Özil wehrt sich gegen VerleumdungenReals Präsident inszeniert Schmutzkampagne

Es bleibt ein Rätsel, warum der deutsche Fußballprofi Mesut Özil Real Madrid verlassen hat. Dort vermissen sie ihn. Präsident Florentino Pérez steht unter Druck - und verkündet die "Wahrheit über Özil". Der wehrt sich und schießt zurück.
Warum Mesut Özil nicht mehr für Real Madrid, sondern nun für den FC Arsenal spielt, ist immer noch nicht geklärt. War es die große Konkurrenz beim spanischen Rekordmeister, die den deutschen Fußball-Nationalspieler nach London getrieben hat? Oder wollte Real ihn verkaufen, um für ihn zumindest die Hälfte der 100 Millionen Euro zu bekommen, die der Klub an Tottenham Hotspur überwiesen hat, um sich die Dienste des Walisers Gareth Bale zu sichern? Klar ist nur: Mesut Özil ist mit seinen 24 Jahren seit vergangener Woche der teuerste Spieler in der Geschichte des deutschen Fußballs. Und Florentino Pérez steht unter Druck.
So sehr, dass er damit begonnen hat, Gerüchte in die Welt zu setzen, die dem Spielmacher nicht gerade schmeicheln. Der Bauunternehmer und Präsident von Real Madrid muss in anderthalb Wochen, am 22. September, den Mitgliedern bei der jährlichen Versammlung erklären, warum er mit Mesut Özil den besten Vorlagengeber des Teams ziehen ließ. Die Zuschauer hatten bereits bei der Vorstellung Bales, dem neuen Artisten im Madrider Circus Maximus, gerufen: "Ozil no se vende" - bloß nicht Özil verkaufen. Den Mann mit der Nummer zehn auf dem Rücken, der in drei Spielzeiten 74 Tore vorbereitet hat.
Davon hat die ganze Mannschaft profitiert, insbesondere aber Superstar Cristiano Ronaldo. Der Portugiese verbarg seinen Unmut nicht: "Ich bin wütend über Özils Weggang." Die Zeitung "El Periódico" titelte: "Der Özil-Transfer löst bei Real ein Unwetter aus", in einer Umfrage der meistverkauften spanischen Sportzeitung "Marca" stimmten 77,7 Prozent der Real-Fans gegen den Wechsel. Florentino Pérez musste erkennen, dass er falsch eingeschätzt hatte, wie beliebt Mesut Özil ist. Nun bangt er um seine Reputation. Und versucht offenbar, Mesut Özil in Misskredit zu bringen.
"Die Leute wissen, wie professionell ich bin"
Zumindest, wenn es nach der spanischen Tageszeitung "ABC" geht. Die zitiert Florentino Pérez mit Aussagen, die auch nach dem zweiten und dritten Lesen fragwürdig klingen. Wie das Blatt berichtet, wolle der Präsident den heftig kritisierten Verkauf Mesut Özils folgendermaßen erklären: Der 24-Jährige sei "kein guter Profi", er sei "von Frauen besessen", sei mit seinen Geliebten bis tief in die Nacht ausgegangen und habe nur vier Stunden pro Tag geschlafen. Und außerdem habe er zu viel Geld verlangt. Klingt nach dem Auftakt einer klassischen Schmutzkampagne.
Mesut Özil will das so nicht stehen lassen. Direkt nach dem 3:0-Sieg der DFB-Elf im WM-Qualifikationsspiel auf den Färöern, bei dem er einen Elfmeter verwandelte, gab er zu Protokoll: "Die Leute, die mich kennen, wissen, wie professionell ich bin. Mehr muss ich dazu nicht sagen", erklärte er. Der "Sport Bild" sagte er, es solle "offensichtlich von verschiedenen Seiten nur Stimmung gemacht oder Schuld abgewälzt werden".
Auch der Vorwurf, er habe sich in Gehaltsfragen verpokert, sei aus der Luft gegriffen. "Der Wunsch nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung ging ja nicht von uns, sondern von Real Madrid aus. Nicht wir haben um eine Erhöhung des Gehalts angefragt, sondern Real wollte Anfang des Jahres den ohnehin bis 2016 laufenden Vertrag verlängern." Mustafa Özil, Vater und Berater, sagte dem Kölner "Express": "Mein Sohn hat für Real 159 Spiele am Stück absolviert und in drei Jahren 74 Torvorlagen gegeben. Das kann man nur, wenn man hochprofessionell arbeitet." Gut für Mesut Özil, dass er jetzt in London ist.