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Jürgen Klopp und sein FC Liverpool stehen im Achtelfinale der Europa League.
Jürgen Klopp und sein FC Liverpool stehen im Achtelfinale der Europa League.(Foto: imago/Sportimage)

Europa-League-Abenteuer vorbei: Klopps Reds zerstören Augsburgs Traum

Von Tobias Wagner, Liverpool

Bis zum Abpfiff muss Jürgen Klopp zittern, doch am Ende behält Liverpool gegen Augsburg die Oberhand. Nun schauen die Reds voller Vorfreude auf das Europa-League-Achtelfinale - und träumen vom ersten Titel seit vier Jahren.

Es war eine typische Klopp-Geste. Nachdem der 48-Jährige seinen Spielern gratulierte und den eigenen Fans an der Anfield Road anerkennend zuwinkte, ging er in Richtung Fankurve des FC Augsburg. Klopp zollte den gegnerischen Anhängern großen Respekt und klatschte Beifall für deren Unterstützung für ihr Team. Über 2500 Fans hatten sich mit auf den Weg in den Nordwesten Englands gemacht, um die Mannschaft von Markus Weinzierl zu supporten. Sie zitterten bis zum Schluss und waren trotz der Niederlage alles andere als unzufrieden.

Teams & Tore

Tor: 1:0 Milner (5., Handelfmeter)

Liverpool: Mignolet - Clyne, Lucas Leiva,  Sakho, Moreno - Can, Henderson, Milner - Firmino, Sturridge (66.  Origi), Coutinho (80. Joao Carlos). - Trainer: Klopp

Augsburg: Hitz - Verhaegh, Janker (90. Shawn Parker), Klavan,  Stafylidis - Kohr - Esswein, Koo (80. Moravek), Altintop, Tobias  Werner (72. Bobadilla) - Caiuby. - Trainer: Weinzierl

Zuschauer: 40.000

Schiedsrichter: Clement Turpin (Frankreich)

So auch die Augsburger Verantwortlichen. "Wir haben gegen eine europäische Spitzenmannschaft bis zum Schluss mitgehalten. Kompliment an meine Mannschaft. In Europa haben wir eine super Visitenkarte abgegeben", erklärte Trainer Weinzierl nicht ohne Stolz. Die gesamte Mannschaft wurde nach Abpfiff noch minutenlang von den Fans gefeiert. "Das war ein Gänsehaut-Moment. In naher Zukunft wird das wohl nicht zu toppen sein", mutmaßte Weinzierl, der sich mit dem FCA weiterhin im Abstiegskampf befindet und am Sonntag zuhause gegen Borussia Mönchengladbach die benötigten Zähler für den Klassenerhalt einfahren will.

Jürgen Klopp musste im Vorfeld der Partie einen schwierigen Spagat vollbringen. Auf der einen Seite warnte der 48-Jährige vor dem starken deutschen Gegner, der in der englischen Presse fast überhaupt keine Beachtung fand, trotz des torlosen Remis aus dem Hinspiel. Auf der anderen Seite hatte der "Reds"-Coach schon den Sonntag im Hinterkopf, dann nämlich trifft der FC Liverpool im Carling Cup-Endspiel (Liga-Pokal-Finale) auf Manchester City. "Alle meine Spieler reden nur noch vom Finale. Ich bin gespannt, ob sie sich alle auf das Spiel gegen Augsburg fokussieren können. Wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen", mahnte Klopp vor der Partie.

Hitz hält Augsburg im Spiel

Zollte den Augsburger Fans nach der Partie Respekt: Liverpools Trainer Jürgen Klopp.
Zollte den Augsburger Fans nach der Partie Respekt: Liverpools Trainer Jürgen Klopp.(Foto: imago/Krieger)

Es hätte für Liverpool beruhigender laufen können, denn trotz vieler erstklassiger Gelegenheiten führten die "Reds" kurz vor Schluss nur mit 1:0. Ein Treffer der Augsburger hätte gereicht, um den Gastgeber kurz vor Schluss doch noch aus dem Wettbewerb zu werfen. Dass der FC Augsburg so lange mithalten konnte und am Ende tatsächlich noch die Chance auf das Remis hatte (Stafylidis scheiterte per Freistoß in der Schlussminute nur knapp), verdankte er fast ausschließlich Keeper Marvin Hitz. Der Schweizer parierte gleich mehrfach beste Einschussmöglichkeiten und hielt die Achtelfinal-Hoffnungen der Fuggerstädter am Leben.

