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Gianni Infantino bedankt sich.
Gianni Infantino bedankt sich.(Foto: dpa)

Infantino verhindert den Scheich: Der Geldbeschaffer soll die Fifa retten

Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis, Zürich

Was das Beste an Gianni Infantinos Wahl zum Präsidenten der Fifa ist? Dass es Scheich Salman nicht geschafft hat. Der Schweizer repräsentiert ein System, in dem es darum geht, möglichst viel Geld zu scheffeln.

Wer wissen will, warum der neue Präsident der Fifa Gianni Infantino heißt, der sei daran erinnert, was der Schweizer gesagt hat, bevor er gewählt wurde. Er hat zunächst das gesagt, was ein Kandidat gemeinhin sagt - von wegen alle zusammenhalten und nach vorne schauen: "Wir haben so viel über Korruption, Gerichte, Polizei, Tribunale geredet. Wir müssen wieder mehr über Fußball sprechen." Das war durchaus das, was die meisten der Delegierten aus den 209 Mitgliedsländern des Fußballweltverbandes hören wollten. Aber nur einmal haben sie ihm beim Wahlkongress am Freitag im Züricher Hallenstadion laut applaudiert. Da sagte er: "Das Geld ist nicht das Geld der Fifa. Und auch nicht das des Präsidenten. Es ist Ihr Geld."

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In der Zeit von 2011 bis 2014 hat der Verband einen Gewinn von exakt 313,4 Millionen Euro gemacht. Im vergangenen Jahr allerdings gab es erstmals einen Verlust zu verzeichnen. Die Skandale kosten. Wieviel genau, erfährt die Öffentlichkeit beim Kongress der Fifa Mitte Mai in Mexiko. Markus Kattner, geschäftsführender Generalsekretär, bezifferte das erwartete Defizit für die Zeit von 2015 bis 2018 auf 504 Millionen Euro. Für Infantino war das eine Vorlage, er weiß, worum es den Fußballfunktionären geht - und wie er die Kameraden auf seine Seite zieht. Also präsentierte er sich als Geldbeschaffer und warb damit, dass er in den vergangenen sieben Jahren als Generalsekretär der Uefa die Einnahmen verdreifacht habe.

Der Scheich wäre ein Fiasko gewesen

Und nun? Soll Infantino, der Bürokrat, der Mann des Systems, der Verlegenheitskandidat, der für den gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini eingesprungen ist, den Weltverband in eine bessere Zukunft führen? Zur Erinnerung: Die Fifa steht für all das, was im kommerzialisierten Sport falsch läuft. Der Selbstbereicherungsladen für alte Männer namens Fifa steht am Rand des Abgrunds und im Visier der Strafverfolger; es geht um Korruption, Kumpanei und verschobene WM-Turniere. Infantino soll nun das Reformpaket umsetzen, das die 207 stimmberechtigen Verbände - Indonesien und Kuwait waren zwar vertreten, aber gesperrt - mit dem Rücken zur Wand und fast 90 Prozent der Stimmen beschlossen haben? Ein Vorhaben, dessen Umsetzung die theoretische Chance auf so etwas wie Läuterung beinhaltet.

Vorsichtig formuliert spricht wenig dafür, dass Infantino der ideale Mann ist. Aber der stand ohnehin nicht zur Wahl. Und so muss es nun der richten, der im Frühjahr 2012 zusammen mit seinem Chef Platini die Reformen in der Fifa noch torpediert hat. Aber wie könnte es auch anders sein? Zur Wahl zugelassen war nur, wer mindestens zwei der vergangenen fünf Jahre als Funktionär im Fußball verbracht hat. Das ist die alte Krux mit den Funktionseliten, die in allen gesellschaftlichen Bereichen stets zu großen Teilen Zäsuren und vermeintliche Neubeginne überstehen, weil sie mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung gebraucht werden.

Das heißt im Umkehrschluss: Das Beste an der Wahl Infantinos ist, dass es Scheich Salman Bin Ibrahim Al-Khalifa aus Bahrain nicht geworden ist. Der steht unter dem Verdacht, in seiner Heimat daran beteiligt gewesen zu sein, im Arabischen Frühling 2011 Sportler denunziert und der Folter übergeben zu haben. Er hat sich nie davon distanziert, dass die diktatorisch herrschende Königsfamilie, der er angehört, den Aufstand blutig niedergeschlagen hat. Der Scheich spricht lediglich von einer politisch motivierten Kampagne gegen ihn, alles sei erstunken und erlogen. Seine Wahl wäre ein Skandal gewesen, das immerhin hat die Fifa vermieden. Mit Salman als Präsidenten hätte ihr unter Umständen ein Debakel gedroht, schlimmstenfalls die Zerschlagung des Verbandes. Für den Fußball allerdings wäre das in letzter Konsequenz nicht die schlechteste Lösung gewesen.

Quelle: n-tv.de

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