Sport
Der erste Titel der Saison geht ins Ruhrgebiet.
Der erste Titel der Saison geht ins Ruhrgebiet.(Foto: AP)

Dank BVB: Die Liga wird spannend: Der FC Bayern kann ja doch verlieren

Von Christian Bartlau, Dortmund

Im ersten Pflichtspiel kassiert Bayerns Trainer Pep Guardiola die erste Niederlage - gegen den Erzrivalen aus Dortmund. Das muntere Spiel um den Supercup liefert Gründe, warum die Saison in der Fußball-Bundesliga interessant werden könnte.

Bor. Dortmund - FC Bayern 4:2 (1:0)

Tore: 1:0 Reus (6.), 1:1 Robben (54.), 2:1 van Buyten (56.,  Eigentor), 3:1 Gündogan (57.), 3:2 Robben (64.), 4:2 Reus (86.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (46. Kehl), Sahin - Blaszczykowski (72. Aubameyang),  Gündogan (88. Sokratis), Reus - Lewandowski
München: Starke - Lahm, Boateng, van Buyten, Alaba - Thiago -  Robben, Kroos (86. Dante), Müller, Shaqiri (67.  Schweinsteiger) - Mandzukic (75. Pizarro
Gelbe Karten: Boateng
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Drees

Am Ende kann er wahrscheinlich nicht einmal übers Wasser gehen: In seinem ersten Pflichtspiel als Trainer der Fußballer des FC Bayern München kassiert Pep Guardiola die erste Niederlage. Das personell noch weiter verstärkte Triple-Team verliert im Supercup mit 2:4 (0:1) in Dortmund. So schlecht war nicht einmal Jürgen Klinsmann gestartet, der gewann sein erstes Pflichtspiel 2008 im DFB-Pokal in Erfurt mit 4:3.

Aber im Ernst: Noch ist Guardiolas Elf ein gutes Stück von der Klasse entfernt, die ihnen einige Beobachter den Bayern angesichts der guten Vorbereitung wohl etwas voreilig zugesprochen haben.

Also doch keine totale Dominanz der Bayern? Behält am Ende der Lautsprecher a.D. Uli Hoeneß recht? Der sagte vor einigen Tagen: "So einseitig, wie viele befürchten, wird die Saison nicht." Nach diesem unterhaltsamen Abend in Dortmund sieht es jedenfalls danach aus. Zwei Gründe konnte man im Westfalenstadion sehen: die Dortmunder Stärke und die Baustellen der Bayern.

Die Baustellen der Bayern

Das Mittelfeld: Sicher, noch immer fehlen Javier Martinez und Mario Götze. Franck Ribéry musste gegen den BVB verletzt passen, Bastian Schweinsteiger, seit heute Fußballer des Jahres, ist noch nicht topfit, und wurde nur eingewechselt. Aber die Systemumstellung auf nur einen zentralen defensiven Mittelfeldspieler klappt noch nicht, unabhängig vom Personal. Gerade die mangelnde Abstimmung zwischen Kroos und Thiago ließ den Dortmundern oft zu viel Raum. Im Spiel nach vorn enttäuschte vor allem Shaqiri, der das Spiel zu oft langsam und die Räume eng machte.

(Foto: REUTERS)

Die Innenverteidigung: Auch hier gilt es, Milde walten zu lassen. Dante ist noch nicht hundertprozentig fit, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er ein Duo mit Javier Martinez bildet. Das Innenverteidigerpaar Jerome Boateng und Daniel van Buyten, wäre dann nur zweite Wahl. In Dortmund wurde ersichtlich, warum: van Buyten köpfte nicht nur unbedrängt ins eigene Tor, sondern ließ sich auch noch im Strafraum von Reus tunneln, Boateng verlor zu viele Duelle gegen Lewandowski. Gerade im Vergleich mit Subotic und Hummels war das Stellungsspiel der beiden nicht immer erstklassig.

Torhüter Nummer zwei: Eine Sperre, Magenbeschwerden, oder wie in Manuel Neuers Fall muskuläre Probleme – Stammtorhüter fallen manchmal spontaner und länger aus, als Trainern lieb sein kann. Wäre es um einen wichtigen Pokal gegangen, Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt hätte sicher die passende Spritze parat gehabt, und Manuel Neuer wäre aufgelaufen. Aber der Auftritt von Tom Starke im Münchner Tor weckt leise Zweifel, ob die Bayern auch ein wichtiges Spiel in der Champions League mit dem Keeper bestreiten sollten. Nicht nur, dass er vor dem 1:0 patzte, was passieren kann. Aber wenn Starke von den Abwehrspielern angespielt wurde, lag stets Gefahr in der Luft. Oder, um es mit den Worten von BVB-Spieler Nuri Sahin zu sagen: "Tom Starke hat auch immer versucht, Fußball zu spielen."

Die Stärken des BVB

Das Team: Im Supercup lief fast dieselbe Elf auf wie 63 Tage zuvor in Wembley im Champions-League-Finale. Weil Lukas Pisczek verletzt fehlte, rückte Nuri Sahin in die Startelf. Nach dem Spiel zeigte der sich sehr zufrieden mit der Mannschaftsleistung: "Wir haben es den Bayern sehr schwer gemacht, haben immer gut verschoben." Und tatsächlich sah man dem BVB über weite Strecken an, wie gut das Team die Pressing-Strategie von Trainer Jürgen Klopp verinnerlicht hat.

Ilkay Gündogan: Aus der geschlossenen Mannschaftsleistung ragte einer heraus – Ilkay Gündogan. Jürgen Klopp ließ ihn sehr weit vorne, fast als Spielmacher, agieren. Dort war Gündogan stets anspielbar, immer wieder initiierte er Offensivaktionen, ohne dass die Bayern einen Zugriff auf ihn bekommen konnten. Nach Robbens 1:1 schaltete Gündogan sofort den Turbo an, flankte zum Eigentor und markierte eine Minute später nach einem Solo das 3:1 selbst.

Die Gier: Ein Jahr lang keinen Titel geholt, ein Jahr lang nicht gegen die Bayern gewonnen - das ist den Dortmundern mittlerweile zu wenig. "Es war wichtig, mal wieder gegen die Bayern zu gewinnen", sagte Kapitän Sebastian Kehl. Mittelfeldkollege Nuri Sahin meinte zufrieden: "Jetzt kann die Saison kommen." Und da sollen noch mehr Titel her, ließ Torhüter Roman Weidenfeller durchblicken. "Klar haben wir uns gefreut, es ist ja auch ein sehr schöner Pokal - ein Lob dafür an die DFL. Aber ich hätte lieber vor acht Wochen in London gewonnen."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen