Ratgeber

Beschichtung, Reinigung, Dämmung: Was braucht das Dach?

Ein Hausdach muss einiges aushalten: Gute vier Monate pro Jahr hält es Schnee und Eis stand, genauso lange brennt im Sommer die Sonne darauf. Es wundert nicht, dass da der Zahn der Zeit am Dach nagt - regelmäßiges Warten und Sanieren ist Pflicht.

Das Dach neu decken lassen ist oftmals günstiger als eine Reinigung und Neubeschichtung.
Das Dach neu decken lassen ist oftmals günstiger als eine Reinigung und Neubeschichtung.

Im Winter sind es die Schneebretter, im Frühling lockere Dachziegel: Von schlecht gewarteten oder zu alten Dächern gehen Gefahren aus, die weitreichender sind als Regeneinfall oder Wärmeverlust.  Deshalb müssen regelmäßig überprüft, gewartet, geputzt, repariert und letzten Endes auch saniert werden. Oft fallen zuerst die Schönheitsmängel auf: Patina durch Umwelteinflüsse sowie Algen, Flechten und Moose beunruhigen Hausbesitzer zwar oft, sind aber ungefährlich. Von einer Reinigung der Dachdeckung mit Hochdruckreiniger und einer nachträglichen Beschichtung des Daches, die oft als kostengünstige Alternative zur Sanierung gepriesen wird, raten Experten ab.

Denn eine Hochdruckreinigung könne bei falscher Handhabung Schäden an der Dacheindeckung hinterlassen, sagt etwa die Architektin Eva Reinhold-Postina vom Verband der Privaten Bauherren. Auch die Dämmschicht kann dabei durchnässt werden. Die Arbeiten hätten in erster Linie nur einen optischen Effekt und seien auf keinen Fall eine Sanierung, ergänzt Werner Neumann von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Außerdem sei die Reinigung oftmals gar nicht notwendig: "Moos, Algen und Flechten auf Dachdeckungen schaden nicht." Sie seien vielmehr ein Zeichen für gute Umweltbedingungen. Bei saurem Regen wachse auf dem Dach nichts.

Beschichten lohnt sich kaum

Die wirklich schwerwiegenden Mängel auf dem Dach fallen dagegen auf den ersten Blick oft gar nicht auf: Durch undichte Anschlüsse von Schornsteinen, Gauben und Dachflächen-Fenstern oder durch verschobene Ziegel kann Feuchtigkeit ins Innere eindringen. An den Firstziegeln löst sich mit der Zeit der Mörtel, und bei Sturm fliegen die Ziegel dann hinunter. Beim unsachgemäßen Begehen können einzelne Ziegel brechen. Schneefanggitter, Dachrinnen, Antennen und Solaranlagen können sich durch Schnee, Eis und Stürme lockern.

Einzelne defekte Ziegel oder Dachsteinen lassen sich leicht auswechseln. Und selbst bei größeren Schäden muss nicht unbedingt neu gedeckt werden, oft hilft auch geschicktes Umdecken. Eine Neu-Beschichtung aber lohnt sich Neumann zufolge meist genauso wenig wie eine Reinigung: "Finanziell betrachtet ist es sinnvoller, über eine komplette Sanierung als über die Reinigung und Beschichtung nachzudenken." Denn dafür wird häufig annähernd so viel verlangt wie für eine Neueindeckung, so seine Erfahrung aus der Verbraucherberatung.

Mehr Komfort durch Dämmung

Für eine Sanierung spricht auch, dass gleichzeitig die Wärmedämmung unter dem Dach verbessert werden kann. Denn Dachschäden führen manchmal auch dazu, dass die Dämmung feucht wird und sich dort Schimmel breit macht. In vielen alten Häusern ist zudem kaum oder gar kein Dämmstoff eingebaut. Anders als optische Maßnahmen steigert ein saniertes Dach zudem den Wert der Immobilie.

Davon abgesehen bringt eine neue Dämmung deutlich mehr Komfort. Wer in einer schlecht isolierten Dachwohnung lebt weiß, dass die Temperaturen dort manchmal unerträgliche Werte erreichen können. Gegen die Hitze schützt die Dämmung genauso wie gegen die Kälte des Winters. Heutzutage hat ein guter Wärmeschutz im Steildach  eine Dämmschichtstärke von 20 bis 30 Zentimetern.

Abhängig vom Material können regelmäßig gewartete, geneigte Dächer eine sehr lange Lebensdauer haben. "Es gibt Ziegeldächer, die weit über hundert Jahre alt sind", sagt Reinhold-Postina. Bei Dächern mit Dachsteinen aus Betonstein gebe es durchaus noch intakte Dächer aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als dieses Material seinen Durchbruch auf dem Markt hatte. Auch Schiefer sei kaum kaputt zu kriegen. Schwachpunkt ist aber der Nagel, mit dem die Schieferplatte befestigt wird. Er hält in der Regel nur hundert Jahre.

Nicht nur fürs Dach: Wohngebäudeversicherung

Quelle: n-tv.de

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