Obwohl Hitz gar nicht zu einhundert Prozent bei der Sache war. Seine Frau Patrizia ist hochschwanger und erwartet ihr zweites gemeinsames Kind. "Es ist wirklich sehr stressig zu Zeit, die Geburt hätte schon passieren können, aber meine Frau geht es gut", erklärte Hitz, der noch am Donnerstagabend mit den Fans in einer Chartermaschine Liverpool Richtung Augsburg verließ. Die Mannschaft fliegt erst am Freitagmorgen zurück. Sportchef Stefan Reuter lobte explizit die Leistung seiner Nummer eins. "Er hat nicht nur heute eine überragende Leistung abgeliefert, er spielt schon die ganze Saison konstant stark."

Weinzierl befürchtet keinen Substanzverlust

Für die Augsburger ist die wundersame Reise durch Europa erst einmal vorbei. Jetzt steht der harte Abstiegskampf in der Bundesliga auf dem Programm. Am Sonntag empfangen die Augsburger in der heimischen WWK-Arena Borussia Mönchengladbach. "Das Ausscheiden ist bitter, vor allem weil wir bis kurz vor Schluss noch im Rennen waren. Einen Leistungsabfall befürchtete ich aber nicht, diese Niederlage gibt uns noch mehr Selbstvertrauen und Kraft für die anstehenden Aufgaben in der Bundesliga. Wenn es etwas Positives an der Niederlage gibt, dann, dass wir uns jetzt voll auf die Liga konzentrieren können.

Einen besseren Ort, um die Europa League zu beschließen, hätte sich der FCA auch nicht aussuchen können. Das Stadion an der Anfield Road ist eines der legendärsten im Fußballzirkus. "Ja, das Flair ist hier schon Kult", erklärte Weinzierl, der sich besonders an die gemeinsame Coaching Zone für beide Teams nur schwer gewöhnen konnte. "Gut, dass ich nicht so ein emotionaler Trainer bin, in der engen Coaching Zone kann es schon ganz schön intensiv zugehen." Übrigens bleibt es dabei: Noch keine deutsche Mannschaft konnte an der Anfield Road gewinnen.

Klopp will ersten Titel mit den Reds

Auf der anschließenden Pressekonferenz des FC Liverpool freute sich Klopp über den Einzug seines Teams ins Europa League-Achtelfinale. Mehr aber auch nicht. Er habe jetzt das League-Cup-Finale im Kopf und sei beruhigt, dass sich keiner seiner Spieler verletzt habe. Auch nicht sein Landsmann Emre Can, der gegen Augsburg im defensiven Mittelfeld einer der Besten der "Reds" war. "Für jeden Spieler, der in England spielt, geht mit einem Finale in Wembley ein Traum in Erfüllung. Jetzt bin ich voll auf das Finale fokussiert", erklärte der deutsche Nationalspieler. Dass der LFC einen Tag weniger als Manchester City Zeit habe zu regenerieren, störte Can indes nicht. "In einem Finale gibt es keine Müdigkeit."

Auch sein Trainer schaut voller Vorfreude auf das Endspiel in London. "Der Sieg gibt es uns weiteres Selbstvertrauen und wenn wir uns am Sonntag gegen City richtig anstrengen, dann kann das ein ganz gutes Match werden", lächelte Klopp verschmitzt. Sollte der FC Liverpool am Sonntag gegen City gewinnen, wäre es nicht nur der erste Titel unter Klopp, sondern der erste nach vier Jahren. Für den FC Liverpool und seine Fans eine viel zu lange Zeit ohne "Silverware".

Quelle: n-tv.de

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