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(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 23. November 2014

"Ich hätte Rot zeigen müssen!": Außenbandriss beendet Reus' Fußballjahr

Zwei Punkte und vor allem Starspieler Marco Reus verloren: Beim 2:2 im westfälischen Derby beim SC Paderborn erlebt Borussia Dortmund einen bitteren Tag. Selbstkritisch zeigt sich im Anschluss Schiedsrichter Stark.

Nach dem schweren Foul im Spiel gegen SC Paderborn (2:2) ist die Bundesliga-Hinrunde für Fußball-Nationalspieler Marco Reus beendet. Der 25-Jährige hat sich einen Außenbandriss im Sprunggelenk zugezogen und fällt die restlichen Spiele in diesem Jahr aus, wie der BVB mitteilte. Reus, der in der 67. Minute ausgewechselt worden war, kann voraussichtlich Anfang Januar wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Torschütze zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung war bei einem harten Tackling von Gegenspieler Marvin Bakalorz am rechten Knöchel getroffen worden und musste mit einer Trage vom Platz gebracht werden.

Angesichts der Verletzung sowie des Endstandes war Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem Abpfiff in seinen Sitz zusammengesunken und blickte aus leeren Augen auf das jubelnde Paderborner Publikum um sich herum. In den 30 Minuten zuvor war alles gegen den BVB gelaufen, die zwei verschenkten Punkte im Westfalenderby beim SCP waren allerdings das kleinere Problem. "Mit fällt es schwer, jetzt über Fußball zu reden", sagte ein geschockt wirkender BVB-Trainer Jürgen Klopp in der Pressekonferenz.

Stark: "Habe mich selbst erschrocken"

Später wertete Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) seine Entscheidung, den Paderborner Marvin Bakalorz nach dem Foul an Reus nur zu verwarnen, als falsch. "Im Spiel habe ich es so gesehen, dass Bakalorz zum Ball grätscht, den Ball auch leicht berührt und danach Reus trifft. Für mich war das in dem Moment Foul und Gelb. Als ich nachher die Zeitlupe gesehen habe, habe ich mich selbst erschrocken und muss sagen: Rot wäre die richtige Entscheidung gewesen", sagte der 45-Jährige Bild.de. 

Weiter führte Stark aus: "Mir tut Marco Reus leid. Wir hatten uns beim Aufwärmen noch unterhalten, und ich habe ihm da gesagt: 'Schön, dass Sie wieder fit und zurück sind!' Ich hoffe sehr für ihn, dass die Verletzung nicht zu schlimm ist!"

Noch in der Mixed Zone hatte BVB-Manager Michael Zorc das erste medizinische Bulletin seines Mannschaftsarztes verkündet: "Es besteht der Verdacht auf einen Außenbandriss. Auch die Syndesmose soll in Mitleidenschaft gezogen sein." Laut Klopp war das Sprunggelenk "schnell dick geworden".

Vom Zimmerkumpel umgetreten

Es ist der nächste Rückschlag für Reus, der zuletzt wegen einer Bänder- und Sehnenzerrung sowie eines Knochenödems im linken Sprunggelenk gefehlt und im Sommer die WM in Brasilien wegen eines Syndesmoserisses verpasst hatte. Ausgerechnet der Ex-Dortmunder Marvin Bakalorz hatte dem 25-Jährigen die Verletzung durch ein rüdes Einsteigen beschert.

"Ich kenne Marvin schon eine Weile. Es gab immer wieder Situationen, wo es passiert, dass er unkontrolliert grätscht", sagte Klopp, der seinem früheren Spieler schon auf dem Platz eine Standpauke hielt. Absicht schloss der BVB-Trainer aber explizit aus: "Auch wenn das Dummheit pur war, ist er ein Top-Junge." Bakalorz hatte sich da bereits für das harte Einsteigen entschuldigt. "Wir waren damals im Trainingslager zusammen auf dem Zimmer - ich würde Marco Reus niemals gewollt umtreten", sagte der Paderborner bei Sky: "Ich wollte zum Ball gehen, aber ich berühre ihn, das war zu heftig. Es tut mir auf jeden Fall leid."

Mutige Paderborner in der zweiten Halbzeit

Aber nicht nur Reus' erneute Verletzung sorgte dafür, dass Klopp bewusst untertreibend von "keinem guten Tag für uns" sprach. Bereits vor der Auswechslung des Nationalspielers Mitte der zweiten Halbzeit hatte der BVB das Spiel nach einer kontrolliert geführten ersten Halbzeit aus der Hand gegeben und den plötzlich mutigen Paderbornern zu wenig Gegenwehr geliefert.

Die Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang (12.) und Reus (45.+1.) spiegelten zwar das Kräfteverhältnis der ersten Halbzeit wider, mehr als eine durchschnittliche Leistung lieferten die Dortmunder dabei aber nicht ab - im Gegensatz zum aufopferungsvoll kämpfenden Gegner, der sich durch Lukas Rupp (60.) und den Ex-Borussen Mahir Saglik (81.) belohnte.

Und auch wenn Klopp nach dem Spiel anerkennend konstatierte, dass er "kein Problem habe, hier remis zu spielen" und dem SCP "Riesenrespekt" zollte - die Erwartungen der Dortmunder nach dem erhofften Ende der Ligakrise gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) nach zuvor fünf Niederlagen waren sicher andere gewesen. Dass die Abseitsentscheidung bei einem Treffer von Kevin Großkreutz zum vermeintlichen 3:1 zumindest umstritten war, sorgte ebenfalls nicht gerade für eine Verbesserung der Laune - weder bei Watzke noch bei Klopp.

Quelle: n-tv.de

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