Sport
BVB-Coach Tuchel: Beim CL-Aus gegen Monaco kam eine Menge zusammen.
BVB-Coach Tuchel: Beim CL-Aus gegen Monaco kam eine Menge zusammen.(Foto: picture alliance / Bernd Thissen)
Donnerstag, 20. April 2017

Qualität? Energie? Glück?: BVB war zum Scheitern verdammt

Von Felix Meininghaus, Monaco

Borussia Dortmund wird in der Champions League bei der AS Monaco gewogen und für zu leicht befunden. Trainer Tuchel bittet um Verständnis. Er wirbt für Fairness und verweist auf die dramatischen Nebengeräusche.

Nach dem Schlusspfiff machte sich der traurige Dortmunder Haufen auf den Weg in die Kurve, in der sich die Fans versammelt hatten, um trotz des Ausscheidens auch an diesem Mittwochabend den Schulterschluss zu vollziehen. Mittendrin war Marc Bartra, der die 1:3-Niederlage des BVB auf der Auswechselbank verfolgt hatte, um seinen Mitspielern zumindest seelischen Beistand zu geben. Der Spanier war beim Sprengstoffattentat auf den Mannschaftsbus acht Tage zuvor von umherfliegenden Glassplittern verletzt worden und konnte nicht mitwirken, weil er an der Speiche seiner rechten Hand operiert werden musste.

"Nur der BVB": Marc Bartra in Monaco.
"Nur der BVB": Marc Bartra in Monaco.(Foto: dpa)

Bartra und seine Kollegen verabschiedeten sich vorerst von Europa, der Gesang der Fans, die "nur der BVB, unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz" intonierten, wird ein wenig Trost gespendet haben. Borussia Dortmund ist im Viertelfinale der Fußball-Champions-League gewogen und für zu leicht befunden worden. Ein wirklicher Maßstab seien die 180 Minuten gegen überlegene Monegassen allerdings nicht, befand Thomas Tuchel. Dortmunds Trainer war blass und wirkte sichtlich mitgenommen, als er sich daran machte, vor den Journalisten das Erlebte einzuordnen.

Tuchel bat bei der Bewertung seiner Mannschaft um Fairness, man müsse aufpassen, angesichts der traumatischen Ereignisse rund um den Anschlag "diese beiden Spiele zu hoch zu bewerten". Sein Team habe sich "bis vor acht Tagen bereit gefühlt, dieses Champions-League-Viertelfinale zu gewinnen. Danach haben sich die Rahmenbedingungen dramatisch verändert". Der Plan, aus dem Anschlag auf das Leben Energie zu ziehen und eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität zu entwickeln, ging nicht auf. "Wir haben nicht so frei gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben", sagte Mittelfeldspieler Julian Weigl. De facto hatte der BVB in Monaco zu keinem Moment die Ausstrahlung, über sich hinauswachsen zu können, um das große Ziel mit einer Energieleistung doch noch zu verwirklichen.

"Kraft und Wille fehlten"

Monaco - Dortmund 3:1 (2:0)

Tore: 1:0 Mbappe (3.), 2:0 Falcao (17.), 2:1 Reus (48.), 3:1 Germain (81.)
AC Monaco: Subasic - Toure, Glik, Jemerson, Mendy -  Bakayoko, Moutinho - Silva (90. Raggi), Lemar - Mbappe (81.  Germain), Falcao (67. Dirar)
Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Ginter - Durm (27.  Dembele), Weigl, Sahin (46. Schmelzer), Guerreiro (72. Pulisic) -  Kagawa, Reus - Aubameyang
Referee: Skomina (Slowenien) Zus: 17.135
Schüsse: 15:11 Ecken: 5:3
Ballbes: 35:65% Zweikämpfe: 79:82

"Unglücklicherweise hatten wir nicht die Qualität, die Energie und das Glück", sagte Tuchel. Stattdessen stand ein Abwehrverbund auf dem Platz, der für gehobene europäische Weihen nicht infrage kommt. Haarsträubende Schnitzer, die sich Piszczek, der wieder einmal überforderte Ginter und auch Torhüter Roman Bürki vor dem ersten Gegnertor leisteten, sind als sichere Indizien zu werten, dass die Klasse dieses Ensembles nicht ausreicht, um den Besten der Zunft die Stirn bieten zu können. "Wir haben sehr fehlerhaft begonnen, das hat sich durch das Spiel gezogen", sagte Tuchel. Und Marco Reus ergänzte: "Wir hatten die Zuordnung bei den Flanken nicht."

Vielleicht sei es ja so gewesen, mutmaßte Bürki, "dass wir uns zu viel aufs Tore Schießen konzentriert und dabei das Tore Verhindern vergessen haben." Die Folge war, dass die Borussia schon nach einer Viertelstunde aussichtslos mit 0:2 zurücklag. "Für den Kopf war das natürlich schwierig, so zu starten", sagte Marco Reus: "Danach fehlten Kraft und Willen, um das Ding noch umzubiegen." Dazu kam, dass auch Tuchel in seinem 100. Pflichtspiel mit dem BVB nicht seinen glücklichsten Auftritt hatte. Zum Beispiel bei der Entscheidung, Erik Durm nach einmonatiger Verletzungspause direkt in die Startformation zu beordern.

Ein offensichtlicher Fehler, denn der Weltmeister ohne Einsatzminute war komplett überfordert und wurde von seinem Trainer schon nach einer knappen halben Stunde erlöst. "Erik war der Leidtragende", sagte Tuchel, "das nehme ich auf mich. Aber er hat im Training einen sehr frischen Eindruck gemacht." Fragwürdig war es auch, mit Nuri Sahin den besten Spieler aus taktischen Erwägungen in der Halbzeit aus dem Spiel zu nehmen.

Schon vorher hatte Tuchel an der Mission gezweifelt und sich selbst gefragt: "Ist das der Abend, an dem wir es möglich machen können?" Die Antwort war ein klares "Nein." Damit ist nach Bayern München auch der letzte deutsche Klub in der Königsklasse gescheitert, was insofern bemerkenswert ist, weil die Bundesliga erstmals seit 2009 im Halbfinale außen vor ist. Sechs Mal schafften es die Bayern unter die letzten Vier, dazu der BVB (2013) und der FC Schalke 04 (2011). Höhepunkt der Hausse war das rein deutsche Finale zwischen den Bayern und den Dortmundern 2013 in Wembley.

Nun ist die Liga des Weltmeisters in Europas Königsklasse nur noch Zaungast. Die Bundesliga, die sich gern für ihr Niveau und ihre Ausgeglichenheit feiert nur biederer Durchschnitt? Das soll nicht so bleiben. Zumindest, wenn man Marcel Schmelzer Glauben schenkt. Bevor er in den wartenden Mannschaftsbus stieg, betonte der Kapitän des BVB, für viele der jungen Spieler seien es die ersten Gehversuche auf diesem Niveau gewesen. Schritte, aus denen einige Lehren zu ziehen seien: "Jeder von uns hat den Anspruch, in der nächsten Saison wieder da zu spielen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen