder Super Plus sind Standard. Wer da an der Tankstelle nicht ins Fluchen gerät, verdient entweder sehr gut oder fährt einen Firmenwagen – oder beides.

Motivierender Bonus

Firmenwagen sind beliebt und weit verbreitet. Mehr als zwei Drittel aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw sind Firmenwagen oder Dienstwagen. Der motivierende Bonus wird oft und gerne angenommen. Im Top-Management hat quasi jeder einen Firmenwagen. Selbst im mittleren Management beträgt die Firmenwagenquote noch weit über 80 Prozent.

Die Dienstwagennutzer können kräftig sparen. Sie müssen nichts für Anschaffung, Versicherung, Reparaturen und Benzin zahlen. Die Kosten übernimmt das Unternehmen und es kann sie steuermindernd als Betriebsausgabe absetzen. Außerdem können Umsatzsteuern mit Steuereinnahmen bei Rechnungseinnahmen verrechnet werden und die Beiträge zur Sozialversicherung sinken, wenn man den Firmenwagen als Gehaltsbestandteil ansieht.

Private Nutzung muss versteuert werden

Wirklich interessant wird der Firmenwagen allerdings erst, wenn er auch privat genutzt werden darf. Doch sobald das Auto für private Fahrten – hierzu gehören auch Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz – genutzt wird, sind vom Mitarbeiter Steuern zu zahlen. Im Steuerdeutsch heißt dies geldwerter Vorteil.

Die meisten Mitarbeiter entscheiden sich wegen der einfacheren Handhabung für die 1-Prozent-Methode. Basis für die Berechnung ist dann der Bruttolistenpreis inklusive der Sonderausstattung des Fahrzeugs. Beträgt der Listenpreis des Fahrzeugs inklusive Mehrwertsteuer beispielsweise 50.000 Euro, entsteht für den Mitarbeiter ein zu versteuernder geldwerter Vorteil in Höhe von 6000 Euro pro Jahr.

Fahrten zum Arbeitsplatz sind Privatfahrten

Wird der Firmenwagen zusätzlich noch für die Fahrten zur Arbeit genutzt, müssen hierfür noch monatlich 0,03 Prozent des Listenpreises Entfernungskilometer mit einkalkuliert werden. Bei 15 Kilometern Fahrweg kommen nochmals 2700 Euro pro Jahr hinzu. Insgesamt beträgt der geldwerte Vorteil im Beispiel 8700 Euro, die mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden müssen. Beträgt dieser zum Beispiel 35 Prozent, hätte der Mitarbeiter für die Dienstwagennutzung im Jahr 3045 Euro Steuern zu zahlen.

Wer nur wenige Privatfahrten mit dem Dienstwagen unternimmt, kann hingegen auch die tatsächlichen Kosten, die dem Arbeitgeber für diese Fahrten entstanden sind, in Ansatz bringen. Um dem Finanzamt die prozentuale Nutzung von dienstlichen und privaten Fahrten belegen zu können, muss ein Fahrtenbuch geführt werden. Bei Dienstfahrten muss der Mitarbeiter Datum, Ziel, Zweck, Kilometerstand zu Beginn und Ende sowie den Namen der aufgesuchten Person notieren. Auch Umwege müssen notiert werden. Bei Privatfahrten müssen nur die gefahren Kilometer notiert werden, wobei Fahrten zur Arbeitsstätte auch hier als Privatfahrten gelten.

Bei der Führung des Fahrtenbuchs ist die Finanzverwaltung pingelig. Dieses muss direkt geführt werden. Über einen längeren Zeitraum nur Notizen zu machen und diese dann in das Fahrtenbuch zu übertragen, ist nicht zulässig. Das Fahrtenbuch heißt übrigens so, weil es tatsächlich in Buchform vorliegen muss und nicht die Möglichkeiten einer nachträglichen Änderung bieten darf. Lose-Blatt-Sammlungen sind hierbei genauso Tabu wie das Führen eines Fahrtenbuchs als Excel-Tabelle.

Mitarbeiterfreundliche Urteile des Bundesfinanzhofs

Streit mit den Finanzbehörden gab es in der Vergangenheit immer wieder in zwei Fällen. Wurde bei einem Fahrzeug nachträglich Sonderausstattung eingebaut, setzten die Finanzbeamten den Bruttolistenpreis nach oben. Ausgenommen hiervon waren nur Autotelefone und Winterreifen inklusive Felgen. Der Bundesfinanzhof hat aber inzwischen entschieden, dass der nachträgliche Einbau von zusätzlicher Ausstattung in ein betriebliches Fahrzeug nicht als Sonderausstattung in die Bemessungsgrundlage mit einzubeziehen ist (Az. VI R 12/09). Der nachträgliche Einbau zum Beispiel eines Navigationsgerätes erhöht also nicht mehr die Steuerlast des Mitarbeiters.

Ärger gab es auch bei der pauschalen Versteuerung in Sachen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Die Finanzbehörden beharrten auf die zusätzliche Kalkulation von 0,3 Prozent des Listenpreises für die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz selbst dann, wenn der Mitarbeiter diese Strecke nicht täglich mit dem Firmenwagen zurückgelegt hat. Der Bundesfinanzhof hat aber nun in mehreren Urteilen entschieden, dass sich der Zuschlag danach richtet, ob und in welchem Umfang der Mitarbeiter die Fahrten zum Arbeitsplatz mit dem Dienstfahrzeug durchgeführt hat (Az. VI R 55/09 und Az. VI R 57/09).

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen