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(Foto: imago/Uwe Kraft)

Schalke und der BVB in der Krise: Das Revierderby hat keinen Gewinner

Ein Kommentar von David Herten

Auf Schalke knallen die Sektkorken, Dortmund verfällt in die große Depression. Doch ein Blick auf das Revierderby und die Tabelle der Fußball-Bundesliga verrät: Die Alarmglocken sollten bei beiden Vereinen schrillen.

Für den Fußballfan im Ruhrgebiet heilt ein Derbysieg selbst die größten Wunden. Und dementsprechend ist es kein Wunder, dass auf Schalke nach dem 2:1 gegen den großer Erzrivalen Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. "Ganz Schalke ist heute froh", sagte S04-Trainer Jens Keller unmittelbar nach der Partie. Doch hat Schalke - abgesehen vom Derbysieg - tatsächlich allen Grund zur Freude?

Mit gerade mal acht Punkten aus sechs Spielen erwischten die "Königsblauen" alles andere als einen guten Saisonstart. In diesen sechs Spielen kassierte die wackelige Schalker Abwehr schon zehn Gegentore. Und die S04-Offensive ließ in den meisten Partien viel zu wünschen übrig, auch beim Derby. "Das 1:2 hat uns einen Knick verpasst, was das Fußballerische angeht", gab Keller zu und fügte an: "Aber die Jungs haben sich in jeden Ball reingeworfen."

Dass man sich auf Schalke schon darüber freut, elementare Bestandteile des Fußballs wie Kampf- und Laufbereitschaft zu bieten, sollte bei manchem Fan ein Stirnrunzeln erzeugen. Die sogenannten Kreativ-Spieler Max Meyer, Kevin-Prince Boateng oder Sidney Sam übertreffen sich regelmäßig gegenseitig in Ideenlosigkeit beim Spielaufbau. Bezeichnend, dass Schalke im Derby die beiden Treffer von den Gästen quasi geschenkt bekam. Erst durfte Joel Matip nach einer Ecke ohne jegliche Deckung aus fünf Metern einnicken, dann legte Dortmunds Adrian Ramos im eigenen Strafraum mustergültig für Eric Maxim Choupo-Moting auf. Doch die Schalker malen sich eine rosarote Welt, obwohl die "Königsblauen" nur einen Punkt mehr geholt haben als Dortmund.

BVB mit Slapstick-Abwehr

Der Schalker Lokalrivale ist nicht nur wegen der Derby-Pleite enttäuscht, sondern wegen des gesamten Saisonstarts. Beim BVB gibt es - genau wie auf Schalke - unzählige Baustellen. Weil in Dortmund aktuell nahezu alle Akteure mit Spielmacher-Fähigkeiten verletzt fehlen, hat das Spiel der Borussia phasenweise etwas von unterklassigem britischen Fußball der 80er Jahre. Es gibt kick 'n'rush, frei nach dem Motto: Vorne helfen uns dann irgendwie Adrian Ramos und der liebe Gott. Das Dortmunder Spiel ist einzig in der Defensive kreativ. Denn die BVB-Abwehr scheint seinem Publikum seit Wochen in jeder Partie beste Slapstick-Unterhaltung bieten zu wollen. Von den elf Gegentreffern resultierten die meisten aus hanebüchenen Fehlern. "Wenn du solche Gegentore kassierst, kannst du kein Bundesliga-Spiel gewinnen", erkannte auch BVB-Coach Jürgen Klopp.

Wie gut, dass für die beiden Revierklubs nun Spiele in der Champions League anstehen. Denn in der Königsklasse überzeugten sowohl S04 als auch der BVB. Schalke erkämpfte sich einen Punkt beim FC Chelsea, und Dortmund spielte beim 2:0 gegen den FC Arsenal die "Gunners" an die Wand. Vielleicht bringen erneute Erfolge in Europa die beiden großen Erzrivalen auch in der Bundesliga wieder in die Spur.

Quelle: n-tv.de

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