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Zu viel Strom zerstört Elektronik: Wer zahlt für Überspannungsschäden?

Erst kommt zu wenig und dann zu viel: Nach einer Störung der Versorgung, kommt der Strom mit zu hoher Spannung aus der Steckdose, wodurch mehrere Elektrogeräte kaputt gehen. Doch wer kommt für die Schäden auf? Der BGH kommt zu einem eindeutigen Urteil.

Der Freiburger Physikprofessor Volker Schmidt demonstriert im Physik-Hörsaal der Universität Freiburg anhand seiner Haartracht die Wirkung der Spannung von Elektrizität.
Der Freiburger Physikprofessor Volker Schmidt demonstriert im Physik-Hörsaal der Universität Freiburg anhand seiner Haartracht die Wirkung der Spannung von Elektrizität.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Wenn der Strom mit zu hoher Spannung aus der Steckdose kommt und dadurch Elektrogeräte beschädigt werden, haftet der Netzbetreiber. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az.: VI ZR 144/13).

In dem verhandelten Fall machte ein Kunde Schadenersatz gegenüber seinem Netzbetreiber geltend. Nach einem Stromausfall war es zu einer Überspannung in seinem Haus gekommen. Dabei wurden unter anderem eine Heizungsanlage, das elektrische Garagentor sowie Kleingeräte beschädigt - die Schäden beliefen sich auf rund 2800 Euro.

Die Ursache für die Überspannung lag in der Unterbrechung von zwei sogenannten PEN-Leitern (PEN = protective earth neutral) in der Nähe des Hauses des Klägers, über die sein Haus mit der Erdungsanlage verbunden war. Das Amtsgericht hatte die auf Ersatz des entstandenen Schadens gerichtete Klage abgewiesen. Auf die Berufung des Klägers hatte das Landgericht der Klage abzüglich der Selbstbeteiligung von 500 Euro gemäß § 11 der Produkthaftung stattgegeben.

Der BGH bestätigte das Urteil des Landgerichts. Demnach haftet der Netzbetreiber aufgrund der verschuldensunabhängigen (Gefährdungs-)Haftung - da neben beweglichen Sachen auch Elektrizität ein Produkt im Sinne der Produkthaftung sei. Die Elektrizität weise aufgrund der Überspannung einen Fehler auf, der die Schäden an den Elektrogeräten und der Heizung, also an üblichen Verbrauchsgeräten des Klägers, verursacht habe. Mit solchen übermäßigen Spannungsschwankungen müsse der Abnehmer nicht rechnen, so der BGH.

Der Netzbetreiber ist im Sinne der Produkthaftung auch als Hersteller des fehlerhaften Produkts Elektrizität anzusehen. Dies ergebe sich daraus, dass das Unternehmen Transformationen auf eine andere Spannungsebene, nämlich die sogenannte Niederspannung für die Netzanschlüsse von Letztverbrauchern, vornehme.

In diesem Fall werde die Eigenschaft des Produkts Elektrizität durch den Betreiber des Stromnetzes in entscheidender Weise verändert, weil es nur nach der Transformation für den Letztverbraucher mit den üblichen Verbrauchsgeräten nutzbar sei, begründete der BGH sein Urteil.

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Quelle: n-tv.de

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