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Schimmel macht sich oft an den Außenwänden breit, oder an Stellen, an denen die Luft schlecht zirkulieren kann.
Schimmel macht sich oft an den Außenwänden breit, oder an Stellen, an denen die Luft schlecht zirkulieren kann.(Foto: imago/blickwinkel)

Wenn Lüften nicht mehr hilft: Was man zu Schimmel wissen muss

Von Isabell Noé

Schimmel ist nicht nur eklig, sondern auch eine Gefahr für die Gesundheit. Wie kann man verhindern, dass sich die Sporen breit machen? Wie wird man sie wieder los? Und wer muss das bezahlen?

Die Heizsaison hat begonnen und mit ihr die beste Zeit für Schimmel. Für ihn bieten sich ideale Bedingungen, wenn es draußen kalt und drinnen warm ist. Kondensiert Luftfeuchtigkeit an kalten Zimmerwänden, dann finden die Sporen einen perfekten Nährboden – ein Schimmelfleck entsteht. Häufig passiert das in den Zimmerecken an Außenwänden. Weil es dort besonders kalt ist schlägt sich die Feuchtigkeit hier am ehesten nieder. Auch fensterlose Badezimmer sind oft betroffen. Anfällig sind auch Fugen im Badezimmer, wo naturgemäß ein besonders feuchtes Klima herrscht. Was tun, wenn der Schimmel da ist? Wie wird man ihn wieder los? Und wann sollte man sich an den Vermieter wenden?

Wie verhindert man, dass Schimmel entsteht?

Das einfachste Mittel, um Schimmel vorzubeugen ist nach wie vor ausreichendes Lüften. Denn jeder Mensch produziert Feuchtigkeit, allein durch Atmen und Duschen entstehen pro Kopf schon drei bis vier Liter Wasserdampf in der Wohnung. Und die müssen irgendwann raus. Am besten stellt man die Fenster – nicht nur im Schlafzimmer - zwei bis dreimal täglich für fünf Minuten auf Durchzug, das reicht in der Regel für einen vollständigen Luftaustausch. Danach dreht man die Heizung wieder etwas auf. Die Luft wirkt nämlich wie ein Schwamm und je wärmer sie ist, desto besser kann sie Wasser aufnehmen. Und das ist gewünscht, schließlich soll sich die Feuchtigkeit nicht an der Wand setzen. Auch wenn es draußen nass ist, sollte das Lüften nicht ausfallen, denn die feuchte, kalte Luft, die von draußen herein kommt, kann noch reichlich Wasser speichern, wenn sie erwärmt wird.

Besonders schimmelanfällig sind neben den Außenwand-Ecken auch die Wände hinter Möbelstücken. Damit auch hier Luft zirkulieren kann, sollten Schränke oder Kommoden mit ein paar Zentimetern Abstand zur Wand aufgestellt werden. Oft ist das schon durch die Fußbodenleisten gewährleistet.

Warum schimmelt es trotz Lüften?

Wenn sich trotz Lüften und Heizen Schimmelflecken bilden, liegt das womöglich am Haus. Vielleicht dringt Wasser durch Risse in der Fassade sein, vielleicht wird das Mauerwerk durch undichte Rohre durchfeuchtet, vielleicht ist aufsteigende Bodenfeuchte dafür verantwortlich, dass die Wände einen guten Nährboden für Sporen abgeben. Auch die sogenannten Wärmebrücken sind anfällig für Schimmel. Solche Wärmebrücken finden sich oft neben dem Fensterrahmen, in Heizkörpernischen, am Übergang zur Geschossdecke oder dort, wo Stahlträger verbaut sind – eben überall dort, wo Wärme schneller als an den übrigen Stellen der Wand nach draußen geleitet wird. In Altbauten mit neuen Fenstern kann es zum Problem werden, wenn keine Wärmedämmung an den Wänden angebracht wurde. Es gibt dann keinen Luftaustausch durch Fensterfugen mehr und die Feuchtigkeit schlägt sich an den kalten Außenwänden nieder. 

Mieter oder Vermieter – wer ist bei Schimmel in der Pflicht?

