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Für die richtige Einstellung wird Jürgen Klopp schon sorgen - aber die allein wird nicht reichen gegen Real Madrid.
Für die richtige Einstellung wird Jürgen Klopp schon sorgen - aber die allein wird nicht reichen gegen Real Madrid.(Foto: imago/Horstmüller)

BVB mit Minichance gegen Real: Die Mentalitätsmonster brauchen ein Wunder

Von Christoph Wolf, Dortmund

Mit einer schweren Hypothek gehen die Dortmunder Fußballer ins Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid: Ein 0:3 im Hinspiel, der Kapitän gesperrt, Stammspieler verletzt. Immerhin ist das Schreckgespenst wieder an Bord.

Dortmund - Madrid, 20.45 Uhr

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm - Jojic, Sahin - Großkreutz, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Ramos, Coentrao - Modric, Alonso, di Maria - Bale, Benzema, Ronaldo
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)

Real Madrid kommt nach Dortmund, und die Borussia geht am Stock. Nach der Hinspielklatsche im Bernabeu ist der verletzungsgeplagte BVB im Viertelfinal-Rückspiel klarer Außenseiter im Kampf um das Halbfinale der Champions League. Torjäger Robert Lewandowski spielt zwar wieder, dafür droht gegen Reals Angriffsmaschine im zentralen Mittelfeld der Komplettausfall der Ersatz-Doppelsechs. Hinweise, wie ein wundersames Comeback dennoch zu bewerkstelligen ist, kamen Coach Jürgen Klopp daher ungelegen. "Alle Ratschläge, dass wir nach fünf Minuten 1:0 führen müssten, sind nicht so sinnvoll", befand der Coach. Warum? "Weil wir dann noch 85 Minuten zu spielen haben."

90 Minuten Fußball, das ist den Dortmundern zuletzt schwergefallen. Im Hinspiel in Madrid stand der BVB in den ersten 45 Minuten völlig neben sich, ließ grundlegende Fußballtugenden wie konsequentes Zweikampfverhalten und taktische Disziplin im Defensivverhalten vermissen. Mit zwei unnötigen Gegentoren legte Dortmund schon vor der Pause die Basis für die ernüchternde 0:3-Niederlage im Bernabeu.

Sieg gegen Wölfe verleiht Hoffnung

Dortmund in besserem Lostopf

Borussia Dortmund wird bei der nächsten Gruppen-Auslosung der Champions League Ende August 2014 in Lostopf zwei vertreten sein. Insbesondere durch die Erfolge in den beiden vergangenen Jahren verbesserte sich der BVB in der Klubrangliste von Platz 119 auf 16. Bei der Auslosung des laufenden Wettbewerbs war der Vorjahresfinalist noch in Topf drei, ein Jahr zuvor in Topf vier eingruppiert.

Bei der Auslosung Ende August befinden sich die besten acht Mannschaften in Topf eins, die Klubs auf den Plätzen neun bis 16 in Topf zwei. Ihnen werden vermeintlich schwächere Mannschaften aus den Töpfen drei und vier zugelost.

Die herbe Pleite hat die Hoffnungen auf das erneute Erreichen des Halbfinales auf ein Minimum reduziert. Auf "drei Prozent" beziffert Abwehrchef Mats Hummels die Chancen. Mit jenem Wunder, das der BVB fürs Halbfinale gegen Real mindestens braucht, hat sich Klopp in der Vorbereitung nicht beschäftigt. Seines Wissens seien "noch nicht viele Wunder passiert, nachdem sie vorher angekündigt worden sind".

Klopp findet: "Die Herangehensweise an das Spiel ist nicht so schwer. Aufgrund des Ergebnisses müssen wir es gewinnen." Drei Dinge werden dabei entscheidend sein. Erstens: "Fehler in der Abwehr vermeiden." Zweitens: "Wir müssen, was wir beides in Madrid nicht gemacht haben, unsere Chancen nutzen." Drittens: "Leidenschaftlich spielen und alles geben - für uns und auch für die Fans."

Mit denen hat sich der BVB mit dem Kraftakt gegen Wolfsburg wieder versöhnt. Beim "Big Point" um die Champions-League-Qualifikation waren die zuvor matten Dortmunder im zweiten Durchgang vom eigenen Anhang nach vorn geschrien worden und brillierten als Mentalitäts-Monster. Das wichtige Wechselspiel zwischen Team und Fans, zuvor durch drei sieglose Heimspiele merklich gestört, es funktionierte wieder.

Lewandowski verspricht nichts

Reals Schreckgespenst: Robert Lewandowski.
Reals Schreckgespenst: Robert Lewandowski.(Foto: AP)

Alle Hoffnungen auf einen vielleicht historischen Abend gegen Real ruhen auf Robert Lewandowski. Der Torjäger, im Halbfinal-Hinspiel 2013 mit vier Toren der überragende Spieler, kehrt nach seiner Gelbsperre ins Sturmzentrum zurück. Eine Wiederholung seiner Heldentat aus dem Frühjahr 2013 wollte der künftige Bayern-Profi nicht in Aussicht stellen. "Zu sagen, ich schieße wieder vier Tore, ist ein bisschen verrückt. Aber wir werden Gas geben", kündigte Lewandowski an.

Genau das könnte gegen Real zum Problem werden. Während die "Königlichen" am Wochenende Superstar Cristiano Ronaldo schonten, standen gegen Wolfsburg alle verfügbaren BVB-Stars auf dem Rasen. Die Mannschaft der Dortmunder stellt sich aufgrund der Verletztenmisere alleine auf. Der BVB spielt seinen Vollgasfußball seit Monaten ohne Reservetank - und am Samstag geht es nach München zum FC Bayern.

Ronaldo fraglich

Ein personeller Lichtblick ist, dass Stammkeeper Roman Weidenfeller wohl wieder spielen kann. Dafür steht hinter der Dortmunder Doppelsechs gegen Real ein doppeltes Fragezeichen. Ilkay Gündogan und Sven Bender sind ohnehin dauerverletzt, Kapitän Sebastian Kehl muss eine Gelbsperre absitzen - und Nuri Sahin konnte am Montag wegen Rückenproblemen nicht trainieren.

Klopp drohen damit alle vier etatmäßigen Sechser auszufallen - und das gegen eine offensivstarke Mannschaft wie Real, in der auch 100-Millionen-Mann Gareth Bale immer stärker aufspielt. In seinen letzten 22 Champions-League-Auswärtsspielen hat Madrid immer getroffen. Allein Ronaldo kommt auf 14 Saisontore - zwei weniger als der gesamte BVB. Der torgefährliche Superstar droht zwar auszufallen, das letzte Training musste er abbrechen. Doch selbst ohne ihn bleibt Real eine Spitzenmannschaft, die zu allem fähig ist. Auf eine erneute Lehrstunde, diesmal im eigenen Stadion, hat Klopp keine Lust: "Wir müssen uns alles abverlangen. Wenn du das gegen Real nicht machst, kann es auch mehr als drei Stück geben. Das muss ich nicht haben."

Quelle: n-tv.de

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