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"Ich dachte, dass der Coach auch gegen Werder auf der Trainerbank sitzen würde." Sagt Rafael van der Vaart über seinen Ex-Trainer Thorsten Fink.
"Ich dachte, dass der Coach auch gegen Werder auf der Trainerbank sitzen würde." Sagt Rafael van der Vaart über seinen Ex-Trainer Thorsten Fink.(Foto: imago sportfotodienst)

Hamburger SV feuert Trainer Thorsten Fink : Van der Vaart kann es nicht fassen

Schießbude der Fußball-Bundesliga, kein Spielkonzept und eine Reise zur Unzeit - der Hamburger SV entlässt Trainer Thorsten Fink. Während die Suche nach dem Nachfolger läuft, äußert Kapitän Rafael van der Vaart seinen Unmut. "Ich bin total schockiert."

Kapitän Rafael van der Vaart hat die Trennung von Trainer Thorsten Fink beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV kritisiert. "Oha, vor dem heißen Nordderby gegen Werder. Ich verstehe den Zeitpunkt nicht so ganz", sagte van der Vaart der "Bild"-Zeitung. "Ich dachte, dass der Coach auch gegen Werder auf der Trainerbank sitzen würde."

Die Trennung habe ihn überrascht. "Ich bin total schockiert. Das hätte ich nie für möglich gehalten", sagte der Niederländer. Er habe Fink als "hart arbeitenden und stets hochmotivierten Coach" kennengelernt. "Er brannte immer." Van der Vaart Teamkollegen wollten sich nach ihrer Ankunft am HSV-Trainingsgelände nicht zum Rauswurf Finks äußern.

Van der Vaart will die Schuld an der sportlichen Misere des HSV, der von fünf Bundesligaspielen der Saison nur eines gewonnen und am vergangenen Samstag eine 2:6-Pleite bei Borussia Dortmund kassiert hatte, nicht am Trainer festmachen. "Wir haben als Mannschaft eine große Teilschuld an der Misere. Unsere zahlreichen Klatschen in der jüngsten Vergangenheit haben den Trainer den Job gekostet."

"Ich bin stolz, hier gewesen zu sein"

Fink selbst gab sich gefasst. "Ich bin stolz, hier gewesen zu sein die zwei Jahre. Ich habe einen tollen Verein trainiert", sagte der 45-Jährige dem NDR. Es sei früh genug, die Ziele zu erreichen. "Auch mit einem anderen Trainer." Kreuzer hatte ihn am Montagabend über die Trennung informiert. Damit beurlaubte der neue Sportvorstand nach nur einem Vierteljahr an der Elbe Mann, mit dem er eine neue Ära bei dem Traditionsklub einleiten wollte. Fink hatte angekündigt, in dieser Saison mit den Europaliga-Anwärtern auf Augenhöhe zu sein - doch das war schon nach wenigen Wochen in der neuen Spielzeit Makulatur.

Grund für die Trennung sollen neben den herben Niederlagen gegen Hoffenheim (1:5) und in Dortmund auch ein Flug Finks nach München am Tag nach der Pleite beim BVB gewesen sein. "Zugegebenermaßen ist das etwas unglücklich, die Entscheidung getroffen zu haben, zur Familie zu fliegen", hatte Kreuzer kritisiert. Und dabei hatte Fink zuletzt öffentlich den inzwischen an den FC Schalke ausgeliehenen Dennis Aogo an den Pranger gestellt, als dieser an den zwei trainingsfreien Tagen nach Mallorca geflogen war. Auch Präsident Carl Jarchow soll über die freien Tage nach dem Heim-Debakel gegen Hoffenheim verwundert gewesen sein.

Das "Hamburger Abendblatt" berichtete, dass es bereits erste Gespräche mit Markus Babbel gegeben habe, der zuletzt die TSG Hoffenheim und davor Hertha BSC trainiert hatte. Der ehemalige Bayern-Profi habe sich allerdings Bedenkzeit auserbeten. Der HSV gab dazu zunächst keine Stellungnahme ab. Auch der Name von Franco Foda kurisert in Hamburg. Foda hat einst beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz mit Kreuzer zusammengearbeitet und musste vor gut drei Wochen wegen des misslungenen Saisonstartes beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern gehen. "Ich weiß nicht, woher der Name kommt, ich habe das auch gelesen. Das ist absoluter Schwachsinn", hatte Kreuzer gesagt - bevor er Fink feuerte.

Fink war am 17. Oktober 2011 als großer Hoffnungsträger vom FC Basel nach Hamburg gekommen. In seiner ersten Saison rettete der ehemalige Profi von Bayern München die Hanseaten vor dem Abstieg. In der darauffolgenden Spielzeit verfehlte der Westfale mit Platz sieben knapp die Europaliga League. Der HSV spielt am Samstag in der Bundesliga gegen den ebenfalls im Abwärtssog steckenden Nordrivalen Bremen. Werder ist mit sechs Zählern 14., der HSV hat zwei Zähler weniger auf dem Punktekonto und belegt in der Bundesliga-Tabelle Rang 15. Mit 15 Gegentoren hat der HSV derzeit die schwächste Defensive in der ersten Liga.

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Quelle: n-tv.de

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