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Sport
"Ich bin schon aggressiv und impulsiv": Andreas Wolff.
"Ich bin schon aggressiv und impulsiv": Andreas Wolff.(Foto: dpa)

Das Tier im EM-Tor: Wolff lässt Handballer träumen

Andreas Wolff ist die Entdeckung der Handball-EM in Polen. Mit seinen spektakulären Paraden avancierte der junge Keeper zum Matchwinner der deutschen Mannschaft beim Sieg gegen Schweden. "Er hat uns nie enttäuscht", sagt Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Ein Punkt würde reichen

Den deutschen Handballern reicht heute ab 17.15 Uhr ein Remis gegen Slowenien zum Einzug in die Hauptrunde der EM. Selbst bei einer Niederlage könnten sie es schaffen, wenn Schweden gegen Spanien verliert. Dann hätten Deutschland und Schweden jeweils 2:4 Zähler. Bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich. Das DHB-Team gewinnt die Gruppe, wenn es Slowenien schlägt und Spanien gegen Schweden verliert. (sgi)

Als Belohnung für seine Galavorstellung gönnte sich der "große, böse Wolff" noch ein paar Seiten Nervenkitzel. Beim Gruselroman "Krähenmädchen" entspannte Matchwinner Andreas Wolff nach dem 27:26-Erfolg der deutschen Handballer gegen Rekord-Europameister Schweden und lud seine Akkus für das Gruppen-Endspiel gegen Slowenien am Mittwoch ab 17.15 Uhr auf. "Ich liebe Thriller. Beim Lesen kann ich am besten runterfahren", sagte Wolff nach einem denkwürdigen Abend in Breslau: "Meine Eltern haben mir eine ganze Tüte mit Büchern mitgegeben, die ich an Weihnachten zu Hause liegen lassen habe."

Schon am Morgen danach war es mit dem Schmökern aber wieder vorbei. Wolff, der in der kommenden Saison von der HSG Wetzlar zum THW Kiel wechselt, verbrachte die meiste Zeit auf seinem Zimmer und zog sich "Videos ohne Ende rein", um gegen Slowenien wieder voll da zu sein. "Mit einem weiteren Sieg können wir uns eine richtig gute Ausgangsposition für die Hauptrunde verschaffen."  Bei einer Niederlage, auch das weiß der 24-Jährige, könnte die EM für das junge deutsche Team unter Umständen aber auch schon vorbei sein. Möglicherweise gibt Wolff gegen Slowenien sein Debüt als Nummer eins. "Kann sein, dass er morgen anfängt", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson: "Er hat im letzten Jahr immer wieder seine Chance bekommen und uns nie enttäuscht."

Handball-EM
Gruppe C
Montag, 18. Januar
Slowenien -Spanien24:24 
Deutschland -Schweden27:26 
Mittwoch, 20. Januar
Deutschland -Slowenien17.15 Uhr 
Spanien -Schweden20.00 Uhr 
TABELLE
1. Spanien256:533
2. Schweden249:482
3. Deutschland256:582
4. Slowenien245:471

Modus: Platz 1 bis 3 in der Hauptrunde

Dass es in Polen für das deutsche Team überhaupt noch um eine "richtig gute Ausgangsposition" geht, war vor allem Wolff selbst zu verdanken. Nach elf Minuten löste er gegen Schweden den glücklosen Carsten Lichtlein ab und lehrte die gegnerischen Angreifer mit spektakulären Paraden das Fürchten. Ohne Wolff wäre das deutsche Team nach dem 13:17-Rückstand zur Pause wohl nicht mehr zurückgekommen.

"Eine sehr starke Leistung", lobte Sigurdsson, der Wolff für viele überraschend im Dezember anstelle des formschwachen Stammtorhüters Silvio Heinevetter nominiert hatte. Die Entscheidung für Wolff zahlt sich mehr und mehr aus. Schon zum Auftakt gegen Spanien glänzte der Torhüter nach seiner Einwechslung. "Wir haben in der Vorbereitung viel über Torhüter gesprochen, auch dass es da nicht immer ganz konstant war", sagte Teammanager Oliver Roggisch, "spätestens seit Montag ist diese Diskussion beendet". Wolff gehört die Zukunft im deutschen Tor. Spätestens, wenn Stammkeeper Lichtlein, 35 Jahre alt, seine Nationalmannschaftskarriere beendet, dürfte der Euskirchener zur Nummer eins aufsteigen. "Wolff ist der Torwart mit der größten Perspektive", sagte Weltmeister-Keeper Henning Fritz dem "Mannheimer Morgen": "Wenn wir unsere großen Ziele bei der Heim-WM 2019 und Olympia 2020 erreichen wollen, muss man ihm jetzt die Chance geben, Erfahrung bei einem Turnier zu sammeln."

198 Zentimeter hoch, 100 Kilogramm schwer - Kraft ist aber beileibe nicht Wolffs einzige Stärke. Der 24-Jährige zeigt bei seinen Reflexen trotz seiner enormen Größe und Masse erstaunliche Beweglichkeit und besticht zudem durch hohe Emotionalität. Immer wieder reckt er nach Paraden die Zeigefinger gen Hallendecke, puscht das Publikum oder trommelt sich wie wild auf den Brustkorb.

"Ich bin schon aggressiv und impulsiv. Das lässt sich nicht bestreiten", sagte Wolff, "aber innerlich versuche ich immer so ruhig zu bleiben, wie es geht". Diese ruhige, fast schon besonnene Seite zeigt sich dann nach dem Schlusspfiff, wenn er in aller Seelenruhe seine Auftritte analysiert. Ob er nach seinen beiden tollen Auftritten nun gegen Slowenien auf seinen ersten EM-Einsatz von Beginn hofft? "Nö", sagt Wolff und fängt an zu Grinsen: "Es läuft doch ganz gut so."

Quelle: n-tv.de

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