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Torwart Tim Wiese darf durchaus hoffen: Hoffenheim holt Pannen-Gomes

Von Stefan Giannakoulis

Unter dem Deckmantel der Fürsorge setzt Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim Tim Wiese auf die Bank - und verpflichtet einen neuen Torwart, die Nummer drei von Tottenham Hotspur. Der ist Brasilianer - und lässt gerne mal einen Ball durchrutschen. Ob das im Abstiegskampf hilft?

Was hatten sie sich in der nordbadischen Provinz gefreut, als sie im Sommer einen leibhaftigen Fußallnationalspieler als neue Nummer eins im Tor präsentierten. Und als der dann auch noch davon sprach, sich mit der TSG Hoffenheim für den Europapokal qualifizieren zu wollen, waren alle begeistert. Ein gutes halbes Jahr später ist von Euphorie nicht mehr die Rede. Der Klub spielt gegen den Abstieg - und Tim Wiese sitzt nur noch auf der Bank. Weil er nicht mehr kann, dem Druck nicht mehr gewachsen ist.

Das Skurrile an der Situation ist, dass offenbar der Verein das für ihn entschieden hat. Und ihm nicht einfach sagt, dass er nicht mehr gut genug ist. Er spielte eine, nicht nur gemessen an seinen Ansprüchen, unterirdische Hinrunde. Die Statistikfreunde von kickwelt.de listen ihn auf Platz 20 von 23 in der Bundesliga eingesetzten Torhütern. Bei der jüngsten Niederlage in Frankfurt gab ihm das eher zurückhaltend wertende Fachmagazin "Kicker" die Note 4,5. Doch was sagt Manager Andreas Müller? "Tim ist in der jetzigen Situation absolut chancenlos. Egal, was er macht, er hat keine Möglichkeit, vernünftig bewertet zu werden. Der Druck, fehlerfrei zu sein, mit dem er in jedes Spiel gehen muss, ist unmenschlich. Ich glaube, das kann er im Moment nicht leisten." Also wird der Torwart am Samstag beim Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg nur zuschauen. "Wir haben eine große Vorsorgepflicht gegenüber dem Menschen Tim Wiese." Aber, sagt Müller, "auch dem Verein gegenüber". Also haben sie in letzter Minute einen Neuen geholt. Und jetzt wird's richtig bizarr.

Gehöriges Maß an Verzweiflung

Heurelho Gomes ist Brasilianer, 31 Jahre alt, und war zuletzt beim englischen Erstligisten Tottenham Hotspur die Nummer drei. Was Manager Müller nicht daran hindert, davon zu sprechen, die TSG Hoffenheim habe nun "einen Torhüter, der sowohl national als auch international eine Menge Erfahrung auf höchstem Niveau gesammelt hat. Er wird seinen Beitrag dazu leisten, dass die TSG in der Bundesliga bleibt. Davon bin ich überzeugt."

Nun wäre es merkwürdig, wenn er das nicht wäre. Doch wenn es nach dem Video geht, auf dem die größten Patzer zu sehen sind, die sich Heurelho Gomes in seinen dreieinhalb Jahren und 95 Spielen für Tottenham geleistet hat, muss sich Tim Wiese keine Sorgen um seine sportliche Zukunft machen. Es spricht für ein gehöriges Maß an Verzweiflung, unter dem Deckmantel der Fürsorge einen Mann ins Tor zu stellen, der schon viel dafür getan hat, sich den Spitznamen Pannen-Gomes zu erarbeiten. Immerhin: Auch Heurelho Gomes ist Nationalspieler, zehn Mal lief er für Brasilien auf. Das sind vier Länderspiele mehr, als sie Tim Wiese bestritten hat. Da keimt die Hoffnung in der Provinz.

Quelle: n-tv.de

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