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Ein Satz mit x: Arjen Robben, Thomas Müller - und, ganz rechts, mutmaßlich der Typ, der um fünf in der Früh in die Bar kam.
Ein Satz mit x: Arjen Robben, Thomas Müller - und, ganz rechts, mutmaßlich der Typ, der um fünf in der Früh in die Bar kam.(Foto: imago/DeFodi)

Sechs Lehren des 24. Spieltags: Der FC Bayern flirtet, Mainz kriegt die Frau

Von Stefan Giannakoulis & Tobias Nordmann

Der FSV Mainz düpiert den FC Bayern - und die Meisterschaft ist plötzlich spannend. Beim BVB jedenfalls wittern sie vor dem Ligagipfel ihre Chance - und Jürgen Klopp lacht sich kaputt. Claudio Pizarro feiert eine Tor-Show.

1. Der FC Bayern lässt sich abkochen

Jorge Sampaoli hat mal etwas sehr Schönes über Ballbesitzfußball gesagt. Der ehemalige Nationaltrainer Chiles hatte just mit seiner Mannschaft in der WM-Qualifikation mit 0:3 in Uruguay verloren - obwohl sein Team doch knapp Dreiviertel der Zeit den Ball besaß. Sampaoli erklärte dieses Phänomen mit einer kleinen Analogie: Er habe mit einer Frau in einer Bar gesessen. "Wir haben die ganze Nacht geredet, wir haben geflirtet, ich habe ihr etliche Drinks ausgegeben. Um fünf Uhr morgens kam ein Typ rein, fasste sie am Arm und führte sie auf die Toilette. Sie schliefen miteinander, sie ging mit ihm nach Hause." Aber, sagte Sampaoli, das sei ja kein Problem. "Ich hatte ja den größten Anteil an dieser Nacht."

Normalerweise ein Abräumer: Robert Lewandowski.
Normalerweise ein Abräumer: Robert Lewandowski.(Foto: imago/MIS)

Der FC Bayern hatte an diesem Mittwochabend knapp 80 Prozent Ballbesitz. Doch gewonnen hat der FSV Mainz, in München, mit 2:1. Es war am 24. Spieltag der Bundesliga die erste Heimniederlage für die Mannschaft von Trainer Josep Guardiola. Und der Mann, der das Titelrennen tatsächlich wieder ein wenig spannend gemacht hat, heißt Jhon Andres Cordoba Copete. Ihm gelang vier Minuten vor dem Ende der Partie das entscheidende Tor. Fünf Punkte Vorsprung hat der FC Bayern nun noch auf den BVB - und spielt am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Dortmund. Das heißt: Verlieren die Münchner wieder, sind es nur noch zwei Punkte auf die mit Abstand zweitbeste Mannschaft der Liga. Muss der FC Bayern sich Sorgen machen? Das wird sich weisen. Auffällig jedenfalls war, wie anfällig die Bayern bei den überfallartigen Gegenstößen der Mainzer waren. Das sah auch Arjen Robben so, der nach einer guten Stunde den Ausgleich erzielt hatte. "Wir dürfen nicht solche Konter zulassen. Da müssen wir rigoroser sein." Auch das erste Tor der Gäste, das Jairo Samperio nach einer knappen halben Stunde erzielte, fällt in diese Kategorie. "Das war heute kein Wunder, Mainz hat es gut gemacht. Vielleicht hat bei uns der ein oder andere schon an das Spiel gegen Dortmund gedacht", kritisierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und Angreifer Robert Lewandowski befand: "Das war zu wenig heute, uns haben klare Aktionen gefehlt." In der Tat. Dabei ist er eigentlich der Mann, der am Ende abräumt.

2. Dortmunds Borussia lässt nicht locker

Jürgen Klopp hatte durchaus Spaß. Nachdem seine Mannschaft, der FC Liverpool, in der englischen Premier League mit 3:0 gegen Manchester City gewonnen hatte, Sprach der ehemalige Trainer der Dortmunder Borussia im Interview mit der BBC erst über diese Partie - und sagte dann: "Ich habe gehört, Bayern hat verloren." Er lachte herzhaft und grinste.

