Bundesliga verrückt - oder einfach gut?Der Fußballgott in Partylaune
Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich. Nur Peter Neururer hat eine Erklärung für die seltsamen Ergebnisse des Bundesligawochenendes: Die Liga ist einfach die beste der Welt, sagt er.
Lautern schlägt Bayern, Hannover gewinnt auf Schalke, Gladbach schießt sechs Tore in Leverkusen. Der zweite Spieltag der Fußballbundesliga hatte es in sich. Noch nie gab es an einem Wochenende mehr Auswärtssiege, in keiner Spielzeit war der Toreschnitt am Ende so hoch wie an den ersten beiden Spieltagen dieser Saison. 67 Treffer lieferten die Spieler den Zuschauern innerhalb von zehn Tagen.
Besonders auffällig ist dabei, dass viele Außenseiter ihre Spiele gewannen. Sechs Mannschaften, die beim Wettanbieter bwin die Quotenunderdogs waren, schlugen ihre favorisierten Gegner. Die Bundesliga spielt verrückt, der Fußballgott ist in Partylaune. Oder doch nicht?
Peter Neururer, langjähriger Bundeligatrainer, vertritt im Interview mit bundesliga.de eine etwas andere These. "Die Bundesliga ist die stärkste Liga der Welt, es ist so", sagte Neuruhrer. Vor allem die Leistungsdichte sei in der Bundesliga höher als in anderen Ländern, sogar die Premier League käme dagegen nicht an. "Von den spielerischen Möglichkeiten im unteren Bereich der Liga sind wir höher anzusiedeln."
Kleine Mannschaften spielen groß auf
Auch wenn die Aussagekraft der Tabelle nach dem zweiten Spieltag noch sehr begrenzt ist, bisher gibt sie Neururer recht. Auf den internationalen Plätzen - falls man zu diesem Zeitpunkt überhaupt davon sprechen darf - stehen derzeit mit Kaiserslautern, Mainz und Hannover drei Mannschaften, die als Abstiegskandidaten gelten. Auf den Plätzen 12 bis 18 befinden sich die Bayern, der VfL Wolsburg, Schalke 04 und Stuttgart.
Doch nicht nur die nackten Zahlen überraschen. Die kleinen Mannschaften spielen groß auf. Schon seit Jahren sagen die Fußballweisen, dass in der Bundesliga jeder jeden schlagen könne. Das stimmt zwar, gelingt aber meistens nur durch Mauertaktik, vereinzelte Konter und Standardsituationen - die am Ende für ein 1:0 reichen. An diesem Wochenende war es etwas anders. Alleine Gladbach, Mainz und Hannover schossen bei ihren Auswärtsspielen gegen Leverkusen, Wolfsburg und Schalke insgesamt zwölf Tore und zeigten dabei neben einem unbändigen Willen auch Kreativität, Mut und Abschlussstärke.
Vor allem die Mainzer sind ein gutes Beispiel dafür, wie man mit einem geringen Etat viel erreichen kann. Mit Trainerneuling Thomas Tuchel belegten sie im vergangenen Jahr Platz neun, jetzt stehen sie mit sechs Punkten aus zwei Spielen wieder gut da - und das, obwohl ihr Toptorjäger der letzten Saison, Aristide Bancé, den Verein in Richtung Dubai verließ. Die Mainzer schaffen es immer wieder - auch vor ihrem Abstieg im Jahr 2007 - in der Bundesliga mit einer Mischung aus jungen talentierten und erfahrenen Spielern eine Einheit zu formen, die nicht nur aufgrund ihrer kämpferischen Stärke viele Spitzenmannschaften verzweifeln lässt.
Die Tabelle lügt nicht, aber sie täuscht
Während Topclubs wie Schalke sich noch darum bemühen, ihre teuren Einkäufe aus dem Ausland in ihr Team zu integrieren, wirken die Mainzer schon wie eine gefestigte und eingespielte Mannschaft. Statt einem Raúl, der nun zum ersten Mal in seinem Leben nicht für das königliche Real Madrid, sondern für die Königsblauen aus dem Ruhrpott spielt, hat man es in Mainz mit Spielern zu tun, die auch nach einem 3:0-Rückstand noch um jeden Ball laufen.
Insofern ist die derzeitige Tabelle ein guter Anlass, um auf eine Binsenweisheit hinzuweisen: Eine Mannschaft ist mehr als die Summe ihrer Einzelspieler. Die Bundesliga ist stark, weil viele Mannschaften ihre geringen finanziellen Mittel durch gute Jugendarbeit, ein kluges Management und charismatische Trainer ausgleichen und so den finanzstarken Vereinen Paroli bieten und sie manchmal sogar überflügeln. Allerdings sollte man zum jetzigen Zeitpunkt noch vorsichtig sein: am zweiten Spieltag der letzten Saison stand Hertha BSC Berlin vor dem FC Bayern. Am Ende aber - die Geschichte ist bekannt.