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Selig vereint: Die Dortmunder Borussen feiern das 3:1 des Kollegen Pierre-Emerick Aubameyang - zu erkennen am Batman-T-Shirt.
Selig vereint: Die Dortmunder Borussen feiern das 3:1 des Kollegen Pierre-Emerick Aubameyang - zu erkennen am Batman-T-Shirt.(Foto: imago/Jan Huebner)

Batman trifft, Schalke hadert: Der BVB ist selig, Tuchel nickt's ab

Von Felix Meininghaus, Dortmund

Mit einem fulminanten Auftritt entscheidet Dortmund das Derby gegen Schalke für sich - und freut sich, die Konkurrenz zunächst abgehängt zu haben. Da lässt Trainer Tuchel sogar die Mäzchen seines besten Torschützen durchgehen.

Am Tag vor dem großen Spiel hatte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel verkündet, im Grunde genommen sei seine Mannschaft in vierfacher Hinsicht gefordert: Nicht nur in der Meisterschaft, im Pokal, in der Europaliga, sondern auch im Derby, "das für uns wie ein eigener Wettbewerb ist". Die Bilanz der vierfachen Belastung könnte glänzender kaum sein: Tabellenzweiter hinter dem Branchenführer aus München mit großem Abstand auf den Rest des Feldes, im Pokal und im europäischen Wettbewerb aussichtsreich dabei und dann auch noch das Gipfeltreffen der Revierrivalen für sich entschieden.

"Mit unserem Punktekonto wären wir in Spanien, Italien und England Tabellenführer", sagte Sportdirektor Michael Zorc mit einem seligen Lächeln: "Aber da spielt ja auch Bayern München nicht mit." Der Ur-Dortmunder und knapp 80.000 Zuschauer sahen an diesem Sonntagabend einen BVB, der über weite Strecken ganz stark agiert, es am Ende jedoch mit eigenen Fehlern spannend machte. Am Ende jubelte Dortmund über einen 3:2 (2:1)-Sieg, der "mehr als verdient war", wie Zorc treffend feststellte. Die 147. Auflage der Begegnung, die sie im Ruhrgebiet als Mutter aller Fußballspiele definieren, war 70 Minuten lang eine einseitige Angelegenheit. "Es war ein hochklassiges Spiel", resümierte Schalkes Trainer André Breitenreiter, "und wir haben zu diesem tollen Fight unseren Teil beigetragen."

"Da fehlte uns eine gewisse Leichtigkeit"

Das Spiel der beiden sich in inniger Hassliebe verbundenen Kontrahenten begann so, wie es zu erwarten war: Dortmund übernahm das Kommando, während sich die Schalker hinten einigelten. Teilweise verbarrikadierte sich die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter mit einer Sechserkette vor dem eigenen Strafraum, mehr Beton geht kaum. Auf mehr als 60 Prozent wuchs der Ballbesitz des BVB, der aus seiner optischen Überlegenheit allerdings viel zu wenig Kapital schlug. Immer wieder verzettelten sich die Gastgeber, weil der letzte Pass nicht den Nebenmann fand. Viele schlampig zu Ende gespielte Angriffe machten es den Schalkern leicht, das Unentschieden zu halten. Die Borussia wirkte merkwürdig gehemmt, irgendwie wollte das Feuer nicht überspringen. "Da haben wir nicht so frei gespielt, wie wir das wollten", sagte Tuchel, "da fehlte uns eine gewisse Leichtigkeit."

Der zweite Streich: Matthias Ginter trifft mit dem Kopf.
Der zweite Streich: Matthias Ginter trifft mit dem Kopf.(Foto: imago/Team 2)

Das änderte sich allerdings nach einer knappen halben Stunde, als der erste konsequent inszeniert Angriff sein Ziel fand: Gonzalo Castro spielte einen feinen Doppelpass mit Matthias Ginter, dessen Flanke so weich auf dem Kopf von Shinji Kagawa landete, dass der kleine Japaner keine Mühe hatte, den Ball zur Führung einzudrücken. "Das darf nicht sein, dass er gegen uns mit dem Kopf ein Tor macht", rügte Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar. Schalke aber schüttelte sich und schlug postwendend zurück: Durch einen völlig unnötiger Ballverlust von Mats Hummels in der Vorwärtsbewegung konnte der quirlige Leroy Sané auf rechts durchmarschieren und in der Mitte Huntelaar bedienen, der aus kurzer Entfernung zum Ausgleich einschob. Die Gäste waren wieder im Spiel, doch der BVB agierte nun zielstrebiger. Der satte 25-Meter-Schuss von Ilkay Gündogan verfehlte das Ziel nur haarscharf, doch wenig später durften die Dortmunder dann doch jubeln: Nach einer Ecke von Henrich Mchitarjan schraubte sich Ginter hoch und erzielte mit einem sehenswerten Kopfball das 2:1.

Batman? "Da drücke ich ein Auge zu"

Der Treffer löste bei Tuchels Team die letzten Hemmungen, ab diesem Moment spielte der BVB wie entfesselt. Die fulminante Offensive der zweiten Hälfte wurde durch einen Freistoß von Gündogan eröffnet, kurz danach spielte Castro den Kollegen Aubameyang frei, der zum 3:1 einschob und danach sein Batman-T-Shirt präsentierte. Ein herzlicher Gruß an den verletzten Kumpel Marco Reus, der im letzten Revierderby noch den Robin gegeben hatte. Für das Ausziehen des Trikots sah der pfeilschnelle Stürmer gelb, was sein Trainer großzügig abnickte: "Da drücke ich ein Auge zu", sagte Tuchel, "und würde das auch im Rückspiel eventuell tun. Aber nur in diesen besonderen Spielen."

Nach Aubameyangs Treffer agierte weiterhin nur schwarz-gelb, die Dortmunder spielten ihren frappierenden Tempovorteil nach Belieben aus. Mchitarjan hätte den Vorsprung ausbauen müssen, scheiterte jedoch frei am glänzend reagierenden Schalker Torhüter Ralf Fährmann. "Da waren wir beeindruckt vom Dortmunder Spiel", sagte Breitenreiter.

Im Gefühl des sicheren Siegs patzten die Dortmunder erneut, dieses Mal war es Sokratis, der mit seinem krassen Patzer mithalf, dass Huntelaar sein zweiten Tor erzielen durfte. Plötzlich hing der Dortmunder Sieg, der doch eigentlich sicher schien, am seidenen Faden. Der eingewechselte Pierre Emile Hojbjerg hatte den Ausgleich auf dem Fuß, doch sein Schuss klatschte an den Pfosten. Den Nervenkitzel bis in die Nachspielzeit hatte sich die Borussia mit der eigenen Schlampigkeit selbst eingebrockt. Doch auch wenn es am Ende knifflig war, ging der Sieg vollkommen in Ordnung. "Wir haben es den Dortmundern ganz schön schwer gemacht", sagte Sané, und Dortmunds Torschütze Ginter ergänzte: "Das wäre äußerst ärgerlich gewesen, hätten wir heute nicht die drei Punkte geholt."

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Quelle: n-tv.de

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