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Arjen Robben zeigte keinen Hauch von Verunsicherung.
Arjen Robben zeigte keinen Hauch von Verunsicherung.(Foto: imago/Revierfoto)

"Osterhasen" dominieren BVB: Die Bayern-Bestie ist weiter hungrig

Von Felix Meininghaus, Dortmund

Für den FC Bayern ist es ein gefühlter Sieg in Dortmund. Der Ligaprimus dominiert in der zweiten Halbzeit. Das lässt nur einen Schluss zu: Der Rekordmeister wird wohl am Ende dieser Saison die Schale in den Händen halten.

Als Thomas Tuchel und Josep Guardiola den Presseraum des Dortmunder Stadions betraten, gingen sie eng beieinander und waren in ein inniges Gespräch vertieft. Diese beiden Trainer, das ist bekannt, verbindet mehr als ein rein kollegiales Verhältnis. Sie sind sich freundschaftlich und in großem gegenseitigem Respekt zugetan, seit Tuchel den Spanier während seines Sabbaticals besuchte, um mit dem erfolgreichsten Protagonisten der Branche über Fußball zu philosophieren und beim taktischen Exkurs Gläser auf dem Tisch hin und her zu schieben.

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Inzwischen sitzen sie als Gegner bei den beiden Vereinen auf der Bank, die im deutschen Vereinsfußball das Niveau bestimmen. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund haben sich diese Saison in der Tabelle gefühlte Lichtjahre von der Konkurrenz entfernt, aber auch der Abstand untereinander bleibt gewahrt. Das 0:0 in einem rassigen und voller Leidenschaft geführten Schlagabtausch zementiert das Kräfteverhältnis in ähnlicher Weise, als wären die Bayern in Dortmund als Gewinner vom Rasen gegangen. Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich auf der Tribüne begeistert und lobte das "irre Tempo und die unglaubliche Geschwindigkeit im Spiel. Auch technisch sind beide Mannschaften überragend. Es ist das beste Spiel, das ich in dieser Saison gesehen habe."

Guardiola: Nie besser als heute

De facto endete der Gipfel zwar mit einer Punkteteilung, doch der Branchenführer aus dem Süden durfte das torlose Remis ganz eindeutig als Punktsieg verbuchen. Nicht nur, weil der tabellarische Abstand von fünf Punkten gewahrt blieb, sondern auch, weil er vor allem in der dominant geführten zweiten Halbzeit die reifere, spielstärkere und willensstärkere Mannschaft präsentierte. Da wurde der Druck der Bayern so groß, dass die Dortmunder jede Menge Glück und Geschick benötigten, um nicht einzuknicken. Guardiola registrierte es mit großer Befriedigung, dass die westfälische Palastrevolution im Keim erstickt worden war. In den drei Jahren, seit er in München als Trainer arbeite, "haben wir hier zwei Mal gewonnen, aber besser kontrolliert als heute in der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel noch nie."

Abseits des Rasens sind Guardiola und Tuchel Freunde.
Abseits des Rasens sind Guardiola und Tuchel Freunde.(Foto: imago/Eibner)

Thomas Müller sah das ähnlich, nur dass er die Dinge in seiner unnachahmlichen Art ein bisschen anders formuliert: "Die Dortmunder haben viel probiert, aber sie haben nicht gegen Osterhasen gespielt, sondern gegen den FC Bayern." Er sei eigentlich "nicht der Typ, der mit einem 0:0 zufrieden ist, aber das Ergebnis ist akzeptabel". Eine Nullnummer als gefühlter Sieg, das mochte so gar nicht der Mentalität dieses Vereins entsprechen, der in Spanien als "La Bestia Negra" firmiert. Ein Monster, dessen Hunger erst gestillt ist, wenn der Gegner zur Strecke gebracht ist.

Doch bei dieser Ausgangslage dürfen sich die Münchener auch ohne Torerfolge auf die Schultern klopfen. Die Titeljagd, die nach der Heimniederlage gegen Mainz neu eröffnet schien, ist nur drei Tage später wieder beendet. "Wir haben größten Respekt vor Borussia Dortmund", sagt Sportdirektor Matthias Sammer, "aber wir haben alles selbst in der Hand."

Dominanz des Gegners offensichtlich

Tatsächlich offenbarten Robben, Lewandowski, Müller und Co. in Dortmund nicht einmal einen Hauch an Verunsicherung. Im Gegenteil: So gefestigt und von sich überzeugt tritt eine Mannschaft auf, die sich ihres Erfolgs sicher ist.

Vier Mal in Folge Meister, das hat selbst der große FC Bayern bislang nicht fertiggebracht. Die Trauer darüber, dies kaum verhindern zu können, hielt sich im Dortmunder Lager in Grenzen, weil die Dominanz des Gegners viel zu offensichtlich war, um mit dem Schicksal zu hadern oder gar Kampfansagen zu formulieren. Fünf Punkte in neun Spielen gegen einen Konkurrenten in dieser Verfassung aufzuholen, sei zwar nicht unmöglich, "aber es wird schwer genug", sagte Mitteldspieler Ilkay Gündogan.

Die Dortmunder werden sich wohl oder übel mit der Rolle des besten Zweiten der Bundesliga-Historie anfreunden müssen. Ein Schicksal, das erträglich erscheint, wie Tuchel betonte. Er sei "sehr glücklich" über den Auftritt seiner Mannschaft, "wir haben gelitten, aber nie den Biss, den Glauben und die Mentalität verloren". Als Dortmunds Trainer gefragt wurde, was dem BVB noch fehle, um den ewigen Widersacher nachhaltig und beeindrucken oder sogar in die Knie zu zwingen, hob er zu einer Eloge an: Nach dem Gewinn des Triples unter Jupp Heynckes sei dieser Verein mit Guardiola "noch hungriger, noch flexibler" geworden. Die Bayern als Vorbild, nicht nur spielerisch, sondern vor allem von der Mentalität: "Das ist die beste Mannschaft, das ist der Maßstab. Wir müssen weiter versuchen, die Grenzen zu verschieben."

Quelle: n-tv.de

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