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Freut sich bestimmt auch schon auf das Derby: FC-Fan in Müngersdorf.
Freut sich bestimmt auch schon auf das Derby: FC-Fan in Müngersdorf.(Foto: picture alliance / dpa)

Rheinisches Derby "wird ein Tollhaus": Kölner Spieler verspotten Düsseldorf

Von Roland Peters

Die Offiziellen des 1. FC Köln und von Fortuna Düsseldorf geben vor dem ersten Derby seit 14 Jahren die Fußball-Pazifisten - ganz anders die Fans. "Düsseldorf aus der Stadt boxen" heißt es, während über dem Dom ein Flugzeug mit Banner kreist.

Köln gegen Düsseldorf, das ist eine der elektrisierendsten Spielpaarungen im deutschen Fußball. Beide Fan-Lager laufen schon seit Wochen heiß, das erste Derby der beiden Klubs seit über 14 Jahren, und das direkt am 2. Spieltag der Saison. "Die Vorfreude ist riesengroß, das wird etwas Außergewöhnliches werden", sagt der neue FC-Trainer Peter Stöger vor seinem ersten Heimspiel (15.30 Uhr / n-tv.de Liveticker) als Coach der Geißböcke. Es ist eines der wichtigsten in dieser Spieltzeit der 2. Fußball-Bundesliga. Beide Teams wollen jedoch zurück in Liga Eins – und stehen damit in direkter Konkurrenz.

Sieht faszinierend aus, ist im Stadion aber verboten: Bengalos.
Sieht faszinierend aus, ist im Stadion aber verboten: Bengalos.(Foto: picture alliance / dpa)

Was früher gang und gäbe am Rhein war, dass sich nicht nur Fans vorab verbal beharken, sondern Verein und Spieler die Rivalität und Stimmung über die Presse auch noch anheizen, gehört eigentlich der Vergangenheit an. Denn vor solchen "Spielen mit erhöhtem Risiko" rufen die Offiziellen beider Seiten die eigenen Anhänger meist zur Vernunft auf, damit es nicht zu Krawallen kommt. Die Offiziellen taten im Vorfeld genau dies. Die Spieler nicht. Wegen der Brisanz verbot Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz seiner Mutter gar den Stadionbesuch: "Ich habe ihr gesagt: Du kriegst keine Karte. Du fährst definitiv nicht dahin", wird er im "Express" zitiert.

Die Düsseldorfer trieben es kurz vor dem Duell auf die Spitze, als ein Kleinflugzeug samt Banner im Schlepptau über Köln kreiste. "Kölner Opfer - Fortuna regiert" war darauf zu lesen. Eine andere Aktion rief eher Schmunzeln hervor: In einem Musikvideo (siehe unten) sind mehrere Fortuna-Fans zu sehen, die mit einem Transporter durch Köln fahren und unter dem Motto "Wir klauen Köln die Punkte" das "ö" an verschiedenen Stellen der Stadt zu einem "o" machen.

"Wir brauchen keinen Song"

Akteure des 1. FC Köln gossen derweil Öl ins Feuer. Wie Marcel Risse, der gereizt auf das Musikvideo reagierte: "Wenn die Düsseldorfer es nötig haben, zwei Punkte zu klauen, sind sie vielleicht mit einem Punkt zufrieden. Wir sind das nicht", tönte der gebürtige Kölner. Und fügte hinzu: "Wir brauchen keinen Song für das Derby im Internet zu veröffentlichen. Wir haben in der Stadt genug Musik, vielleicht ist das in Düsseldorf etwas anderes", so Risse spöttisch. Was das Wunschergebnis des Derbys angeht, sieht das sein Trainer ähnlich: "Wir wollen die drei Punkte", so Stöger.

Mit roter-weißer Brille ins Derby: FC-Trainer Peter Stöger.
Mit roter-weißer Brille ins Derby: FC-Trainer Peter Stöger.(Foto: dpa)

Thomas Kessler hält es indes wie sein Kollege Risse: "Jetzt dürfen sie mal vor voller Kulisse spielen, bei ihnen waren ja nur 30.000 da", stichelte er. Der Kölner Ersatztorwart ist sich zudem sicher: "Das wird das geilste Heimspiel der Saison." Die Stimmung in der Kölner Mannschaft ist offenbar hervorragend, zumindest das Motivationslevel betreffend.

"Es wird ein Tollhaus", kündigte der Kölner Coach an, wohlwissend, welche Emotionen das Derby auf beiden Seiten auslöst. Es ist das 55. Duell der beiden Karnevalshochburgen. Diese Einschätzung trifft wohl auf den Punkt, was in Köln-Müngersdorf schon vor dem Anpfiff los sein wird. Seit Wochen ist das Stadion ausverkauft, 50.000 frenetische Fans werden da sein. Das letzte Kölner Heimspiel gegen Düsseldorf fand in der Saison 1998/99 ebenfalls in Liga Zwei statt. Damals gewann die Hausherren unter Trainer Bernd Schuster 1:0.

Im aktuellen Derby steht Stöger indes mehr unter Zugzwang als sein Düsseldorfer Amtskollege Mike Büskens. "Es wäre schön, nach dem 1:1 in Dresden den ersten Saisonsieg zu landen", sagte der Österreicher. Büskens' Fortuna hatte zum Auftakt 1:0 gegen Energie Cottbus gewonnen.

Polizei will durchgreifen

Von den Fan-Aktionen kritisierte die Kölner Polizei vor allem den geplanten Düsseldorfer Marsch vor dem Match. "Wir werden den Marsch in seiner jetzigen Form nicht tolerieren. Wenn Rettungswege nicht mehr befahrbar sind, ist das nicht akzeptabel", sagte Pressesprecherin Dorothe Goebel. Düsseldorfer Ultras wollen vom Bahnhof Ehrenfeld zum Stadion laufen. Diese Strecke sei jedoch nicht nur "eine der Hauptzufahrtsstraßen zum Stadion", so die Polizei, sondern auch für Rettungsfahrzeuge von Bedeutung.

Ein Teil der Ultras hatte zudem angekündigt, in einem speziellen T-Shirt zum Derby zu laufen. Auf dem weißen Hemd ist das Konterfei des Kölner Geißbocks mit dem Schriftzug "Opfer" aufgedruckt. Zudem wurde ein Flyer aufgelegt, auf dem die Hohenzollernbrücke in Trümmern liegt.

Ebenso geschmacklos ist der Kölner Konter in Form eines Plakates mit Boxhandschuhen und der Aufforderung: "Alle Kölner auf die Straße! Düsseldorf aus der Stadt boxen." Denn angeblich wollen sich nicht nur 6000 Ticketinhaber aus Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Richtung Dom aufmachen, sondern auch Tausende Düsseldorfer ohne Eintrittskarte.

Quelle: n-tv.de

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