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Und tschüss: Michael Ballack, hier Ende Januar beim Hallenfußball in Chemnitz.
Und tschüss: Michael Ballack, hier Ende Januar beim Hallenfußball in Chemnitz.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit Torsten Frings in der Versenkung: Ballack geht - und keiner merkt's

Von Stefan Giannakoulis

Er ist einer besten Fußballer seiner Generation. Doch dass Michael Ballack über sein Abschiedsspiel reden will, interessiert kaum jemanden. Stattdessen geht er als einer in die Geschichte ein, der es sich zum Schluss mit fast allen verdirbt. Und wie Torsten Frings laut- und titellos in der Versenkung verschwindet.

Vielleicht lag es an der fehlenden Substanz, dass diese Meldung wenig Verbreitung fand. Michael Ballack lädt für Donnerstag zu einer Pressekonferenz nach Leipzig ins Zentralstadion ein. Dort will er, so heißt es, verkünden, dass er vermutlich am 5. Juni sein Abschiedsspiel veranstalten wird. Offenbar mit einer Auswahl aus alten Kollegen gegen eine Weltelf. So heißt es, vermutlich, offenbar - zu wenig Information für eine fundierte Schlagzeile. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich niemand mehr für Michael Ballack interessiert. Und das ist ein wenig traurig.

Michael Ballack, 36 Jahre alt, hat zwischen 1999 und 2010 insgesamt 98 Mal im Mittelfeld für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Er ist für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und den FC Bayern München 267 Mal in der Bundesliga aufgelaufen, für den FC Chelsea bestritt er in der englischen Premier League 105 Partien. Aber es sind nicht allein die Zahlen, die beeindrucken. Er war der Kapitän, der Leitwolf, als es so etwas noch gab, der einzige deutsche Spieler mit Weltklasseformat, wie es stets hieß.

Dann aber verpasste er wegen einer Verletzung die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Der Rest ist Geschichte. Sie brauchten ihn nicht mehr, er überwarf sich mit Bundestrainer Joachim Löw und mit Philipp Lahm, der statt seiner das Kapitänsamt übernommen hatte. Und auch seine Rückkehr zu Bayer Leverkusen war ein Missverständnis. Michael Ballack fiel nur noch dadurch auf, dass er schmollte und sich über mangelnde Wertschätzung beklagte.

"Wie Michael Ballack und Torsten Frings"

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, was Michael Ballack hätte besser machen können, als sich die Welt um ihn herum weiterdrehte, er aber den Eindruck machte, als wolle er das nicht wahrhaben. Nun ist's zu spät, er verschwindet in der Versenkung. Einmal noch, so dürfte er hoffen, wird er im Rampenlicht stehen, am 5. Juni in Leipzig, mutmaßlich. Aber auch hier kündigt sich ein schaler Beigeschmack an, weil er seinen Abschied selbst organisieren muss. 100 Länderspiele hätten es sein müssen, dann hätte das der DFB für ihn übernommen. Aber das Angebot, die zwei fehlenden Partien noch zu absolvieren, hatte Michael Ballack als Almosen abgelehnt.

Was bleibt, ist die Erinnerung an einen, der ein richtig guter Fußballer war, einer der Besten seiner Generation, willensstark, torgefährlich, prägend für seine Zeit, der es sich zuletzt aber mit fast allen verdorben hat und nun eher lautlos verschwindet. So wie sein alter Spezi Torsten Frings, der in der vergangenen Woche von Kanada aus verlauten ließ, dass nun für ihn Schluss ist mit dem Leben als Profi. Noch so einer, den sie einst so wertgeschätzt haben, dass nach wie vor die These in Stein gemeißelt ist, die deutsche Mannschaft hätte bei der WM 2006 das Halbfinale gegen Italien gewonnen, wenn er, Torsten Frings, nur hätte mitspielen dürfen und nicht gesperrt gewesen wäre.

So aber stehen beide, er und Michael Ballack, für großartige Spieler, die klanglos abtraten und nie mit der Nationalmannschaft einen Titel gewannen. Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann sagte jüngst im Gespräch mit n-tv.de über die aktuelle Elf von Joachim Löw und ihre Jagd nach einem Pokal: "Dann kann es passieren, dass eine Generation ihre Karriere mit leeren Händen beendet." Und fügte an: "Wie Michael Ballack und Torsten Frings."

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Quelle: n-tv.de

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