Alkohol ist ein Anti-Schimmelmittel. Bei großflächigem Befall muss aber eine Fachfirma anrücken.
Alkohol ist ein Anti-Schimmelmittel. Bei großflächigem Befall muss aber eine Fachfirma anrücken.(Foto: imago stock&people)

Schimmelt es in der Wohnung, unterstellen Vermieter meistens erst einmal mangelhafte Lüftung. Mieter hingegen sehen die Ursache in der Bausubstanz. Beides ist schwer nachzuweisen, aber wenn Aussage gegen Aussage steht, dann ist der Vermieter in der Beweispflicht. "Er muss nachweisen, dass die Schimmel­ursache nicht aus seiner Sphäre kommt, sprich nicht die Bausubstanz schuld am Schimmel ist", sagt Michael Sittig von der Stiftung Warentest. Für diesen Nachweis ist normalerweise ein Gutachten nötig. Die Kosten dafür trägt grundsätzlich der Auftraggeber, also der Vermieter – allerdings darf er den Gutachter dann auch allein aussuchen. Wer kein Gefälligkeitsgutachten riskieren will, sollte einen Kompromiss suchen. Der kann zum Beispiel so aussehen, dass beide Parteien ein Mitspracherecht haben und dann auch jeweils die Hälfte der Gutachterkosten übernehmen.

Grundsätzlich kann es nicht schaden, bevor man einen teuren Gutachter beauftragt, selbst auf Fehlersuche zu gehen. Dazu misst man an kalten Tagen die Wandtemperatur an der Schimmelstelle und vergleicht sie mit der Temperatur an anderen Wänden. Das funktioniert mit einem normalen Thermometer, das an der Wand befestigt wird. Genauere Ergebnisse liefert ein Infrarotthermomenter. Einfache Geräte findet man ab ca. 20 Euro.

Wie wird man den Schimmel wieder los?

Das kommt drauf an, wo er sitzt und wie groß die befallenen Stellen sind. Bei übersichtlichen Ausmaßen kann man sich oft selbst helfen. Die Stiftung Warentest hat im letzten Dezember 17 Schimmel-Entferner aus Drogerien und Baumärkten getestet, dazu noch die drei Hausmittel. Richtig  angewendet – also gegebenenfalls mehrfach - wirkten alle gut oder sehr gut. Dass das Gesamturteil für einige Produkte nur "ausreichend" ausfiel, lag an den jeweiligen Wirkstoffen. Natriumhypochlorid, das man am typischen Chlorgeruch erkennt, wirkt wie eine chemische Keule: Die Schimmelpilze sterben zwar, aber auch die Atemwege werden stark belastet. Weniger Nebenwirkungen haben laut "Warentest" die biozidhaltigen Alternativen, etwa mit Benzalkoniumchlorid. Hautreizungen oder Umweltbelastungen hielten sich hier in Grenzen. 

Sollen am Ende keine Chemikalien zurückbleiben, bieten sich Hausmittel an: Alkohol, Brennspiritus oder eine dreiprozentige Lösung aus Wasserstoffperoxid auf die betroffenen Stellen pinseln, trocknen lassen, mit Scheuermilch bearbeiten und nochmal pinseln. Im Test wirkten diese Klassiker genauso gut wie gekaufte Schimmel-Entferner. Wasserstoffperoxid wirkt auch bleichend und eignet sich deshalb gut, um schimmelgraue Fugen wieder aufzuhellen.

Schimmeln Silikonfugen immer wieder neu, dann liegt das daran, dass das darin enthaltene Fungizid im Laufe der Jahre an Wirkung verliert. Abhilfe schafft dann nur noch eine aufwendige Neuverfugung. In Mietwohnungen ist das in der Regel Sache des Vermieters.

Bei großflächigem Schimmelbefall wendet man sich am besten an einen Experten. Wird Schimmel unsachgemäß behandelt, ist die Gefahr groß, dass sich Sporen in der Wohnung verteilen und gesundheitliche Probleme verursachen. Die schimmligen Stellen einfach mit sogenannten Antischimmelfarben zu überstreichen, ist keine Lösung. Solche Anstriche eignen sich zur Vorbeugung an schimmelgefährdeten Stellen. Man sollte aber nicht unbedingt die ganze Wohnung damit streichen, denn die meisten Farben enthalten Biozide, die man aus der Wohnung besser so weit wie möglich heraus hält.

Quelle: n-tv.de

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