Sport
Montag, 07. März 2011

Geht Heynckes zum FC Bayern?: Ballack spaltet Leverkusen

Spitzt sich die Fehde bei Bayer Leverkusen zwischen Michael Ballack und Trainer Jupp Heynckes weiter zu? Und was ist mit dem Gerücht, dass der Trainer nach der Saison zum FC Bayern München wechselt? Beim Werksklub jedenfalls will man davon nichts wissen.

Hier sieht er doch ganz fröhlich aus: Michael Ballack.
Hier sieht er doch ganz fröhlich aus: Michael Ballack.(Foto: dpa)

Die Geschäftsstelle von Bayer Leverkusen ist am Rosenmontag geschlossen, doch nach dem tollen Treiben um Michael Ballack hatte die Klubführung keinen Spaß am Karneval. Spekulationen um einen Wechsel von Trainer Jupp Heynckes zum FC Bayern München und der Ausfall von Innenverteidiger Manuel Friedrich, der beim Sieg gegen Wolfsburg einen Schulterblattbruch erlitten hat, dürften die Stimmung weiter gedämpft haben.

"Davon ist uns nichts bekannt. Jupp Heynckes hat einen Vertrag", erklärte Meinolf Sprink, Leiter Kommunikation und Marketing in Leverkusen, zur Trainer-Personalie. Das Gerücht erhält allerdings dadurch Brisanz, da Heynckes der Dauerfehde nach der letzten Eskapade um Ballack überdrüssig sein könnte und die eigentlich fixe Vertragsverlängerung um ein Jahr noch ausschlägt.

Verhältnis auf den Nullpunkt abgekühlt

"Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Vertragsverlängerung des Trainers und Michael Ballack, nein", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nach dem Fußball-Bundesligaspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (3:0). "Ich bin optimistisch, dass Jupp Heynckes Ja sagen wird. Er wird es in den nächsten Tagen tun." Außerdem hatte er im Editorial des Stadionmagazins ein außergewöhnliches Bekenntnis zu dem 65-Jährigen gegeben: "Bei uns gibt's jedenfalls niemanden, der sich seinen weiteren Verbleib nicht wünscht."

Und was wird aus ihm? Jupp Heynckes.
Und was wird aus ihm? Jupp Heynckes.(Foto: dapd)

Niemand? Zumindest für Ballack, der mit anderen Rekonvaleszenten trainierte, dürfte dies nicht gelten. Sein Verhältnis zu Heynckes ist fast bis auf den Nullpunkt abgekühlt. Die Linie des Chefcoaches, die Werkself ohne Ansehen der Person nach Leistungsprinzip aufzustellen, empfindet der einstige Star von Bayern München und dem FC Chelsea als Affront - nicht als Hilfe. Seine Weigerung, gegen Wolfsburg nicht in den Kader und nicht Reservist sein zu wollen, ist der bisherige Höhepunkt des Machtkampfes.

Für Holzhäuser ist das "halb so dramatisch". Doch ob die Beziehung zwischen dem Harmoniemenschen Heynckes und dem egozentrischen Ballack noch gekittet werden kann oder in der Frage "Heynckes oder Ballack" gipfelt, ist offen. Die "Bild"-Zeitung spekuliert bereits über eine vorzeitige Trennung von Ballack (Vertrag bis Juli 2012) im Sommer, über sein Karrierenende oder einen Wechsel ins Ausland.

"Von Fairness kann man da nicht sprechen"

Der Kölner "Stadt-Anzeiger" bezeichnete die Verpflichtung Ballacks als "kolossalen Fehler" und sieht die "Zeit für Ehrlichkeit" gekommen. Die Verletzungen seien nicht absehbar gewesen, hätten aber nur beschleunigt, was ohnehin absehbar gewesen wäre: Jüngere Defensivspieler wie Arturo Vidal, Simon Rolfes und Lars Bender gehörten zu den Besten der Liga.

Während der erfahrene Heynckes hohes Ansehen in der Werkself genießt, scheint es nur noch wenige Fürsprecher für Ballack zu geben. Nach der Wolfsburg-Partie verweigerten viele Spieler klare Antworten und zeigten sich ablehnend, als es um die B-Frage ging. Zuspruch findet er zumindest bei Nationaltorwart René Adler, der die "Schärfe, mit der er kritisiert wird", nicht versteht: "Von Fairness kann man da nicht sprechen."

Bundestrainer Joachim Löw, der am Samstag als Zaungast des Wolfsburg-Spiels überrascht über das Fehlen Ballacks war, will in den nächsten Tagen mit seinem offiziell nicht abgesetzten Kapitän über dessen Zukunft sprechen. Da der 98-malige Nationalspieler bei Bayer in den kommenden zwei Wochen an seiner Fitness arbeiten will und nicht spielen wird, dürfte seine Nominierung für die Länderspiele am 26. März gegen Kasachstan und drei Tage später gegen Australien nicht wahrscheinlich sein.

Quelle: n-tv.de

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