Sport
Mittwoch, 27. Oktober 2010

Wem gehört der Fußball?: Hartplatzhelden vor Gericht

Christoph Wolf und Stefan Giannakoulis

Wo der Präsident gleichzeitig der Mittelstürmer ist und die Opas an der Seitenlinie alles besser wissen, dort ist der Fußball zu Hause. Das Portal Hartplatzhelden stellt Videos von Amateurspielen ins Internet, ein Verband will das verbieten. Nun steigt vor dem BGH das Entscheidungsspiel.

Rote Karte für die Hartplatzhelden? Das entscheidet am Donnerstag der Bundesgerichtshof.
Rote Karte für die Hartplatzhelden? Das entscheidet am Donnerstag der Bundesgerichtshof.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt am Donnerstag in letzter Instanz den Rechtsstreit zwischen dem Württembergischen Fußballverband und der Internetplattform Hartplatzhelden. Dabei geht es vordergründig um die Frage, wem die Videorechte im Amateurfußball gehören. Tatsächlich muss der BGH klären: Wem gehört der Sport? Dem, der ihn organisiert? Oder dem, der ihn betreibt? Ein Präzedenzfall.

Wer sind die Hartplatzhelden?

Die Hartplatzhelden sind ein werbefinanziertes Online-Portal, auf dem Amateurfußballer seit 2006 kostenlos Videos ihrer Spiele hochladen können. Gegründet hat die Seite der Sportjournalist Oliver Fritsch mit dem Anspruch, "dem Amateurfußball, also dem wahren, echten und guten Fußball, ein Zuhause im Internet" zu geben. Deshalb werden nicht nur besonders schöne Spielszenen und Tore dokumentiert, sie werden auch ausgezeichnet. Mal von den Betreibern, mal von einer Jury, der schon Reporterlegende Manni Breuckmann, Günther Jauch und der Ex-Profi Marco Bode angehört haben. Zu Hochzeiten wurden bis zu 20 Videos pro Tag auf die Seite geladen. Zur Zeit sind es ein oder zwei neue Ausschnitte, was mit dem Rechtsstreit zusammenhängt. Das beste Amateurtor 2009 hat übrigens Erol Saciri, Spielertrainer vom PSV Blau-Gelb Göttingen erzielt – in bester Grafite-Manier, wie die Jury fand.

Was ist das Problem?

Der Württembergische Fußball-Verband (WFV), in dem die Vereine organisiert sind, versucht den Hartplatzhelden seit 2007 verbieten zu lassen, Videos aus seinem Verbandsgebiet im Internet zu veröffentlichen. Der WFV wirft der Internetplattform kommerzielles Interesse und damit unlauteren Wettbewerb vor. Weil der Verband die Amateurspiele organisiert und auch die Schiedsrichter stellt, will er auch die Bewegtbildrechte an den Spielen vermarkten. Er allein.

Was sagen die Fußball-Verbände?

"Es kann nicht sein, dass die Kosten des Spielbetriebs von 25.000 ehrenamtlich geführten Amateurvereinen von diesen getragen werden müssen, mögliche Einnahmen aber von gewinnorientierten Unternehmen abgegriffen werden", sagt Rainer Koch, Vizepräsident Recht im Deutschen Fußball-Bund. Die Funktionäre sehen sich in die Rolle der Buhmänner gedrängt. Dort das sympathische Onlineportal mit dem großen Herzen für kleine Fußballer. Hier der verstaubte Verband, der den Amateuren die Bilder an ihren Toren wegnehmen will. Herbert Rösch, Präsident des WFV, betont stets, es gehe darum, sich mögliche Einnahmequellen für die Zukunft zu sichern. Davon würden dann auch die Vereine profitieren. Und nicht ein kommerzieller Anbieter.

Was sagen die Hartplatzhelden?

"Wir betreiben das Projekt aus Liebe zum Fußball", sagt Oliver Fritsch. Und zitiert seine Mutter. Die sage ihm seit Jahren "ich soll endlich etwas Vernünftiges machen, und der DFB stellt mich als Abzocker hin". Fritsch betreibt auch noch das Portal Indirekter Freistoß, eine Presseschau. "Mein Ziel war und ist es, mir mit meinen Fußballplattformen mein Leben zu finanzieren, vielleicht sogar einmal eine Redaktion." Ganz andere Motive vermutet er beim DFB: Nachdem sich das Online-Portal als lukrativ erwiesen habe, wolle der Verband nun einen unliebsamen Konkurrenten ausschalten, sagt er und verweist auf die DFB-Seite fussball.de, auf der nun ebenfalls Amateurvideos zu sehen sind. "Ich finde es bedenklich wie der DFB Öffentlichkeit beschneidet und Informationsfreiheit einschränkt." Außerdem stelle man die Filme nicht selbst her, sondern sichte und kommentiere sie nur. "Wir reden von Hobbyfußball, in dem es überhaupt kein Vermarktungspotential gibt."

Was sagen die Gerichte?

Weder das Landgericht Stuttgart im Mai 2008 noch das Oberlandesgericht Stuttgart im März 2009 wollte sich der Argumentation der Hartplatzhelden anschließen. Sie gaben dem Kläger mit Hinweis auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb recht. Die streitenden Parteien stünden bei der wirtschaftlichen Vermarktung der Spielszenen im Wettbewerb. Das Videoportal liegt, um in der Fußballersprache zu bleiben, mit 0:2 zurück. Seitdem dürfen die Hartplatzhelden keine Videos mehr aus Baden-Württemberg ins Netz stellen.

Was steht auf dem Spiel?

Wenn der Bundesgerichtshof die vorangegangenen Urteile in letzter Instanz bestätigt, würde das bedeuten, dass die Rechte an den Bildern im Amateursport – nicht nur im Fußball – ausschließlich beim jeweiligen Verband liegen. Sie alleine entscheiden als Monopolisten, wo diese Bilder zu sehen sind. Und wo nicht. "Fußballspiele werden von Vereinen organisiert, nicht von Verbänden. Es darf keine Monopole geben", sagt Fritsch. "Wir genießen breite Unterstützung in den Vereinen und von Rechtsexperten und glauben noch immer, dass wir vor Gericht Recht bekommen. Wettbewerb muss frei sein." Ob der Bundesgerichtshof das genauso sieht, entscheidet sich am Donnerstag. Und gibt eine Antwort auf die Frage, wem denn nun der Fußball gehört.

Quelle: n-tv.de

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