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"Robert hat mir alles abgenommen - vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen", begründet Franz Beckenbauer seine Wissenslücken.
"Robert hat mir alles abgenommen - vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen", begründet Franz Beckenbauer seine Wissenslücken.(Foto: picture alliance / dpa)

Millionen über Beckenbauer-Konto: Sein Name ist Franz, er weiß von nichts

Der Freshfields-Bericht zeigt: Franz Beckenbauer steckt tiefer in der WM-Affäre, als bislang bekannt. Doch der gibt sich weiter ahnungslos. Die Verantwortung für eine belastende Millionenzahlung nach Katar wälzt er auf einen ab, der sich nicht mehr wehren kann.

Franz Beckenbauer spricht - und sagt wieder einmal nichts. Am Tag nach Vorstellung des Freshfields-Berichts bestritt er in der WM-Affäre jegliche Kenntnis von einer Millionenzahlung von seinem Konto in Richtung Katar. "Ich habe erst vergangenen Mittwoch erfahren, dass das Geld nach Katar gegangen ist", sagte der ehemalige Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der "Bild am Sonntag".

Die Ermittlungen der Kanzlei Freshfields beim Deutschen Fußball-Bund hatten zuvor ergeben, dass Beckenbauer eine Schlüsselfigur in der noch immer nicht aufgeklärten WM-Affäre ist. Im Juli 2002 flossen sechs Millionen Schweizer Franken von einem Gemeinschaftskonto von Beckenbauer und seinem noch im gleichen Monat gestorbenen Manager Robert Schwan zunächst in die Schweiz und von dort nach Katar. Empfänger war eine Firma des dubiosen Fifa-Spitzenfunktionärs Mohammed bin Hammam, der 2011 lebenslang gesperrt wurde. (Der Weg des Geldes im Überblick)

Robert Schwan verstarb im Jahr 2000.
Robert Schwan verstarb im Jahr 2000.(Foto: dpa)

In der BamS beteuerte Beckenbauer, nichts von der Überweisung gewusst zu haben. Die Erklärung des 70-Jährigen: "Robert hat mir alles abgenommen - vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen." In der Nachbetrachtung habe er "vielleicht Fehler gemacht", räumte Beckenbauer ein. Die WM 2006 sei jedoch nicht gekauft gewesen.

Viele belastende Indizien

Doch auch wenn sich Beckenbauer in der BamS wie schon in vorherigen Interviews und auch den Befragungen von Freshfields komplett ahnungslos und unschuldig gibt: Die von den Ermittlern aufgedeckten Indizien deuten an: Der damalige WM-Cheforganisator steckt tiefer mit drin als bisher angenommen.

Die neu entdeckten dubiosen Geldbewegungen auf den Beckenbauer-Konten belegen, dass er an der in der Korruptionsfrage entscheidenden Zahlung von 6,7 Millionen Euro maßgeblich beteiligt war. Auch der Vertragsentwurf für Jack Warner (Trinidad und Tobago), der als Bestechungsentwurf gewertet wird, wurde kurz vor der WM-Vergabe im Jahr 2000 von Beckenbauer unterschrieben. Der Kontrakt trat zwar formal nicht in Kraft. Trotzdem erbrachte der DFB geldwerte Leistungen für Warner.

Das Märchen von der Sicherheit

Und obwohl von Beckenbauer sich bei den entscheidenden Punkten ahnungslos gibt und nichts zur Aufklärung beiträgt, erklärt er gebetsmühlenartig: Die verschwundenen Millionen seien nicht für den Kauf von Stimmen verwendet worden. Laut Beckenbauer habe es sich um eine Sicherheit gehandelt, um vom Weltverband Fifa einen Finanzzuschuss für die WM zu bekommen.

Das OK habe das Geld dringend benötigt. "Sonst hätten wir keine WM in Deutschland gehabt", sagte Beckenbauer: "Stellen Sie sich vor, die WM wäre geplatzt. Was für eine Blamage für Deutschland."

Blamabel ist allerdings für ihn und den DFB, dass der Fußball-Weltverband Fifa diese Version bestreitet und in der Affäre inzwischen glaubwürdiger wirkt als der DFB. Zudem bleibt offen, warum sich der DFB angesichts der erwarteten WM-Einnahmen nur auf diese dubiose Weise Geld besorgen konnte. Noch so eine Frage, die der damalige OK-Chef Beckenbauer eigentlich beantworten können müsste.

Quelle: n-tv.de

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