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Corentin Tolisso erzielte in seinem ersten Bundesliga-Spiel das 2:0 für die Münchner.
Corentin Tolisso erzielte in seinem ersten Bundesliga-Spiel das 2:0 für die Münchner.(Foto: imago/Pressefoto Baumann)
Freitag, 18. August 2017

Spielfreude schlägt naiven Mut: Der neue FC Bayern wackelt souverän

Von Tobias Nordmann, München

Spielstark, zielstrebig und bissig sendet Fußballmeister FC Bayern zum Saisonstart für 45 Minuten das Signal an die Liga: Macht's euch auf den Boreout gefasst. Daran können weder starke Leverkusener noch eine zwischenzeitliche Unwetterhölle über München etwas ändern.

Asien-Desaster, Audi-Cup-Debakel – ach, komm. Vorbereitung ist Vorbereitung. Und so dümmlich der FC Bayern da phasenweise auch durchgeeiert ist, so meisterlich präsentierten sich die Münchener zum Auftakt der 55. Bundesliga-Saison in der mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Arena - zumindest für 45 Minuten. Spielstark, variabel, bissig und konzentriert sendete der Titelverteidiger in der Fröttmaniger Unwetterhölle vor allem in Halbzeit eins ein wirkungsstarkes Signal an die Liga-Konkurrenz: "Träumt's weiter vom Titel. Mia san mia – e basta!"

Zwischenzeitlich herrschte in München landunter.
Zwischenzeitlich herrschte in München landunter.(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Die erste sanfte Watsch'n auf dem Weg zur sechsten Meisterschaft in Serie verteilte das Team von Coach Carlo Ancelotti an ein mutiges, aber teilweise im Abschluss slapstickendes Bayer Leverkusen. Mit 3:1 (2:0) beruhigte der FCB dank Toren der beiden Neuzugänge Niklas Süle (9.), Corentin Tolisso (19.) und Robert Lewandowski (52./FE) sowie dem strammen Gegentreffer von Admir Mehmedi (65.) die eigene Seele und verhagelte das Liga-Debüt von Leverkusens Coach Heiko Herrlich.

Weiter ungeschlagen zum Auftakt

Es war ein Abend der schönen und schmeichelnden Statistik für die Bayern. Zum zehnten Mal durften sie als amtierender Deutscher Meister an einem Freitagabend die Saison offiziell eröffnen. Und zum zehnten Mal blieben sie dabei ohne Niederlage. Den kleinen Makel aus dem Jahr 2008, als sie, Obacht, gegen den Hamburger SV nur 2:2 spielten, lächeln sie in Fröttmaning gerne weg.

Können sie freilich auch, wirkt ja schließlich wie aus einer anderen, unglaublichen Zeit. Die hat offenbar auch Thomas Müller hinter sich gelassen. Nach einem Jahr, in dem er bald im Wochentakt niedergeschrieben wurde, gehört der Weltmeister zu den Gewinnern der Bayern-Vorbereitung, durfte seine Mannschaft gegen Bayer als Kapitän aufs Feld führen. Machte das zum fünften Mal – und blieb zum fünften Mal ungeschlagen.

Im von Coach Carlo Ancelotti verordneten 4-3-3-System wuselte sich der Weltmeister durch alle Positionen in der vordersten Reihe. Und auch wenn er nicht an den Toren beteiligt war und ihm einige Fehlpässe unterliefen, führte er sein Team mit Energie und großer Leidenschaft, ehe er in der 60. Minute unter Ovationen gegen Arjen Robben ausgetauscht wurde - mit demonstrativ zur Schau gestelltem Handschlag von Ancelotti, der Müllerthomas in vergangenen Saison phasenweise gründlich den Spaß am Rummüllern genommen hatte.

Neue Saison, neue Spielfreude

Zum Auftakt nun aber war die Freude bei ihm wieder da. Wie bei fast allen Bayern. Nach einem ersten zünftigen Warnschuss vom auffällligen Tolisso (5.), legte Bayers Abräumer Dominik Kohr den launigen Franck Ribéry. Freistoß Sebastian Rudy, Tor Niklas Süle. Ein bisschen zu früh für die musikalische Abteilung in der Arena, die den Torsong deutlich verspätet einspielte.

Besser klappte die Abstimmung zwischen Abschluss und Abfeiern in Minute 19. Wieder ein Standard für die Bayern, diesmal landete der Ball über den Umweg Arturo Vidal bei Tolisso, der hielt das Köpfchen hin, 2:0. Leverkusen lag deutlich zurück und wusste eigentlich gar nicht so genau warum, denn schlecht im Spiel waren sie nicht. Über ganz schnelle, sehenswerte Kombinationen gab's richtig gute Gelegenheiten. In Minute elf zum Beispiel, als Karim Bellarabi zum ersten Mal Mehmedi schickte. Der stellte Keeper Sven Ulreich vor eine schwierige, aber noch lösbare Aufgabe.

Ulreich rettet Bayerns Wackelabwehr

Nicht ganz so gut wie der beeindruckend starke Vertreter des immer noch nicht wieder fitten Manuel Neuer machte sich die Abwehr der Bayern. Mit dem schnellen Spiel der Herrlich-Elf in die Tiefe hatte die Münchener Kette um Mats Hummels, Süle und David Alaba immer wieder Probleme. Einzig der von Philipp Lahm'scher Ruhe beseelte Joshua Kimmich war voll auf Zug unterwegs. Weil indes die eigene Sturmreihe um Käpt`n Müller ebenfalls gefällig und schnell kombinierte, durch ein spektakuläres Passspiel in Minute 24 beinahe auf 3:0 durch Tolisso (an den Pfosten) stellte, traute sich Leverkusen zu selten mutig nach vorne – bis zum wegen des Unwetters um knapp 15 Minuten nach hinten verlegten Seitenwechsels.

Vom Frust gekitzelt, wildwillig und mit dem von München umworbenen Julian Brandt ging's nun in Eiltempo und Akkord Richtung Ulreich-Gehäuse, belohnt wurden die Bayer-Burschen aber erst nach 65 Minuten, als Mehmedi mit aller Wut den Ball aus 14 Metern in den Winkel hämmerte. Dass das Tor mehr Ergebnisschmuck als Bayern-Angstmacher bedeutete, lag an zwei Dingen: Zum einen am 13 Minuten zuvor verwandelten Foulelfmeter von Lewandowski und zum anderen an der fürchterlichen Harmlosigkeit im eigenen Abschluss. Denn weder Brandt, gleich mehrfach, und auch nicht Kohr konnten beste Möglichkeiten nutzen.

Die Bayern fanden ebenfalls zunehmend Gefallen an der Fahrlässigkeit, spielten zwar weiter schnell, aber nun auch herrlich uneffektiv. Lewandowski und Robben ließen beste Chancen aus. Dem Abend der schönen Statistik schadete das nicht. Gab ja schließlich noch ein Schmankerl: Vor ziemlich genau zehn Jahren, am 11. August 2007, trafen im ersten Bundesliga-Spiel von Franck Ribéry zuletzt zwei Neuzugänge für den FC Bayern. Der Franzose war zwar nicht dabei, dafür die verdienten Torjäger Luca Toni und Miro Klose. Die Münchener wurden Meister, mit zehn Punkten Vorsprung auf, nochmal Obacht, Bremen, dahinter landeten Schalke und der HSV. Ein schönes Deja-vu deutet sich da an. Wen interessiert da noch Asien-Desaster, Audi-Cup-Debakel oder Wackel-Abwehr.

Quelle: n-tv.de

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