Klopp freut sich halt für seine alte Liebe, die ihrerseits beim lockeren 2:0 in Darmstadt nichts anbrennen ließ. "Wir haben das sehr fokussiert, sehr souverän gespielt", befand Klopps Nachfolger Thomas Tuchel. Und klar, auch beim BVB denken sie an das Spitzenspiel gegen den FC Bayern am Samstag. "Wir wollen alles daran setzen, den Vorsprung weiter zu verkürzen. Jetzt ist die Ausgangslage für uns natürlich besser", sagte Tuchel. "Der Ball liegt jetzt bei uns, und es liegt bei uns, den nächsten Schritt zu machen." Torschütze Erik Durm assistierte: "Wir wissen es, und die Bayern wissen es: Wenn wir am Samstag gewinnen, wird es nochmal eng. Wir freuen uns auf das Spiel. Und wir wollen das Ding gewinnen." Will meinen: Die Dortmunder wittern ihre Chance, die unentschlossenen Bayern an der Bar zu düpieren. Und die Liga hofft, dass es tatsächlich noch einmal spannend wird.

3. Claudio Pizarro kann es immer noch

'Hm, ob das was bringt?', hatten viele gedacht, als Claudio Pizarro vor dieser Saison nach einer schönen Zeit beim FC Bayern zurück zum SV Werder ging. Es war das dritte Mal nach 1999 und 2008, dass er nach Bremen wechselte. Und schließlich ist der Mann 37 Jahre alt. Für einen Fußballprofi bedeutet das meist, dass die beste Zeit hinter einem liegt. Für Pizarro, den ältesten Feldspieler der Liga, scheint das nicht zu gelten.

"Es ist für einen Stürmer immer wichtig, viele Tore zu schießen": Claudio Pizarro.
"Es ist für einen Stürmer immer wichtig, viele Tore zu schießen": Claudio Pizarro.(Foto: imago/DeFodi)

Beim 4:1 seiner Bremer in Leverkusen erzielte der Angreifer aus Peru drei Tore, es waren seine Saisontreffer acht, neun und zehn. So sorgte er dafür, dass seine Mannschaft nun immerhin auf dem 15. Tabellenplatz steht - mit sieben Punkten Vorsprung auf Hannover auf Rand 17, der am Ende der Saison den Abstieg in die zweite Liga bedeutet. Als Trainer Viktor Skripnik vier Minuten vor dem Abpfiff Pizarro nach seiner Tor-Show aus dem Spiel nahm, feierten die Fans ihn und sangen: "Pizarro, oh, oh." Und alle, wirklich alle, erhoben sich von der Ersatzbank, um ihren Helden abzuklatschen. Und Pizarro? Sagte hinterher: "Es ist für einen Stürmer immer wichtig, viele Tore zu schießen." Der Mann weiß, worauf es ankommt. Vielleicht wäre er ja mit dieser Gabe einer für den FC Bayern, dem ja gerade die Zielstrebigkeit etwas abgeht. Wenn einer der Typ ist, mit dem die Frau nach Hause geht, während der Depp an der Bar die Rechnung begleicht, dann doch dieser Claudio Pizarro.

