Sport

Tatort empört DFB-Teammanager: Bierhoff will nicht schwul sein

von Christoph Wolf

Eine kurze Tatort-Textstelle sorgt bei DFB-Teammanager Oliver Bierhoff für Schnappatmung. Weil dort die Wörter "schwul" und "Nationalmannschaft" im selben Satz vorkommen, fühlt sich Bierhoff tief in seiner Ehre gekränkt. Dass er damit die Tabuisierung des Themas Homosexualität im Fußball fördert, kommt ihm nicht in den Sinn.

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kann es nicht ertragen, wenn die Wörter "schwul" und "Nationalmannschaft" öffentlich in einen Satz gepackt werden.
DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kann es nicht ertragen, wenn die Wörter "schwul" und "Nationalmannschaft" öffentlich in einen Satz gepackt werden.(Foto: dpa)

Auch fünf Tage nach seiner Ausstrahlung sorgt der ARD-Tatort "Mord in der ersten Liga" bei DFB-Teammanager Oliver Bierhoff für Empörung. In dem Krimi mit Maria Furtwängler in der Hauptrolle war das Thema Homosexualität im Profifußball explizit mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht worden. Ein sich am Ende des Films als schwuler Fußballer outender Hauptdarsteller sagte zur Kommmissarin: "Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten."

Die Reaktion von Bierhoff darauf zeigt: Für den DFB-Teammanager gibt es offenbar wenig Schlimmeres im Leben, als mit dem Thema Homosexualität in Verbindung gebracht zu werden. In der "Bild"-Zeitung klagte er nun: "Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen. Der Satz im Tatort hat ja keine inhaltliche Relevanz."

Tatsächlich lässt sich die Aussage als direkter Bezug auf einen "Spiegel"-Essay aus dem WM-Sommer 2010 verstehen, in dem der Berater von Michael Ballack, Michael Becker, mit abfälligen Kommentaren über eine vermeintliche "Schwulencombo" im DFB-Team und über einen "halbschwulen" WM-Teilnehmer zitiert worden war. Becker dementierte später, diese homophoben Aussagen getätigt zu haben. Der Text und die folgenden Diskussionen schlugen medial dennoch hohe Wellen und machten deutlich, dass Homosexualität im deutschen Fußball trotz des Engagements des Deutschen Fußball-Bundes und anderer Initiativen gegen Diskriminierung weiter tabuisiert wird.

Dem Kampf gegen das Tabu ist mit der rückschrittlichen Reaktion Bierhoffs nicht geholfen. Sie will so gar nicht zum modernen, fortschrittlichen, integrativen Anspruch des von ihm gemanagten DFB-Teams passen. In der "Bild" versteigt sich Bierhoff sogar dazu, die harmlose Textstelle als einen Angriff auf seine "Familie - die Familie der Nationalmannschaft" zu bezeichnen. Für die Zukunft kündigte er vielmehr an, "grundsätzlich bei der Nationalelf zu überlegen, wie wir mit solchen Dingen umgehen".

Dass es für ihn gar kein Problem wäre, wenn es im Nationalteam ein Outing von schwulen Spielern, Trainern oder Funktionären geben würde, diese Aussage kam Bierhoff nicht in den Sinn und über die Lippen.

Quelle: n-tv.de

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