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Alles für die Katz? Huub Stevens, seit Sonntag Ex-Trainer des FC Schalke 04.
Alles für die Katz? Huub Stevens, seit Sonntag Ex-Trainer des FC Schalke 04.(Foto: dapd)

Lehrbuch für Bankrotterklärungen: Schalke planlos ohne Stevens

Von Stefan Giannakoulis

So ist das Geschäft. Der Trainer ist immer die arme Sau, wenn's nicht mehr läuft. Also entlässt Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 Trainer Huub Stevens und setzt fortan auf den Coach der B-Jugend. Nach einem ausgereiften Konzept klingt das nicht.

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Dass es beim FC Schalke 04 seit Wochen nicht mehr so läuft, wie sie sich das in Gelsenkirchen wünschen, lässt sich schlicht und ergreifend an der Tabelle der Fußball-Bundesliga ablesen. Sechs Spiele, kein Sieg, zwei Punkte, Tabellenplatz sieben - das ist zu wenig für eine Mannschaft, die auch im kommenden Jahr in der Champions League spielen will. Und wer gesehen hat, wie hilflos die Schalker am Wochenende dem SC Freiburg mit 1:3 unterlagen, der kann durchaus verstehen, warum die Verantwortlichen um Manager Horst Heldt zu der Einsicht gelangt sind, dass es mit Trainer Huub Stevens kaum noch gelingen wird, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Doch auch wenn Entlassungen im Profifußball an der Tagesordnung sind, erstaunt es immer wieder, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Im September 2011 hatte Huub Stevens bei seinem erklärten Lieblingsverein das Ruder übernommen, weil Ralf Rangnick ebenso überraschend wie erschöpft sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Der Niederländer erschien allen Beteiligten als Königslösung, weil schnell ein neuer Mann her musste und er sich mit den Strukturen im Verein und der Schalker Seele auskannte. Und er machte seine Sache gut. Die Mannschaft belegte in der vergangenen Saison Platz drei und qualifizierte sich für die Königsklasse, in der sie in der laufenden Runde das Achtelfinale erreichte.

Fast mehr aber noch schien zu zählen, dass es Huub Stevens gelungen war, mit jungen, talentierten und hungrigen Spielern und einigen Hochkarätern ein Team mit Perspektive aufzubauen. Wer jetzt auf die Schalker Tristesse schaut, mag kaum glauben, dass es keine zwei Monate her ist, dass die Mannschaft mit Siegen bei Borussia Dortmund in der Liga und beim FC Arsenal auch international für Aufsehen sorgte. Und vor sechs Wochen erst hatte jemand ausgerechnet, dass den Königsblauen der beste Saisonstart seit 41 Jahren gelungen war. Und nun, alles für die Katz?

Der Trainer ist immer die arme Sau

Wer es sich einfach machen will, der kann sagen: So ist das Geschäft. Der Trainer ist immer die arme Sau, wenn's sportlich nicht mehr läuft. Der Klassiker halt. Das erklärt aber nicht, was in Gelsenkirchen geschehen ist. Die Spieler wirkten zuletzt gehemmt und verunsichert, allen voran Klaas-Jan Huntelaar, in der vergangenen Saison noch erfolgreichster Torschütze der Liga. Nach der jüngsten Pleite gegen die Freiburger gab er, gefragt nach den Gründen für die Schwächephase, resigniert zu Protokoll: "Viele lange Bälle, viele Fehler, viel auf Glück gespielt, fast kein Fußball." Klingt wie aus dem Lehrbuch für Bankrotterklärungen.

Und der Trainer? Sprach nach der Partie davon, er habe durchaus noch das Gefühl, bei den Spielern noch anzukommen. Eine Einschätzung, die seine Chefs so nicht teilen wollten. Vielleicht war es ihnen übel aufgestoßen, dass Huub Stevens, der zu Beginn seiner zweiten Amtszeit den Eindruck zu vermitteln versuchte, er habe sich vom knurrigen Übungsleiter zum entspannten Pädagogen gewandelt, mit jedem Misserfolg übellauniger und gereizter auf Kritik von außen reagierte. Und womöglich auch auf die innerhalb des Klubs.

Also hat der Verein das getan, was er glaubte tun zu müssen. Und mit Jens Keller, Coach der überaus erfolgreichen Schalker B-Jugend, den dreizehnten Trainer in den vergangenen 16 Jahren installiert. Der soll nun retten, was zu retten ist, und am Mittwoch mit den Schalkern das Achtelfinale gegen den FSV Mainz 05 schadlos überstehen. Jens Keller, das ist der Mann, der bei seinem bisher einzigem Engagement in Deutschlands höchster Liga beim VfB Stuttgart scheiterte. Seine Beförderung wirkt nicht so, als hätten sie in Gelsenkirchen einen soliden Plan B in der Schublade gehabt. Abgesehen davon: Vielleicht kommt ja irgendwann irgendjemand auf die Idee, dass es auch an den Spielern liegen könnte. Wie sagte doch Abwehrspieler Christoph Metzelder nach dem Trauerspiel gegen Freiburg: "Vor ein paar Wochen hatten wir uns im Schatten der Bayern etabliert. Stand heute sieht das anders aus - wir haben zerstört, was wir uns aufgebaut hatten."

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Quelle: n-tv.de

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