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Guardiolas erstes Endspiel: FC Bayern fürchtet Juves Messer nicht

Von Stefan Giannakoulis, München

Fliegt der FC Bayern München heute Abend gegen Juventus Turin aus der Champions League? Könnte sein - sagt Trainer Josep Guardiola. Doch er weiß, auf wen er sich verlassen kann.

Worum geht's eigentlich?

Bei Spielen, in denen eine Mannschaft aus dem Wettbewerb ausscheidet, spricht Josep Guardiola gerne von Endspielen. Das ist ja so ganz falsch nicht. Wenn die Fußballer des FC Bayern heute (ab 20.45 Uhr im n-tv.de Liveticker) gegen den italienischen Meister Juventus Turin spielen, ist das zumindest zu einem Achtel ein Finale. Und es könnte am Ende Guardiolas letzte Partie in der Champions League mit den Münchnern gewesen sein. Nämlich dann, wenn sie das 2:2 aus dem Hinspiel noch aus der Hand geben. Der Trainer müsste also im für ihn schlechtesten Fall im Sommer zu Manchester City wechseln, ohne in seinen drei Jahren beim FC Bayern das ganz große Ziel erreicht zu haben.

Wie stehen die Vorzeichen?

FC Bayern - Juventus Turin, 20.45 Uhr

FC Bayern München: Neuer - Lahm, Kimmich, Benatia, Alaba - Vidal, Thiago - Coman, Müller, D. Costa - Lewandowski; Trainer: Guardiola.
Juventus Turin: Buffon - Lichtsteiner, Barzagli, Bonucci, Evra - Cuadrado, Khedira, Hernanes, Pogba - Morata, Mandzukic; Trainer: Allegri
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)
Stadion: Allianz-Arena, München

Dem Münchener Startrainer ist der Ernst der Lage durchaus bewusst. Nach dem 5:0-Erfolg des Bundesliga-Tabellenführers gegen den SV Werder Bremen am Samstag zögerte er bei der Frage, ob die Partie gegen die "alte Dame" aus Turin mit dem Aus in der europäischen Königsklasse enden könnte. Und sagte dann: "Vielleicht, ja." Das klang überraschend ehrlich, beinahe wirkte es so, als habe ihn dieser Gedanke selbst überrascht.

Gestern nun, bei der handelsüblichen Pressekonferenz, zeigte sich der Trainer besser präpariert: "Es ist ein Privileg, die Champions League aus nächster Nähe zu erleben. Sollten wir verlieren, würde es natürlich in den ersten Tagen schwer werden, aber wir wollen weiterkommen. Wir können nicht auf das Resultat achten. Wir müssen nicht nur angreifen, sondern auch gut verteidigen. Wir müssen einfach unsere Stärken und ihre Schwächen ausnutzen. Es wird sicherlich schwer, aber wir werden es versuchen zu schaffen. Daher bin ich nicht besorgt."

Wie ist der FC Bayern drauf?

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Das ist schwer zu sagen. Kein Maßstab jedenfalls ist der Kantersieg gegen willfährige Bremer. Jedes Trainingsspiel an der Säbener Straße dürfte Kapitän Philipp Lahm und seine Kollegen mehr fordern als dieser Kick, der mit echtem Wettkampf so viel zu tun hatte wie Mario Götze heute mit einem Platz in der Startelf. In der Woche zuvor hielt der FC Bayern mit einem 0:0 in Dortmund den BVB auf Distanz, und davor gab es mit dem 1:2 gegen den FSV Mainz die erste Heimniederlage in dieser Saison. Was sagt uns das? Für die Partie gegen Juventus eher nichts. Schon mit einem 0:0 oder einem 1:1 sind die Münchner im Viertelfinale.

Was bei den Bayern indes für ein bisschen Ruhe sorgen dürfte: Sie haben Robert Lewandowski und Thomas Müller, das seit langer Zeit erfolgreichste Angriffsduo der Bayern. 43 Tore haben sie in 26 Bundesligaspielen erzielt, 24 Mal traf Lewandowski, Müller 19 Mal. Und in sieben Partien in der Königsklasse gelangen ihnen zusammen 13 Treffer. Guardiola formuliert das so: "In der Abwehr sind wir vielleicht schlechter, im Angriff aber besser." Will meinen: In der Defensive fehlen noch immer die Verletzten Jérôme Boateng, Holger Badstuber und Javi Martinez. In der Offensive hingegen kann der Trainer über Qualität im Überfluss verfügen: Zwar fällt auch dort mit Arjen Robben (Erkältung) ein extrem wichtiger Mann aus, dafür sind Franck Ribéry, Douglas Costa und Kingsley Coman aber uneingeschränkt fit. Und Götze natürlich auch.

Worauf gründet Juventus seine Hoffnung?

Vor allem darauf, dass es den Turinern im Hinspiel gelungen war, trotz spielerischer Unterlegenheit, einer furiosen ersten Stunde des FC Bayern und einem 0:2-Rückstand zumindest noch auszugleichen. Das gelang, weil die Mannschaft von Trainer Antonio Conte gnadenlos die Schwächen in der mit den Aushilfskellnern David Alaba und Joshua Kimmich besetzen Innenverteidigung ausnutzte. Und so warnt Lewandowski: "Italienische Mannschaften verlieren nie den Kopf. Egal, was in der ersten Halbzeit passiert, Juve wird bis zum Ende eine klare Taktik spielen. Sie werden bis zum Ende kämpfen." Er ist sich da mit Guardiola einig, der sagt: "Juve bleibt eine starke, eine gefährliche Mannschaft mit großer Mentalität, die auf den einen Moment wartet."

Mit diesem Image können sie in Turin gut leben. Abwehrchef Leonardo Bonucci, der nicht nur böse aussieht, sondern auch so spielt, wird in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit den Worten zitiert: "Wir wissen, dass sie stark sind, aber sie haben auch ihre Schwächen, und bei diesen wollen wir sie packen." Dabei setzt der italienische Nationalspieler auf seinen Torwart und Kapitän Gianluigi Buffon, der in der Serie A seit 926 Minuten keinen Treffer mehr hinnehmen musste und nur noch drei Minuten von einem neuen Ligarekord entfernt ist. Und Bonucci ist ein erklärter Freund des nahezu bedingungslosen Einsatzes. Man müsse "mit dem Messer zwischen den Zähnen" gewinnen. Sie gehen das allerdings ohne drei ihrer Besten an: Verteidiger Giorgio Chiellini, der bereits im Hinspiel fehlte, ist immer noch nicht fit. Mittelfeldakteur Claudio Marchisio hat sich am Montag beim Üben eine Wadenzerrung zugezogen. Und Angreifer Paulo Dybala ist ebenfalls außer Gefecht, die linke Wade zwickt. Dafür soll Mario Mandzukic spielen. Der ehemalige Stürmer des FC Bayern kennt sich in München bestens aus. Und auch er weiß: Mindestens ein Tor braucht sein Team dort heute, soll es mit dem Viertelfinale klappen.

Quelle: n-tv.de

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