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Ganz schön heiß hier ... selbst die Dromedare machen in Katar lieber halblang.
Ganz schön heiß hier ... selbst die Dromedare machen in Katar lieber halblang.(Foto: imago sportfotodienst)

Ein Fehler - aber nicht seiner: Blatter kritisiert WM-Vergabe nach Katar

Ein Geständnis auf Fifa-Art: Joseph Blatter bezeichnet die Vergabe der WM nach Katar erstmals als "Fehler" - und windet sich aus der Verantwortung heraus. Dass man einen Fehler wiedergutmachen kann, davon ist keine Rede.

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat deutlich eingeräumt, dass die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar falsch war - die Verantwortung aber nicht selbst übernommen. "Natürlich war es ein Fehler. Aber wissen sie, man macht viele Fehler im Leben", sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes in einem Interview mit dem Schweizer Sender "RTS". "Es war in einer Expertise klar angezeigt worden, dass die Temperaturen im Sommer zu hoch sein würden. Dieser Umstand hat das Exekutivkomitee der Fifa jedoch nicht davon abgehalten, die WM mit einer großen Mehrheit an das Emirat zu vergeben", sagte Blatter.

Angesichts der Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius, hartnäckiger Bestechungsvorwürfe und menschenunwürdiger Zustände auf Baustellen mit Verbindung zur WM 2022 kocht die Diskussion über einen Entzug der Gastgeberrolle für Katar immer wieder hoch. Die Führungspersonen des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) sprechen vor dem Hintergrund zahlreicher Todesfälle unter den Fremdarbeitern seit langem von "Sklaverei" und warnen, bis zur WM könnten bis zu 4000 Arbeiter sterben. Amnesty International dokumentierte im vergangenen Jahr in einem Bericht schwere Menschenrechtsverletzungen.

Trotz aller Vorwürfe: Davon, den Fehler zu korrigieren, redet Blatter nicht. Der Schweizer will die WM in Katar stattfinden lassen - allerdings im Winter, um der Hitze auszuweichen.

Korruption? Nein!

Bei der Vergabe durch das Exekutivkomitee der Fifa am 2. Dezember 2010 in Zürich hatte sich Katar gegen die USA, Japan, Südkorea und Australien durchgesetzt. Mögliche Bestechung durch das Emirat an die stimmberechtigten Mitglieder des Exekutivkomitees wollte Blatter nicht kommentieren: "Nein, nein, das habe ich nie gesagt." Allerdings stellte der Schweizer fest, dass es offenbar "politischen Druck" aus Frankreich und Deutschland gegeben habe. "Man weiß gut, dass große Firmen aus Frankreich und Deutschland in Katar arbeiten, aber sie arbeiten nicht nur für die WM", sagte Blatter.

Blatter bestätigte in dem Interview, dass er 2015 erneut als Fifa-Präsident kandidieren werde. "Ich habe nicht nur Lust, ich bin entschlossen weiterzumachen", sagte er. Blatters Aussagen zu Katar sind daher auch als weiteres Manöver gegen den möglichen Konkurrenten Michel Platini zu verstehen. Der Uefa-Chef hat sich als einziger Fußball-Funktionär offen zu seiner Katar-Unterstützung bekannt. Kurz vor der Abstimmung hatte er sich mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar zum Essen getroffen.

Quelle: n-tv.de

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