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Manche Fans von Eintracht Frankfurt sind auf die Darmstädter Anhänger offensichtlich nicht besonders gut zu sprechen.
Manche Fans von Eintracht Frankfurt sind auf die Darmstädter Anhänger offensichtlich nicht besonders gut zu sprechen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 28. April 2016

Stadionverbot für Frankfurter bleibt: Gericht kippt Fan-Sperrzone in Darmstadt

Wegen Furcht vor Krawallen im Umfeld des Bundesligaspiels am Samstag hatte Darmstadt sein Zentrum zur 36-Stunden-Sperrzone für Anhänger von Eintracht Frankfurt erklärt. Ein Gericht setzt das Verbot nun vorerst aus.

Der massive Widerstand gegen das Aufenthaltsverbot für Eintracht-Frankfurt-Fans in Darmstadt hat einen ersten Erfolg gebracht. Das Verwaltungsgericht Darmstadt gab fünf Eilanträgen gegen das Verbot statt. Man habe die aufschiebende Wirkung von Widersprüchen gegen die Verfügung der Stadt Darmstadt wieder hergestellt, teilte das Gericht mit. Damit kann das Innenstadtverbot nicht wie geplant am Freitagabend in Kraft treten. Die Stadt kann jedoch ihrerseits gegen die Entscheidung vor den Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel ziehen.

Insgesamt lagen dem Gericht sechs Eilanträge vor, von denen die Kammer fünf für zulässig und in der Sache auch begründet erachtet. Die Begründung werde im Laufe des Freitags vorgelegt. Unter anderem hatte der 40.000 Mitglieder starke Fanklubverband der Eintracht gegen die Verfügung geklagt.

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Ursprünglich sollten am Freitag um 19 Uhr jene 36 Stunden beginnen, in denen Frankfurt-Anhänger nicht die Innenstadt von Darmstadt betreten dürfen. Diese ungewöhnliche Maßnahme hatte die Stadt aus Angst vor Randale ergriffen: Wegen der Ausschreitungen im Hinspiel haben Eintracht-Fans ein Stadionverbot. Die Polizei rechnet dennoch mit 3000 Anhängern, die am Samstag zum brisanten Bundesliga-Derby (ab 15.30 Uhr im n-tv.de Liveticker) anreisen.

"Sippenhaft wegen Generalverdachts"

Etliche Juristen hatten betont, dass das Aufenthaltsverbot nicht rechtens sei und gekippt werden könne. Das größte Problem der von der Stadt Darmstadt erlassenen Allgemeinverfügung sei der Kreis der Adressaten. "Der ist völlig unbestimmt. Und das geht so nicht", sagte Eintracht-Vizepräsident und Anwalt Stefan Minden der Frankfurter Rundschau. Minden verurteilte, dass "massiv in ein Freiheitsrecht von Bürgern" eingegriffen werde. "Wenn der Staat das macht, muss er die Verhältnismäßigkeiten wahren. Und das war beim Stadtverbot ganz offensichtlich nicht der Fall", meinte Minden weiter.

Die Verfügung hatte nicht nur beim Darmstädter Rivalen in Frankfurt Unmut und Unverständnis ausgelöst, sondern auch bei Rechtsexperten, Fan-Anwälten und Politikern. Die Stadt beruft sich auf das hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die örtliche Kanzlei Lankau gehört zu jenen, die einen Antrag beim Verwaltungsgericht eingereicht haben. "Wir vertreten einen Eintracht-Fan, der in Darmstadt wohnt, einen verheirateten Familienvater", erklärte Anwalt Tobias Timo Weitz. "Er fühlt sich zu Unrecht in eine Ecke gestellt und wehrt sich nun gegen eine Sippenhaft wegen Generalverdachts."

Polizei erwartet Hunderte Gewaltbereite

Nach Angaben der Polizei Frankfurt gehören bei der Eintracht "mehrere Hundert" Fans der gewaltbereiten Szene an. Gegen 33 Personen wurden zusätzlich polizeiliche Betretungsverbote für das Stadion und Bereiche der Innenstadt ausgesprochen. Unter den "Lilien"-Fans gelten etwas über 100 Anhänger als problematisch. Waltraud Verleih, die als Rechtsanwältin den Fanklubverband in Frankfurt vertritt, hielt die Verfügung für unverhältnismäßig: "Das ist ein Grundrechtseingriff."

Auch die Organisation "Pro Fans" hatte das Aufenthaltsverbot für Frankfurter Anhänger massiv kritisiert. "Die Stadt Darmstadt sanktioniert mit der Verfügung eine Personengruppe von sechsstelliger Zahl nicht nur ihrer freien Meinungsäußerung, sondern allein schon ihrer Gesinnung wegen, indem sie das Recht des Aufenthalts im Stadtgebiet davon abhängig macht, welchem Fußballverein man zuneigt. Dieser Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit ist skandalös", sagte Pro-Fans-Sprecher Sig Zelt.

Darmstadts Kapitän Aytac Sulu wäre es am liebsten, die vom DFB-Sportgericht ausgeschlossenen Frankfurter Anhänger dürften am Samstag live am Böllenfalltor dabei sein. "Als Fußballer willst du Stimmung im Stadion haben. Und mit zwei Fanlagern auf den Rängen macht es mehr Spaß", sagte er dem "Kicker".

Quelle: n-tv.de

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