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Alessandro Schöpf ist dem ehemaligen Gladbacher Amin Younes haushoch unterlegen. Nur eines der vielen Duelle, das die Schalker gegen Ajax Amsterdam verlieren.
Alessandro Schöpf ist dem ehemaligen Gladbacher Amin Younes haushoch unterlegen. Nur eines der vielen Duelle, das die Schalker gegen Ajax Amsterdam verlieren.(Foto: dpa)
Freitag, 14. April 2017

Dann lieber Bob Marley hören: Desolate Schalker ergeben sich Ajax

Von Stefan Giannakoulis, Amsterdam

Alle Szenen aufzuzählen, in denen die Schalker in Amsterdam überfordert sind, würde ein Buch füllen. Das Problem: Sie wissen nicht, woran es liegt. Aber zum Glück hat Manager Christian Heidel eine Idee.

Dass die Schalker sich verschätzt hatten, zeigte sich schon vor dem Anpfiff. Kapitän Benedikt Höwedes hatte auf die Reiselust der Fans aus Gelsenkirchen gesetzt und in der Euphorie vor diesem Viertelfinale der Fußball-Europaliga auf so etwas wie ein Heimspiel in Amsterdam gehofft. Letztlich hatten geschätzte 2500 von ihnen eine Karte ergattert. Aber bei insgesamt 54.033 Zuschauern in der ausverkauften Arena fällt das nun einmal nicht ins Gewicht. Vor allem nicht, wenn sie für solch eine grandiose Stimmung sorgen wie die Anhänger des Amsterdamsche Football Club. Die verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, Fähnchen zu schwingen, zu schunkeln, Lieder zu singen - und ihr Team leidenschaftlich anzufeuern. Was Fußballfans halt so machen. Bloß wenn es so viele sind, sie das die ganze Zeit machen und dabei auch noch so laut sind, dann ist das schon etwas Besonderes.

Ein Satz mit X - Manager Christian Heidel wäre wohl am liebsten gar nicht erst nach Amsterdam gefahren.
Ein Satz mit X - Manager Christian Heidel wäre wohl am liebsten gar nicht erst nach Amsterdam gefahren.(Foto: imago/MIS)

Und zu diesem für Ajax so wunderbaren Donnerstagabend passte es dann auch, dass sie zwischen den Halbzeiten Bob Marleys "Three little birds" intonierten: "Don't worry about a thing, 'cause every little thing gonna be all right!" Was jetzt auf die Schalker nicht unbedingt passte. Das Beste war noch, dass sie am Ende nur mit 0:2 (0:1) verloren, auch wenn es sich wie ein 0:5 anfühlte. Ansonsten müssen sie sich über eine ganze Menge Dinge Sorgen machen. Denn egal was: Überhaupt nichts war gut. Höwedes formulierte die indiskutable Leistung seiner Mannschaft hinterher so: "Was wir heute an den Tag gelegt haben, war dem Ganzen nicht würdig. Da müssen wir anders auftreten." Sind sie aber nicht. "Wir waren heute deutlich unterlegen, was mich ärgert, weil wir uns das selbst eingebrockt haben."

Ihr großes Problem ist, dass sie nicht annähernd zu wissen scheinen, warum sie so chancenlos waren. In der Tat mutet es rätselhaft an, warum sich die Schalker so ohne Plan und Leidenschaft ihrem Schicksal ergaben. Trainer Markus Weinzierl lieferte noch die beste Analyse, als er konstatierte: "Wir sind heute auf einen Gegner getroffen, der besser war." Das kann - nicht nur im Fußball - durchaus vorkommen. Und er machte den Eindruck, als befürchte er, dass könne in einer Woche ebenso sein. Mehr als für eine Leistungssteigerung im Rückspiel zu plädieren, fiel ihm nach der Partie auf die Schnelle auch nicht ein. Immerhin hat er jetzt ein wenig Zeit, einen Plan zu schmieden, wie sich seine Spieler dem extremen Pressing der Amsterdamer erwehren können, bei denen, das nur am Rande, der ehemalige Schalker und deutsche Nationalspieler Heiko Westermann nicht einmal im Kader war.

Leistungssteigerung? Prima Idee

Jetzt alle Szenen aufzuzählen, in denen die Schalker überfordert waren, würde ein ganzes Buch füllen. Daher nur ein Beispiel. Allesandro Schöpf hatte just den ehemaligen Gladbacher Amin Younes im Strafraum gefoult und Ajax' Kapitän Davy Klaassen nach 23 Minuten per Elfmeter das erste seiner beiden Tore erzielt, als die Gäste im Mittelkreis beim Anstoß den Ball hatten. Doch selbst da kamen sie gar nicht dazu, das Spiel einigermaßen geordnet aufzubauen. Amsterdams Bertrand Traoré, mit seinen 21 Jahren bereits ein technisch enorm versierter Mittelstürmer, und zwei seiner Kollegen gingen sofort auf die Gelsenkirchener und den Ball los, sodass der letztlich bei Torhüter Ralf Fährmann landete.

Überhaupt zelebrierte die junge Ajax-Mannschaft einen Fußball, dass es eine Freude war. Und bereits nach der ersten Viertelstunde gehörte nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, das dieses Team durchaus in der Lage ist, sich an einem besonders guten Tag, angetrieben von den Fans, in einen Rausch zu spielen. Wohin das führen kann, weiß niemand. Und schließlich haben sie auch nur gegen Schalke gewonnen. Aber dieser Talentschuppen ist ein großes Versprechen auf die Zukunft, als da sind: Torwart André Onana aus Kamerun, 21 Jahre alt; die Niederländer Joël Veltman, 24, Nick Viergever, 27, Daley Sinkgraven, 21, und der Kolumbianer Davinson Sánchez, 20 Jahre alt. Für Sinkgraven wechselte Trainer Peter Bosz in der Halbzeit Matthijs de Ligt ein. Der ist 17 und niederländischer Nationalspieler. Im Mittelfeld ragte der 19-jährige Donny van de Beek heraus, Kapitän Klaassen hatten wir erwähnt, Hakim Ziyech aus Marokko ist ebenfalls 24 Jahre alt. Justin Kluivert auf der auf der rechten Angriffsseite ist 17, Younes, der für die deutsche U21 spielte, 23 Jahre alt.

Dagegen sahen die Schalker, dieser Kalauer sei erlaubt, ganz schön alt aus. Thilo Kehrer, auch erst 20, und besagter Schöpf, der den Strafstoß verursachte, bekamen Younes überhaupt nicht in den Griff. Gegen Ende der ersten Halbzeit umdribbelte er Kehrer derart furios, dass der Schalker ins Straucheln geriet und schließlich auf dem Rasen landete. Und die Stadionregie zeigte netterweise diese Szene auf den beiden großen Videoleinwänden dann gleich insgesamt dreimal. Es war ein gebrauchter Abend für die Gelsenkirchener. Nur, wie geht es jetzt weiter? Manager Christian Heidel hat da eine Idee: "Wir müssen im Rückspiel alles besser machen. Dann haben wir eine Chance." Every little thing gonna be all right?

Quelle: n-tv.de

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