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So sollen die Gelder geflossen sein.
So sollen die Gelder geflossen sein.(Foto: twitter.com/rmathus)
Mittwoch, 27. Mai 2015

Über zwei Jahrzehnte Bestechungen: Fifa-Funktionäre gestehen und wehren sich

Von Roland Peters

US-Ermittlungsbehörden geben im Fifa-Skandal erste Details über die Bestechungspraktiken preis, die mehr als zwei Jahrzehnten auch mit US-Bankkonten ermöglicht wurden. In der Schweiz gestehen die festgenommenen Funktionäre des Weltfußballverbandes, widersetzen sich aber einer Auslieferung in die USA. Einer von ihnen hat womöglich besonderen Grund dazu.

Es geht um die Vergabe der großen internationalen Fußballturniere. Es geht also auch um Vermarktung - und viel Geld. Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl beim Fußball-Weltverband Fifa kommt es in Zürich zu einer Szene wie im Hollywoodfilm: Sieben hohe Funktionäre werden auf Betreiben des FBI festgenommen. Die in Zivil gekleideten Schweizer Beamten gehen ins noble Fünf-Sterne-Hotel "Baur au Lac", lassen sich an der Rezeption die Zimmerschlüssel geben und holen die Funktionäre aus ihren Zimmern. Auch die beiden Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb von den Kaimaninseln und Eugenio Figueredo aus Uruguay sind darunter.

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Stunden später geben die US-Behörden eine Pressekonferenz in New York. Wie wichtig das Thema genommen wird, lässt sich schon daran festmachen, wer vor Ort ist und sich zur Aktion äußert. Die US-Justizministerin Loretta Lynch etwa, die scharfe Kritik an den Festgenommen übt: "Sie haben dem Fußball großen Schaden zugefügt, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen und sich selbst zu bereichern."

Die US-Justizbehörde werde "diesen Praktiken und der Korruption ein Ende setzen und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen", sagt die frühere Oberstaatsanwältin für den Osten New Yorks. Ihr Nachfolger Kelly Currie kündigt danach an, dass die Festnahmen nicht das Ende, sondern der Anfang der Ermittlungen seien. Sechs der sieben Festgenommenen hätten bereits gestanden, so Lynch, darunter auch Jeffrey Webb.

Konkrete Beispiele

Concacaf-Chef Jeffrey Webb steckt wohl tief im Korruptionssumpf.
Concacaf-Chef Jeffrey Webb steckt wohl tief im Korruptionssumpf.(Foto: imago/Ulmer)

Insgesamt zwölf Anklagepunkte gebe es, darunter neun direkt in Bezug auf Turniervergaben. Auch Manager aus dem Sportmarketingbereich seien im Fokus der Ermittler. "Turniere wurden verkauft", sagt Lynch. Sie spricht von Belegen für illegale Aktivitäten, die bis ins Jahr 1991 zurückreichen. Die Ministerin erwähnt vor allem Funktionäre des nord-, mittelamerikanischen und karibischen Verbandes Concacaf, die ihre Ämter missbraucht und Bestechungsgelder im Tausch für Vermarktungsrechte angenommen hätten. Den Verbandschef Jeffrey Webb nennt sie explizit.

Lynch gibt auch ein konkretes Beispiel: Das südamerikanische Kontinentalturnier Copa América soll im Jahr 2016 erstmals in den USA stattfinden. Allein dafür seien Bestechungsgelder von 110 Millionen Dollar geflossen. Auch die Vergabe der WM nach Südafrika soll nicht sauber abgelaufen sein. Die Beteiligten würden nun zur Rechenschaft gezogen, ihnen drohen demnach bis zu zwölf Jahre Haft in den USA.

Der New Yorker Staatsanwalt Currie erklärt: "Diese Art der Korruption und der Bestechung im internationalen Fußball läuft seit zwei Jahrzehnten." Alle Angeklagten hätten das US-Finanzsystem für ihre Zwecke missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen. "Gemeinsam hatten alle die Gier nach Geld." Die Bestechungssummen seien über Mittelsmänner überwiesen worden und häufig durch das Bankensystem der USA geflossen. Je größer die Vermarktungssummen wurden, desto höher wurden auch die Bestechungsgelder. Die Ermittler prüfen demzufolge auch, ob die beteiligten Banken von den illegalen Aktivitäten wussten.

Sechs der sieben festgenommenen Funktionäre "widersetzen sich der Auslieferung an die USA", teilt das Schweizer Bundesamt für Justiz fast zeitgleich zur Pressekonferenz mit. Doch der Gang der Justiz wird dadurch wohl nur verzögert. Die Behörde will die USA nun auffordern, innerhalb der vorgesehenen Frist von 40 Tagen formelle Auslieferungsersuche an die Schweiz zu stellen. Dann geht das Auslieferungsverfahren einfach weiter.

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Quelle: n-tv.de

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