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(Foto: imago/Eibner)
Samstag, 10. Dezember 2016

"Aktion gegen Wagner war Wahnsinn": Frankfurter "Chaos-Spiel" erbost Hoffenheim

Eine nicht geahndete Tätlichkeit, eine fragwürdige Rote Karte, der Vorwurf der Körperverletzung für einen Ellbogenschlag mit "95 km/h": Die Nullnummer zwischen Frankfurt und 1899 Hoffenheim sorgt für hitzige Diskussion und Vorwürfe.

Tore fielen nicht zwischen Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim. Dennoch sorgte das "Chaos-Spiel" (Frankfurts Keeper Lukas Hradecky) für erhöhten Gesprächsbedarf. "Emotionen gehören dazu. Essen ohne Salz schmeißt man ja auch weg", beschwichtigte Eintracht-Coach Niko Kovac zwar, nachdem er direkt nach Abpfiff an der Seitenlinie noch mit Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann aneinandergeraten war.

Ein bitterer Nachgeschmack blieb dennoch bei allen Beteiligten. "Ich bin ein Stück weit traurig über die Qualität des Spiels", fasste Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen die hitzigen 90 Minuten zusammen, nach denen kaum über Fußball geredet wurde. Diskutiert wurde nach dem Schlusspfiff vor allem über die Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Christian Dingert, aber auch über Moral und Anstand im Profifußball.

Eintracht-Trainer Kovac nahm das Erlebte erneut zum Anlass für eine Generalkritik an der seiner Meinung nach kleinlichen Pfeiferei in der Bundesliga. "Man muss ganz klar die Schiedsrichter schulen und zeigen, wie es international geht", forderte Kovac. Man müsse abstellen, dass "sich Spieler hinwerfen und billige Fouls kriegen, dass Pippi-Geschichten abgepfiffen werden." Dann habe man in der Bundesliga "auch Ruhe", erklärte der 45-Jährige.

Die Aufreger und Vorwürfe im Überblick:

AUFREGER I: Schon nach neun Minuten hätte Dingert den Frankfurter Marco Fabian verwarnen müssen. Der Mexikaner war mit gestrecktem Bein in TSG-Torwart Oliver Baumann hineingerauscht. "Er hat keine Chance auf den Ball und geht voll auf mein Standbein", schilderte Baumann die Szene. "Das war eine Gelbe Karte mit einer orangenen Färbung", bewertete Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann das nicht bestrafte Foul.

AUFREGER II: Bei einem Duell an der Seitenlinie rammte Eintracht-Verteidiger David Abraham in der 32. Minute Hoffenheims Stürmer Sandro Wagner den Ellbogen mit voller Wucht gegen den Kopf, mit "95 km/h", wie Nagelsmann fand. "David Abraham ist ein toller Typ, aber die Aktion gegen Sandro Wagner war Wahnsinn. Das war mit vollem Risiko ins Gesicht eines Menschen, nicht eines Spielers, geschlagen", kritisierte der Hoffenheim-Coach den Ex-Hoffenheimer. Wagner ging zu Boden, doch der Schiedsrichter pfiff Freistoß gegen ihn. Eine krasse Fehlentscheidung, wie selbst Eintracht-Trainer Niko Kovac einräumte: "Das war eine klare Rote Karte, da müssen wir gar nicht drüber diskutieren."

Attacke mit Anlauf: Frankfurts Abraham streckte den Hoffenheimer Wagner mit seinem Ellbogen nieder. Der Schiedsrichter entschied auf Foul von Wagner. (Bild anklicken für komplette Collage)
Attacke mit Anlauf: Frankfurts Abraham streckte den Hoffenheimer Wagner mit seinem Ellbogen nieder. Der Schiedsrichter entschied auf Foul von Wagner. (Bild anklicken für komplette Collage)

AUFREGER III: Acht Minuten vor Schluss zeigt Dingert Frankfurts Timothy Chandler wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegen Wagner Rot. Doch wieder lag er falsch. "Er hat mich nicht schlimm berührt, da war nichts", schilderte Wagner das kurze Gerangel. "Die Rote Karte war übertrieben. Für Chandler tut es mir leid, dass er runtergestellt wurde. Ich hoffe, der DFB sperrt ihn nicht." Eintracht-Verteidiger Bastian Oczipka bewertete die Szene ähnlich: "Wenn man Timothy Rot zeigt, hätten 20 Spieler Rot sehen müssen. Insgesamt gab es einige Fehlentscheidungen, das hat sich dann hochgeschaukelt."

VORWURF I: Die nicht geahndete Tätlichkeit von Abraham gegen Wagner bewertete TSG-Trainer Nagelsmann als vorsätzliche Körperverletzung. "Wenn ich irgendwo sehe, wie ein Mann einem anderen mit dem Ellbogen in dieser Art und Weise ins Gesicht schlägt, klicken die Handschellen. Der wird das Tageslicht so schnell nicht mehr wieder sehen. Da fehlt mir die Relation zwischen dem Sport und dem realen Leben", kritisierte er. Auch Wagner unterstellte dem Eintracht-Verteidiger Vorsatz. "Er hat nur gewartet, bis ich komme, und mir dann den Ellbogen reingehauen", klagte er Abraham an. "Ich spiele auch hart, aber ich will nie einem anderen Spieler weh tun. Ich bin mir nicht sicher, ob er mir in der Szene nicht weh tun wollte. Es war auf jeden Fall grenzwertig."

VORWURF II: Nicht nur in dieser Schlüsselszene fühlten sich die Gäste als Opfer einer dreckigen Spielweise der Frankfurter, die 1899-Sportdirektor Alexander Rosen anprangerte. "Ich bin stolz auf das Verhalten unserer Spieler, denn es war alles andere als leicht, den permanenten Tritten und Provokationen Stand zu halten und sich nicht darauf einzulassen", sagte er. Bei allem Kampf und aller Emotionalität gehöre zum Fußball auch Respekt und Anstand. "Beides wurde von unserer Mannschaft gewahrt. Darüber freue ich mich." Zum Gegner sagte er diesbezüglich nichts, dafür verteidigte Kovac sich und sein Team: "Es ist keine Methode von uns, gegen diesen Vorwurf wehre ich mich. Das ist Fußball, da gehören Körperkontakt und Zweikämpfe dazu." An diesem Abend war davon jedoch zu viel im Spiel.

Quelle: n-tv.de

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