Sport

Breitner: "Doping war ein Thema": Manche Fußball-Helden reden doch

Von Christian Bartlau

Nun wollen sie doch was gewusst haben. Kaum richtet die Studie über Doping einen kleinen Scheinwerfer auf den Fußball, prangert Paul Breitner die Scheinheiligkeit seiner Kollegen an. Und Bernd Schuster findet an Doping nichts Schlechtes.

Manchmal ist eine Gegenfrage die beste Antwort. "Warum denn auch nicht?", fragte Paul Breitner, als er jüngst in einer Gesprächsrunde bei "Servus TV" beantworten sollte, ob in den Achtzigern Doping ein Thema im Fußball gewesen sei. Dann holte er aus, redete sich in Rage. "Oft wird ja gesagt, Doping macht im Fußball keinen Sinn. Ich hab dann immer gesagt: 'Seid's ihr blöd?'" Nun könnte man ihn fragen, wann und wo er sich denn "immer" über Doping geäußert hat. Aber: Wenn die alten Kämpen endlich offen reden, soll man sie nicht aufhalten.

Als die Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" erschien, gerieten auch die Fußball-Helden von einst in den Fokus. Drei Dopingfälle in der legendären Nationalmannschaft von 1966, diese Nachricht schlug ein. Und rief Widerspruch hervor. Der Tenor: Doping war nie ein Thema. "Einfach nur viel gerannt" seien er und seine Teamkameraden, sagte etwa Uwe Seeler.

Nur Vitamine?

Ebenso verharmlosend, aber auch erhellend waren dann die Einlassungen von Franz Beckenbauer in der Jubiläumssendung des Aktuellen Sportstudios. "Wir haben auch unsere Vitaminspritzen gekriegt", sagte der "Kaiser". Und musste schließlich zugeben, dass er natürlich nicht sicher sein konnte, was in diesen Spritzen drin war.

Breitner wurde bei "Servus TV" deutlicher. "In den Jahren, die ich überblicken kann, war Doping ein Thema. Wer das so wegwischt, ist ein Pharisäer für mich." Der Weltmeister von 1974 forderte seine Kollegen auf, keine falschen Tatsachen vorzuspiegeln: "Wenn wir so tun würden, dass nur die Leichtathleten, die Schwimmer, diejenigen waren, bei denen es Doping gab, sage ich: nein."

Das bisschen Doping …

Ein ehemaliger Nationalmannschaftskollege von Paul Breitner hat jüngst seine ganz eigene Meinung zu Doping geäußert: Bernd Schuster. Solange die Dopingmittel "der reinen Regeneration" dienten, habe er kein Problem damit, sagte er im Interview mit "Sport Bild Plus". Sich mit verbotenen Mitteln wieder an seine – wie auch immer geartete – normale Leistungsfähigkeit heranzuführen, soll also kein Doping sein. Das ist auch eine Meinung, viel interessanter ist aber eine kleine Nebenbemerkung: Es sei zu Schusters aktiver Zeit passiert, "manchmal sogar am Morgen vor dem Spiel", dass "dir die Ärzte und Physios irgendwelche Sachen" gegeben hätten.

Wer will, kann sich aus diesen Puzzleteilchen ein eigenes Gesamtbild der Geschichte des Dopings im Fußball basteln. Nur behaupten, dass Doping kein Thema im Fußball sei, das kann niemand mehr. Wobei man unweigerlich bei der Frage landet, wie es heute aussieht. Der interessanteste, weil aktuelle Teil der Dopingstudie ist aus undurchsichtigen Gründen nicht zustande gekommen.

Auf erleuchtende Aussagen von aktuellen Profis oder Verantwortlichen muss man wohl noch lange warten. Fredi Bobic, wie Breitner zu Gast bei "Servus TV", wies darauf hin, dass die Kontrollen "brutal" geworden seien. Horst Hrubesch, Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft, behauptete in der Runde, es gebe keine aktuellen Fälle. Es war der TV-Kommentator Wolf-Christian Fuss, der Widerspruch einlegte, und Hrubesch an die "verpassten" Doping-Kontrollen von Rio Ferdinand und Kolo Toure erinnerte.

Und die Kontrollen "brutal" zu nennen, ist nur die halbe Wahrheit: Zwar klingeln die Kontrolleure teilweise schon um sechs Uhr morgens, wie Leverkusens Stefan Kießling beklagte. Ein Schicksal, dass der Fußball mit anderen Sportarten teilt. Der Unterschied ist nur: Im Fußball werden die Kontrolleure kaum etwas finden, wenn sie wie bisher geplant nur 2200 Kontrollen pro Saison durchführen - und davon nur ein Bruchteil Blutproben sind. Das nennt der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel: "Eine Farce."

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Quelle: n-tv.de

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