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Ein inszeniertes Spektakel, das schief ging: Sepp Maier und Hannes Löhr.
Ein inszeniertes Spektakel, das schief ging: Sepp Maier und Hannes Löhr.

Hannes Löhr ist tot: "De Nas" war bei jedem Schabernack dabei

Von Ben Redelings

Sepp Maier und Hannes Löhr haben etwas Lustiges vorbereitet, doch im letzten Moment zieht der Keeper zurück – denn ganz geheuer ist ihm der Löhr nicht. Es ist nur eine Anekdote aus dem Leben des populären Kölners, das am Montag zu Ende ging.

An Hannes Löhr erinnern sich Fußball-Fans in ganz Deutschland gerne. Sein fußballerisches Talent, herausragend. Seine menschliche Seite: sympathisch, bescheiden, offen, unkompliziert. Am Montag ist Hannes Löhr gestorben. Im Alter von 73 Jahren. Was bleibt ist die Erinnerung an einen Torjäger, der nicht nur rhetorisch für so manches Bonmot sorgte - "Das A und O beim Fußball bleibt das Aah und Oh auf den Rängen" –, sondern auf dem Rasen für jeden Spaß zu haben war.

Hannes Löhr wurde 73 Jahre alt.
Hannes Löhr wurde 73 Jahre alt.(Foto: dpa)

So gipfelte seine Nähe zu den Fans in der Saison 1973/74 in einer ganz besonderen Aktion. Beim Zusammentreffen des FC Bayern München mit dem 1. FC Köln am 16. Spieltag (1:2) zelebrierten Hannes Löhr und Bayern-Keeper Sepp Maier eine abgesprochene Show-Einlage, die sie schon lange einmal ausprobiert haben wollten. Abgemacht war: "Ich werde dir einmal während des Spiels den Ball hinwerfen und dann spielst du ihn mir zurück!" So Maier zu Löhr. Wohlgemerkt: Der Münchner Torwart wollte vor seinem eigenen Kasten das Spielgerät zum Kölner Stürmer schmeißen – in der Hoffnung, dass dieser die Situation nicht ausnutzt und das Leder direkt zu ihm zurückpasst. Doch genau das tat Löhr nicht – wenigstens nicht sofort.

Als der Maier plötzlich unruhig wurde...

Sechs Meter vor dem Kasten wollte der Kölner erst noch Maier umkurven, bevor er ihm den Ball zurückspielte. Doch da wurde die Lage selbst dem ansonsten immer so lustigen Bayern-Torwart etwas zu unübersichtlich. Wütend schnappte er seinem Freund das Leder vom Fuß und ballerte die Kugel weit in die Kölner Hälfte. Die Zuschauer waren dennoch sehr angetan von diesem inszenierten Spektakel.

Für den 1. FC Köln lief Löhr zwischen 1964 und 1978 in 381 Bundesliga-Spielen auf. Er erzielte dabei 166 Tore, bis heute FC-Vereinsrekord. Als Trainer der deutschen Olympia-Auswahl holte er 1988 in Seoul mit Spielern wie Jürgen Klinsmann, Frank Mill oder Wolfram Wuttke die Bronzemedaille. Von 1990 an war der gebürtige Eitorfer Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft. Erst im Jahr 2002 übergab er die Junioren-Auswahl an Jürgen Kohler. Fast parallel dazu beendete er im Alter von 58 sein Sportstudium an der Deutschen Sporthochschule in Köln, wobei er das Thema "Das Bosman-Urteil und seine Auswirkungen auf die Einsatzzeiten junger Spieler" bearbeitete.

Deutschunterricht mit kölschen Witzen

Auch bei seinen Kölner Mitspielern war Hannes Löhr äußerst beliebt. Als Yasuhiko Okudera 1977 aus dem fernen Asien zum FC kam und kein einziges Wort Deutsch sprach, legte man ihn zu Hannes Löhr aufs Zimmer. Ein Volltreffer. Löhr brachte ihm in der Folge eine Reihe von typisch kölschen Witzen bei. Okudera war begeistert, lernte schnell Deutsch und meinte über seinen Zimmerpartner Löhr lächelnd: "Das ist ein lustiger Vogel!"

Auch gegnerische Spieler konnten Hannes Löhr gut leiden. Nach einer verlorenen Partie der Gladbacher in Köln merkte Trainer Hennes Weisweiler an: "Ja, der Berti machte sich Kopfschmerzen wegen dem Hannes, der sein persönlicher Freund ist. Daher die Hemmungen!" Der Geschonte, Löhr mit Nachnamen, bedankte sich bei seinem Freund Berti Vogts mit drei Torvorlagen beim 3:2-Sieg seines FC über die Fohlen-Elf.

Hannes Löhr, den man in Köln lange Jahre eigentlich nur unter seinem Spitznamen "De Nas" kannte, beendete 1978 seine Bundesliga-Karriere. In der abwechslungsreichen Laufbahn gab es für Löhr nicht immer nur Sonnenschein. Krankheiten zeichneten seinen Weg: Tuberkulose, eine Lebererkrankung und eine schwere Blutvergiftung musste er überstehen. Doch Löhr klagte nie über sein Schicksal, im Gegenteil: "Ich war doch kein Pechvogel, sondern eher ein Glückspilz, weil ich alles so schnell überwand."

Quelle: n-tv.de

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