4. Bayer 04 Leverkusen geht am Stock

Apropos Pizarro: Der erfolgreichste ausländische Spieler der Historie hat nach seinem Hattrick in Leverkusen nun 186 Treffer in der Bundesliga erzielt, 99 davon für Werder. Damit hat er in Bremens klubinterner Torjägerliste Rudi Völler überholt, der 97 Mal traf - und mittlerweile Sportchef des TSV Bayer 04 ist. Sieben Punkte liegen die von vielen Verletzungen geplagten Leverkusener, die doch in der kommenden Saison so gerne wieder in der Champions League spielen würden, jetzt hinter der Berliner Hertha, die mit dem 2:0 gegen Frankfurt erfolgreich Platz drei verteidigte. Sieht nicht gut aus, Herr Völler, oder? "Nicht nur die Niederlage, die wir aushalten müssen, ist schwer, sondern auch das Gesamtpaket. Wir haben zum dritten Mal hintereinander in der Bundesliga verloren. Allerdings hatten wir, seit ich hier bin, noch nie so viele verletzte Spieler. Und heute ist noch Verteidiger Roberto Hilbert dazugekommen, der sicher lange mit einer Schulterverletzung ausfallen wird." Aber, sagte Völler: "Wir dürfen jedoch nicht in Selbstmitleid verfallen. Das wäre das Schlimmste. Wir müssen auch mit einer dezimierten Truppe am Samstag beim FC Augsburg gucken, dass wir punkten." Und beim übernächsten Spiel gegen den Hamburger SV am 13. März darf dann der gesperrte Trainer Roger Schmidt auch wieder auf der Bank sitzen.

5. Es geht auch ohne den ruhenden Ball

Seit November 2015 galten in der Bundesliga folgende Regeln: (1.) Verzichte darauf, einen Ingolstädter zu foulen und (2.) verhindere unter allen Umstände einen Eckball. Wer diese Regeln befolgte, der brauchte sich keine Sorgen zu machen, ein Tor gegen die Schanzer zu kassieren. Denn seit dem 14. Spieltag war es der Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl nicht mehr gelungen, den Ball aus dem Spiel heraus gewinnbringend zu verwerten. Das sind 938 Minuten, beziehungsweise entspricht der Laufzeit aller sieben "Star-Wars"-Filme. Die Regel galt bis Dienstagabend, bis zur 36. Minute im Spiel gegen den 1. FC Köln, als Lukas Hinterseer einen Spielzug über Pascal Groß und Danny da Costa veredelte. Dass der Neffe von Schlagerbarde Hansi auch noch einen Vereinsrekord - er erzielte sein drittes Tor im dritten Spiel in Folge - aufstellte, dürfte Hasenhüttl ziemlich egal gewesen sein. Der ärgerte sich darüber, dass "wir nicht so viele Standards hatten". Das übrigens ist ein Indiz dafür, dass die Ingolstädter gar nicht so eine schäbige Bande sind, wie von manch HSV-Profi behauptet. In Köln warf den Spielern des FCI diesmal jedenfalls niemand vor, "ekelhaft" zu sein, "rumzublöken" oder dauernd hinzufallen, um Freistöße zu schinden.

6. Es ist nicht alles schlecht auf Schalke

Geht doch, werden sie sich in Gelsenkirchen gedacht haben. Mit 3:2 hat der FC Schalke 04 den Hamburger SV besiegt - und prompt sind die Fans wieder versöhnt und die Teilnahme am Europapokal ist wieder in Reichweite. "Die Moral der Mannschaft war super. Wir haben uns durchgebissen. Wir können das jetzt kurz genießen und müssen dann weitermachen", kommentierte Torschütze Klaas Jan Huntelaar. Und Noch-Manager Horst Heldt beeilte sich zu sagen: "Wir führen intern keine Trainerdiskussion". André Breitenreiter mache einen sehr, sehr guten Job. Schließlich sei seine Verpflichtung "die Idee gewesen, etwas aufzubauen und nicht gleich wieder alles in den Senkel zu stellen". Heldt, der den Verein im Sommer verlässt und Platz für den Mainzer Christian Heidel macht, war sichtlich um gute Stimmung bemüht: "Es ist immer viel Gerede bei Schalke 04, in vielerlei Hinsicht braucht der Verein Ruhe, die ist aber oftmals nicht gegeben." Daher gelte: "Da kann ganz viel spekuliert werden, das ist mir jetzt alles auch ziemlich schnuppe, weil das für mich nicht mehr maßgebend ist. Ich führe keine Trainerdiskussion." Inwieweit da ein frommer Wunsch der Vater seiner Gedanken ist, sagte Heldt allerdings nicht.

Quelle: n-tv.de

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