Sport
Siege sind für den FC Bayern Routine - auch zum Auftakt der Rückrunde.
Siege sind für den FC Bayern Routine - auch zum Auftakt der Rückrunde.(Foto: AP)

Kühler FC Bayern siegt zum Auftakt: Lewandowski erledigt mutigen HSV

Von Stefan Giannakoulis, Hamburg

Es ist ordentlich bis gut, was die Fußballer des Hamburger SV zum Auftakt der Rückrunde in der Bundesliga gegen den FC Bayern zeigen. Am Ende aber bleibt die Erkenntnis, dass das gegen den Klassenprimus nicht reicht. Was wiederum an Robert Lewandowski liegt.

Josep Guardiola hatte sich vorher in Demut geübt. Das kann er gut. Also hatte der Mann, der noch bis zum Sommer die Fußballer des FC Bayern trainiert, beteuert: "Natürlich werden wir auch dieses Jahr in der Rückrunde verlieren. Ich weiß vor jedem Spiel, wir können verlieren. Wir können auch in Hamburg verlieren." Dass dann an diesem kalten Freitagabend doch alles war wie stets, mag ihn dennoch nicht allzu sehr überrascht haben. Mit 2:1 (1:0) gewannen die Münchner zum Auftakt der Rückrunde in der Bundesliga beim HSV - und machten vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volkspark so weiter, wie sie aufgehört hatten, als sie in einer formidablen Hinserie nur eine einzige Partie verloren. Den Gastgebern blieb am Ende nur die Erkenntnis, dass sie zwar nicht untergegangen, sich tapfer und durchaus clever gewehrt hatten, letztlich aber gegen den Tabellenführer chancenlos waren.

Hamburg - München 1:2 (0:1)

Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Djourou, Cléber, Ostrzolek - Kacar (81. Gideon Jung), Holtby - Müller, Hunt, Ilicevic (69. Gregoritsch) - Lasogga (77. Rudnevs). - Trainer: Labbadia
FC Bayern München: Neuer - Jerome Boateng (56. Martinez), Badstuber, Alaba  - Lahm, Thiago - Costa (81. Robben), Alonso, Coman - Thomas Müller  (69. Vidal), Lewandowski. - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Tore: 0:1 Lewandowski (37., Foulelfmeter), 1:1 Hunt (53.), 1:2 Lewandowski (61.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

Das lag an Robert Lewandowski, der in der 37. und 61. Minute die Tore für den FC Bayern erzielte. Acht Minuten vor der Pause brachte er per Elfmeter seine Münchner in einer bis dahin einigermaßen ausgeglichenen Partie in Führung. Zuvor hatte Hamburgs Torhüter René Adler am Rand, aber eben innerhalb des Strafraums Thomas Müller von den Beinen geholt. Dass Müller vor diesem unzweifelhaften Foul bereits den Ball in Richtung Tor bugsiert hatte, war für Schiedsrichter Felix Zwayer kein Kriterium, Gnade walten zu lassen. Letztlich durfte Adler sich glücklich schätzen, mit einer Gelben Karte davongekommen zu sein. Ärgerlich aber war dieses Tor für den HSV allemal, bei dem die angeschlagenen Johan Djourou, Gojko Kacar und vor allem Angreifer Pierre-Michel Lasogga zur Freude ihres Trainers Bruno Labbadia in der Startelf standen.

Nur bedingt spielbereit

Video

Hatten die Hamburger doch bis dahin mutig, will meinen offensiv und bemerkenswert laufintensiv verteidigt und so die Bayern, die zu einem Dreiviertel der Zeit den Ball hatten, weitgehend von ihrem Tor ferngehalten. Und bei zwei Kontern  in der 13. und 22. Minute hatten Aaron Hunt und Dennis Diekmeier nach zwei feinen Kontern sogar die Chance, selbst einen Treffer zu erzielen. Bei den Bayern saß der Niederländer Arjen Robben bis zur 81. Minute auf der Bank. Trainer Guardiola hatte Douglas Costa, Thomas Müller und Kingsley Coman als offensives Trio nominiert, ganz vorne lief Robert Lewandowski auf. Thiago und Xabi Alonso verrichteten den Job als Abräumer vor der Abwehr, in der Jérôme Boateng und Holger Badstuber innen verteidigten, flankiert von den Außendienstmitarbeitern Philipp Lahm und David Alaba.

Hörte sich gut an, war es aber nur bedingt. Zumindest vermittelten die Münchner in der ersten Halbzeit den Eindruck, bei empfindlichen zwei Grad minus nicht das ihnen ansonsten eigene Maß an Spielfreude auszustrahlen - auch wenn der Brasilianer Costa auf der rechten Außenbahn andeutete, welche Tricks er beherrscht und wie schnell er ist, wenn  er will. Und die Hamburger? Ließen sich nicht beirren, kamen nach der Pause aus der Kabine - und glichen acht Minuten später aus. Hunt hatte einen Freistoß in den Strafraum der Münchner geschlagen und der Ball war irgendwie im Tor von Manuel Neuer gelandet. Fest steht: Lasogga, der im Stadion frenetisch als Torschütze gefeiert wurde, war nicht mehr dran. Es besteht der Verdacht, dass, wenn überhaupt, Alonso ihn hauchzart mit der Spitze seines Schuhs berührt hatte. Ein Eigentor also -1:1 (53.).

Aber wie das mit den Bayern so ist: Ob sie nun pikiert waren oder einfach nur eine wenig aufdrehten, wiederum acht Minuten später jedenfalls schlugen sie zurück. Und wieder war es Lewandowski, der sich als Torschütze verantwortlich zeigte - bereits zum 17. Mal in dieser Saison. Müller hatte aus 18 Metern einen Schuss abgegeben, der Ball landete beim Kollegen Lewandowski, der ihn vom Elfmeterpunkt aus zum 1:2 (61.) abfälschte, während Adler in die andere Ecke flog. Vier Minuten später dann hätte der Kollege Alaba für die Münchner alles klar machen können, doch der Ball flog nach seinem schön um die Hamburger Mauer geschlenzten Freistoß an den rechten Pfosten. Danach nahmen die Bayern das Tempo wieder ein wenig raus und die drei Punkte mit. So bleibt es dabei: Seit dem 26. September 2009 haben die Hamburger nicht mehr gegen den FC  Bayern gewonnen. Seither gab es 15 Spiele, 13 in der Liga, zwei im DFB-Pokal. Die Bilanz: drei Remis, zwölf Siege der Münchner - und 55:7 Tore.

Und wenn sie sich in Hamburg vor dem Spiel zaghaft gezeigt hatten, wenn Trainer Labbadia die verletzten Spieler beklagt, einen Sahnetag beschworen und Klubikone Uwe Seeler jegliche Aussicht auf Hoffnung negiert hatte, dann war das keine sich selbst erfüllende Prophezeiung -  sondern schlichtweg realistisch. So ordentlich es war: Mehr war heute nicht drin. Immerhin hatte sich ein Wunsch Seelers erfüllt. Der Ehrenkapitän der deutschen Nationalelf hatte für seine Hamburger gehofft, "dass das einigermaßen über die Runden geht und der HSV zumindest ein bisschen dagegenhalten kann". Nach diesem 1:2 kann er das durchaus behaupten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen